Der „Schorsch der Woche“

Es ist eine Unart unter den deutschen Ultras und dabei sollte man es doch selbst am besten wissen… gemeint sind Presseartikel mit vermeintlichen Infos aus der Fanszene, die jedoch nichts weiter enthalten als haltlose Behauptungen, gefährliches und aus dem Zusammenhang gerissenes Halbwissen oder Lügen. Aber wenn es einen nicht selbst betrifft, sondern die „anderen“, denen man dadurch etwas Mentalität oder den letzten Funken Respekt absprechen könnte, dann betrachtet man solche Presseartikel eben weniger kritisch, oder? Die Chance will man ja nutzen, es bieten sich ja nicht so viele Gelegenheiten, dass man etwas serviert bekommt, was man selbst nur zu gerne so hätte, damit man es dem „anderen“ genüsslich um die Ohren schmieren kann. Aber nur weil man sich wünscht, dass etwas stimmt, stimmt es meistens trotzdem nicht…

… und so können wir den Blogger von Es lebe das Laster beruhigen: Du darfst „dieser Gruppe“ auch in Zukunft deinen Respekt zollen – auch wenns dir schwer fällt und du dir täglich das Mentalitäts-Gejammer aus München anhören musst. Peace out!

Hintergrund sind übrigens folgende Zeilen aus einem Blogeintrag

Viel Blabla, aber zwei Sachen sind mir aufgefallen [Anm.: Es geht um diesen Presseartikel]:
“Eine Rollenzuschreibung, mit der die hartgesottenen Ultras ihre Probleme haben dürften, weil das kaum förderlich ist für das eigene Image innerhalb der Szene. Die Ultras hätten selbst viele Zugeständnisse gemacht, sagt Hassler. Es sei schließlich kein Spaß, „wenn man sich in der ganzen Republik als Weicheier beschimpfen lassen muss“.
Das ist die Befürchtung nachdem folgendes betont wurde:
“Seit der Randale von Bochum, seit zwei Jahren haben sie nichts mehr gemacht“.
Nun, wenn es einen Grund gibt, die Nürnberger als Weicheier zu bezeichnen, dann sicher nicht wegen ausbleibender Randale, sondern einzig und allein wegen Kooperationen mit der Polizei, wie es folgender Satz aus dem Artikel suggeriert:
“Wer diese Frage verstehen will, muss wissen, dass Fußballverein und Polizei den Ultras in der Vergangenheit Zugeständnisse gemacht haben — und umgekehrt. Und dass trotz aller Differenzen offenbar ein zartes Pflänzchen namens Vertrauen aufgegangen ist. Es gab regelmäßige Gespräche, es gab Absprachen und Übereinkünfte.”
Nun kann in einem Artikel viel behauptet werden. Wenn es denn stimmen sollte mit der Zusammenarbeit mit der Polizei, dann ist mein letzter Funken Respekt für diese Gruppe flöten gegangen.

Abschließend stellt sich nun natürlich die Frage, wer denn jetzt eigentlich den Schorsch der Woche abgestaubt hat?
Ist es der anklagende St. Paulianer, der sich empfänglich für die Boulevardpresse zeigt, oder der Pressefuzzi, der mit seiner unsauberen Recherche vielleicht sogar bewusst die öffentliche Meinung manipuliert?
Nun, schaut man genau hin, so kann die Wahl eigentlich nur unseren Blogkollegen treffen, denn so falsch sind die Aussagen im Presseartikel zu den Zugeständnissen ja gar nicht, man sollte sie nur gründlich lesen und eben vor dem Hintgerund eines ahnunglosen Autor verstehen. Dass sich die Ultras nämlich mit der RSH oder dem Verein, oder beide zusammen mit dem Verein, oder nur die RSH mit dem Verein, oder der Verein mit der Polizei oder die Polizei mit dem Fanprojet oder das Fanprojekt mit den Ultras immer mal wieder zusammensetzen und es auf diesen Gesprächen irgendwelche Übereinkümfte gibt, das ist wahrscheinlich auch auf dem Kiez so.* Ein unwissender Pressemensch schmeißt das aber natürlich alles in einen Topf, macht für ihn ja auch keinen Unterschied. Wenn man sich dadurch (aus der Bouelvard-Presse) aber suggerieren lässt, dass es eine Zusammenarbeit zwischen Ultras und der Polizei gab/gibt, und daraus sogar Folgerungen zieht, dann kann dessen Respekt jedoch gar nicht so viel wert sein…

* Als Beispiel seien hier mal die Zäune vor der Kurve genannt. Ultras wollen keine Zäune, quängeln beim Verein. Verein sagt, oh, da müssen wir aber erst die Polizei fragen. Verein fragt Polizei. Polizei mahnt (mit autoritärem Gehabe), dass dann aber nix passieren darf. Verein sagt zu den Ultras, geht klar, aber es darf nix passieren. Ultras sagen, passiert doch nie was! Gut, beim Derby passiert dann doch was. Presseartikel wie oben werden geschrieben. Ein St. Paulianer liest es, zieht es in Betracht, dass die Ultras mit der Polizei zusammenarbeiten könnten und bloggt es im Internet. Wie sagt man da neudeutsch? lol