Paradebeispiel

Würden wir „Hobby-Journalisten“ von der Ya Basta!-Redaktion ein Sammelwerk herausbringen, in dem wir schlechte Berichterstattung rund um Fußballfans dokumentieren, der vorliegende Artikel aus der NZ dürfte nicht fehlen. Da wollen wir nun gar nicht über solche Feinheiten, wie den Umstand, dass der Begriff „Eventpublikum“ mit der aktiven Fanszene verknüpft wird, referieren. Ebenso sind wir es leid zu erörtern, dass es ohne sinnlose Material-Beschränkungen für die Stuttgarter Gäste wohl nie zu Auseinandersetzungen gekommen wäre.
Nein, kommentieren wir gleich was am meisten ins Auge sticht: „gewaltbereite Club-Anhänger, die der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind.“
Der vermeintlich seriöse Journalismus der heutigen Zeit, konnotiert offenbar mit dem Begriff „gewaltbereit“ fast schon automatisch Extremismus. Das passt scheinbar ganz gut: Fußball, Assisport, Proleten und Glatzköpfe. Soetwas lässt sich in den Köpfen vieler Gutmenschen schnell miteinander verbinden. Vermutlich muss der Autor ähnlich gedacht haben und packte die Zeilen promt, fettgedruckt in die Einleitung des Textes. Umso erstaunlicher ist es jedoch, dass im folgenden auf die Behauptung, die Nordkurve sei von Nazis unterwandert, nicht näher eingegangen wird. Schnell wird einem klar, was die Einleitung bezwecken sollte: es sollen einfach möglichst viele diesen Scheißdreck lesen.
Das hat ein Leser bereits sehr treffend kommentiert:

Ich finde es sehr schade, dass in dem Text nicht auf die rechtsextremen Nürnberger eingegangen wird. Stattdessen wird nur eine reisserische Überschrift fabriziert. Mich würde einmal interessieren woher die Meinung kommt. Natürlich widerspreche ich nicht, dass es sehr vereinzelt rechtsextremistische Clubfans gibt. Ich behaupte (Ohne wissenschaftliche Untersuchung) dass 1. die Ausländerfeindlichen Tendenzen in den letzten Jahren, bzw. Jahrzehnten auf ein Minimum reduziert wurde, von Steigenden Tendenzen kann keine Rede sein. Eine „Kollegin“ von der AZ hat einmal über einen Fanmarsch zum Derby gegen Fürth berichtet. Diese hat sich wenigstens noch die Mühe gemacht und versucht, das Bild einer Horde Glatzköpfen mit Fettbäuchen, die von Kopf bis Fuß mit Runen aus dem dritten Reich zutätowiert sind zu vermitteln. Dass Frau Will damals einen Teil zum Bankrott der Abendzeitung beigetragen hat, steht fest. (Mir sind sehr viele Abo-Kündigungen aufgrund dieses Berichtes bekannt.) Bitte schlagen Sie nicht in diese Kerbe und setzen weiterhin auf seriösen Journalismus.

Vielleicht ist es aber schlichtweg die neue Strategie der NZ, jetzt da die AZ endlich Geschichte ist, mal so richtig ordentlichen Boulevardjournalismus zu fabrizieren? Das wollen wir nicht hoffen.
Fakt ist aber, dass die Nordkurve nicht von Faschos unterwandert wird oder irgendwelche Überschneidungen bestehen. Dass auch rechte Personen zum FCN fahren, können wir nicht ausschließen. Innerhalb der Fanszene wurde ihnen in den vergangenen Jahren aber nie eine Plattform gewährt. Im Gegenteil, viele Glubberer, auch die Ya Basta!-Redaktion, haben sich seit jeher klar antirassistisch positioniert. Da ist es einfach nur traurig in regelmäßigen Abständen immer wieder dem rechten Rand zugeordnet zu werden. Scheinbar kommt aber keiner der entsprechenden Schreiberlinge auf die Idee, dass auch derartig falsche Aussagen in der Presse, Auslöser für ein rechtes Umwerben von Clubfans – wie vor kurzem etwa durch einen NPD-Stadtrat oder das Freie Netz Süd – sein können.