Unwahrheiten

Am Mittwoch setzten sich Verein und Fanvertreter mit dem DFL-Sicherheitskonzept „Sicheres Stadionerlebnis“ auseinander.

„Dabei konnten Verein und die anwesenden Fanvertreter einen klaren Konsens erarbeiten, in dem sie sich gegen Gewalt, Diskriminierung oder Rassismus in jeglicher Form sowie die Verwendung von Pyrotechnik aussprechen.“

…wie in der Stellungnahme des FCN nachzulesen ist.

Nanu?! Wer die Nürnberger Fanszene kennt, mag diese Behauptung nur schwer glauben, doch in der Tat, sie ist richtig!
Was der Verein jedoch nicht erwähnt hat, ist die Tatsache, dass man sich in diesem Zusammenhang auch darauf geeinigt hat, dass
1.) der 1. FC Nürnberg in der Saison 2013/2014 die deutsche Meisterschaft erringt
2.) der FC Byern ab sofort mit größeren Toren antritt und
3.) Lothar Matthäus das Traineramt der Spielvereinigung Greuther Fürth übernimmt.

Die genannten Änderungen werden nun auf der DFB-Mitgliederversammlung vorgestellt, denn natürlich bedarf es dazu auch der Zustimmung der weiteren Bundesligisten.
Pikant: Sollte das Konzept dahingehend geändert werden, dann würde dies bedeuten, dass der FCN in dieser Saison bereits vorzeitig den Klassenerhalt geschafft hätte.

Klingt absurd, oder? Absurd ist es auch!
Natürlich wurde sich mit den Fanvertretern N I C H T auf einen klaren Konsens, „in dem sie sich gegen Gewalt, Diskriminierung oder Rassismus in jeglicher Form sowie die Verwendung von Pyrotechnik aussprechen.“ und die Meisterschaft 2013/14 geeinigt. Bei diesem Gespräch ging es in erster Linie um die Zustimmung/Ablehnung des Vereins zum vorgsetzten Sicherheitskonzept auf der DFB-Mitgliederversammlung am 12. Dezember. Die Fanvertreter äußerten klar und eindeutig, welche Haltung sie vom Verein dabei erwarten würden. Der Verein nahm dies zur Kenntnis und resümierte, dass er nichts anderes erwartet hätte.
Richtig ist, dass im Anschluß daran, die Punkte aus dem Sicherheitspapier nach und nach durchgegangen wurden und es zu einem konstruktiven Austausch kam. Dies änderte aber freilich nichts an der grundsätzlichen Ablehnung.
Zur Verdeutlichung haben wir von den anwesenden Fangruppen/Organisationen noch einmal kurze Statements eingeholt:

Bündnis aktiver Clubmitglieder:

Mit einer sehr positiven Grundstimmung verließen wir am Mittwoch das Gespräch zum DFL-Sicherheitskonzept mit Vertretern des 1. FC Nürnberg. Wir konnten einige Punkte klar machen, vieles blieb ungeklärt – jedoch waren wir alle froh ob der Tatsache, dass der FCN unsere Meinung wenigstens zu einigen Punkten teilt und dieses unsägliche Konzept nicht unterstützt.
Mit großer Verwunderung mussten wir in den darauffolgenden Tagen die Stellungnahme des FCN zur Kenntnis nehmen. Wir haben ein wenig das Gefühl, uns wurden die Worte im Mund herumgedreht – von einem breiten Konsens der aufgeführten Fangruppen mit dem Verein kann jedenfalls nicht die Rede sein, schon allein weil die anwesenden Fangruppen das Papier komplett ablehnen, der FCN nur in Teilpunkten, die er löblicherweise nach Kräften versuchen will zu verbessern/verändern.

Ultras Nürnberg

„Dass der 1.FCN das Papier in dieser Form nicht unterschreibt, haben wir als Grundvoraussetzung angenommen. Wir interpretieren das Konzept jedoch vollkommen anders als die Offiziellen und lehnen es komplett ab. Das Gesprächsklima war in Ordnung, aber dass ein gemeinsamer Konsens gefunden wurde, daran können wir uns nicht erinnern.“

Banda di Amici

Sehr erstaunt nahmen wir heute die Stellungnahme des 1. FC Nürnberg in Hinblick auf das Konzept „sicheres Stadionerlebnis“ zur Kenntnis. Die Behauptung, dass ein gemeinsamer Konsens gefunden wurde ist schlicht und einfach unwahr! Wir lehnen jenes Papier komplett ab!

Rot-Schwarze Hilfe

Wie alle beteiligten Fangruppierungen lehnen wir das DFL-Papier zur Gänze ab. Wir sehen darin das Ende der bunten, belebten und wundervollen Fankultur in Deutschland. Im Laufe des Gespräches konnten wir uns zumindest in diversen Punkten einigen und der FCN sagte uns zu, sich bei der Mitgliederversammlung der DFL dafür einzusetzen. Wir begrüßen es, dass der Verein u. a. weiterhin an einem „Nürnberger Weg“ bei der Vergabe von Stadionverboten arbeiten möchte und die menschenunwürdigen Vollkontrollen ablehnt. Entgegen der Stellungnahme des Vereins gab es jedoch keinen Konsens, in dem sich alle Parteien gegen Gewalt, Diskriminierung oder Rassismus in jeglicher Form sowie die Verwendung von Pyrotechnik aussprachen. Die Rot-Schwarze Hilfe hat zur Kenntnis genommen, dass diese „Erklärung“ für die Liga und die Vereine anscheinend immens wichtig ist, sieht hierfür aber keinen Grund. Es wird medial alles dafür gegeben, die Fankultur in ein brutales Licht zu stellen und ein Bild zu zeichnen, welches vor Gewalt und Feuer strotzt. Fakt ist: ein Stadionbesuch ist sicher wie nie zuvor. Es muss sich schließlich auch keiner gegen Diebstahl in jeglicher Form aussprechen, um in der Breiten Gasse einkaufen zu gehen.

Umso erstaunlicher ist es also, dass am Freitag die oben genannte Stellungnahme des Vereins auf der Homepage zu finden war. Wir wissen nicht, ob die Vereinsvertreter einen völlig anderen Eindruck aus diesem Treffen mitgenommen haben, der Fehler in der Kommunikationskette Vereinsvertreter – Online-Redakteur lag oder absichtlich herbeigeführt wurde, um Unruhe zu stiften. Wir gehen jedoch davon aus, dass solche Mitteilungen vorher intern geprüft sowie freigegeben werden und sich die Vereinsvertreter dessen bewusst sind, dass wir Fans sehr penibel darauf achten, welche Worte uns in den Mund gelegt werden.

Wir fordern daher vom Verein, die Stellungnahme auf ihre Richtigkeit zu überprüfen und zu ändern!

… und wenn wir gerade bei Unwahrheiten sind, wollen wir an dieser Stelle noch kurz auf die gestrige, so genannte „Busblockade“ zu sprechen kommen.
Statt diesen Vorgang als positives Beispiel, friedlich Kritik zu üben, eine sportliche Wende sowie ein Umdenken innerhalb der Mannschft herbeizuführen, hervorzueheben, verbindet die Presse diesen konstruktiven Beitrag mehrheitlich mal wieder reflexartig mit Randalen. Passt ja so gut ins Bild, will jeder hören/lesen, eine Differenzierung scheint gar nicht notwenig. Statt über die Tatsachen zu berichten, presst man sie in ein Schema.
Siehe hierzu auch folgende Presseberichte:

Transfermarkt.de: Nürnberg-Fans randalieren und blockieren Mannschaftsbus
Kicker: Clubfans lassen Frust ab
Nordbayern.de: Clubfans blockierten Mannschaftsbus

Wir halten fest:
1.) Es wurde weder ein abgesperrter Parkplatz gestürmt, noch sich Zugang verschafft. Die Tore standen offen und es war überhaupt nicht ersichtlich, dass es sich um einen abgesperrten Parkplatz gehandelt haben soll. Ebenso sind die Behauptungen, dass es in dieser Situation zu Sachbeschädigungen am Bus oder parkenden Autos gekommen sei, haltlos.
2.) Des Weiteren ist auch die Behauptung, dass die Abfahrt des Busses verzögert wurde, haltlos, wenn zeitglich noch die Pressekonferenz stattfand.
3.) Die Situation war zu keiner Zeit aggressiv oder bedrohlich! Es wurde das Gespräch mit den Spielern gesucht und in sachlicher Weise geführt, der gesamtsportlichen Situation angemessen! Als Fans und Vereinsmitglieder ein gutes Recht. Auf dem Dorfplatz wie in einem Bundesligastadion
4.) Die Worte, u.a. von Mannschaftskapitän Schäfer, wurden zum Schluß sogar mit Applaus bedacht, da man sich der Verantwortung und den Fans stellte, man sie als ehrlich empfand und daraus Hoffnung sowie Besserung für die Zukunft ausmachte.
5.) Selbst die Polizei funkte nach Beendigung der Blockade an die Zentrale, dass die Situation ruhig verlaufen ist.

Zahlreiche Vieoaufnahmen, die angfertigt wurden, bestätigen diese Eindrücke und widersprechen den Pressemeldungen! Wir überlegen derzeit eine Veröffentlichung des Materials.

Als positive Ausnahme muss an dieser Stelle dafür der heutige „Doppelpass“ genannt werden. Claus Lufen, beim Spiel anwesender Sportreporter, und auch Dieter Hecking interpretierten diesen Vorgang als das, was er war: spontan, friedlich, kritisch und legitim – und eben nicht als kolportierten „Fanaufstand“, sondern der sportlichen Lage und Leistung angemessen, aber notwendig. Claus Lufen fügte an, dass sich hierbei auch die Medien zu hinterfragen haben, die – obwohl die Bilder eine ganz andere und eindeutige Sprache sprechen – in der Berichterstattung dramatisierten. Bezeichnend, dass er für diese mutige, ehrliche und selbstkritische Äußerung leider nur verhaltenen Beifall bakam. Kam für viele im Publikum, die ihre vorgefertigte Meinung hatten, wohl zu plötzlich…

Wir würden uns wünschen, wenn der Verein, dies ebenfalls noch einmal offiziell kommuniziert und klar den konstruktiven sowie friedlichen Charakter dieser Situation herausstellt, den Pressemitteilungen widerspricht und betont, die Ergebnisse aus diesem Dialog mit in die kommenden Partien zu nehmen!

Fazit (zu beiden Themen):
Wir Fans machen uns Sorgen, haben manchmal unterschiedliche Meinungen, doch wollen zusammen mit dem Verein Änderungen herbeiführen!

P.S.: Einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema „Sicherheitskonzept“ wurde übrigens von Frank Willmann veröffentlicht und irgendwie passt er auch zu gestern oder vielen anderen Situationen. Ein Klick lohnt sich!
Der Tagesspiegel/Wilmanns Kolumne: Wem gehört der deutsche Fußball?