Suggestion & Manipulation

Das Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ sorgt mit vielen strittigen Inhalten für ordentlich Gesprächsstoff und harsche Kritik.
Ein Beispiel sind die Körpervollkontrollen, dazu heißt es:

Wenn andere Maßnahmen nicht zu der Lösung der Problematik führen, sollen weitere Handlungsmöglichkeiten wie die Verbesserung der infrastrukturellen Möglichkeiten für eine angemessene Personen-Körperkontrolle in den notwendigen Stadionsektoren (z.B. Errichtung von Containern statt wie z.T. bisher Zelte) zur Verfügung stehen, um etwaige Vollkontrollen zügig und ohne unverhältnismäßigen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte durchzuführen.

Der größte Arschlochverein der Welt ist natürlich auch ein Befürworter des Konzepts und solcher Methoden. Also hat der FC Bayern jene Maßnahme gleich am Samstag selbst ausprobiert. Natürlich sorgte auch das im Vorfeld für mächtig Kritik, innerhalb weniger Stunden äußerten Eintracht Frankfurt, die Nordwestkurve, die Fanabteilung, diverse Fanclubs und auch die Ultras ihr Unverständnis

Siehe u.a.:
UF97: Morgen Vollkörperkontrollen in München! Nackt machen im Zelt!
Eintracht Frankfurt: Mögliche Ganzkörperkontrollen beim Spiel in München

Natürlich juckte das den FC Bayern und den bayerischen Polizeiapparat nicht die Bohne, sie zogen diese menschenunwürdige Kontrolle durch, rund 400 Eintracht-Fans blieben aus Protest vor dem Stadion.

Im Nachhinein rechtfertigen natürlich die Großkopferten ihre Maßnahme, werten sie als Erfolg. Was auch sonst?

Nachzulesen auf:
Bild: Nackt-Zelte bald vor jedem Stadion?

An sich ja nichts Neues, über das man sich aufregen müsste, wären die gequälten Augen nicht auch noch auf diese Zeilen gestoßen:

Bayern-Sprecher Markus Hörwick verteidigt die Maßnahme: „30 bis 40 Anhänger wurden strenger kontrolliert, mussten maximal ihre Jacken ausziehen.“ Dabei wurden laut Polizei 22 Messer und ein Pfeffer-Spray gefunden.

Bitte? Bei den 30 – 40 Kontrollen im Zelt wurden 22 Messer und ein Pfeffer-Spray gefunden??? Wow, bei diesen Zahlen kann man durchaus von einem Erfolg sprechen! Mehr noch: Bei diesen Zahlen scheinen solche Maßnahmen tatsächlich notwendig!

Für den unbedarften Büger endet hier die Story, der Eindruck bleibt. Fußball-Anhänger zweifeln zumindest daran, wissen es besser.
Wir haben nachgeforscht und zitieren aus der Pressemitteilung der Bayern

Bei den Kontrollen am Samstag wurden im Übrigen von der Polizei und dem Ordnungsdienst u.a. 20 Messer, 2 Schlagstöcke, 1 Schlagring, 1 Sturmhaube, Pfefferspray und Kokain sichergestellt.

Aha! Die Gegenstände wurden also bei allen Kontrollen um das Spiel herum gefunden. Das klingt schon ganz anders!
… ändert aber leider nichts daran, dass zuvor das Meinungsbild durch die Bild-Zeitung manipuliert worden scheint. Ja, es fällt schwer, hier nicht von Manipulation zu sprechen, denn es glaubt doch keiner ernsthaft, dass hier nur unsauber formuliert/recherchiert wurde. Das scheint mit voller Absicht zu passieren, schließlich ist der Ruf des Konzepts „Sicheres Stadionerlebnis“ etwas ramponiert und das müsse man vor dem 12.12.2012 doch etwas aufpolieren…

Aber trotzdem, wir wollen auch nicht die Augen vor den gefundenen Gegenständen verschließen, denn wir krass ist das denn? 22 Messer?
Nun, vielleicht sollte man wissen, dass damit nicht nur die 30cm-Edelstahl-Klingen gemeint sind. Zum großen Teil fallen darunter Brotzeitmesser, Taschenmesser oder auch Nagelfeilen. Und die werden am Eingang oder ums Stadion herum natürlich auch konfisziert. Die meisten tragen dies aber völlig unbewusst mit sich herum, z.B. weil sie noch die Arbeitsjacke mit dem Cutter in der Tasche anhaben, oder geben es auch bewusst am Eingang ab, damit man sich die Stulle auf der Rückfahrt im Zug trotzdem noch schmieren kann. Wird in den Berichten natürlich nicht weiter erwähnt, da sind nur die Zahlen wichtig. Nicht unbedingt eine Manipulation, aber mindestens eine Suggestion.

Aber da wären ja auch noch die Schlagstöcke, die Schlagringe und die Sturmhaube… Mit was für Sachen manche Leute ins Stadion gehen? Da kann einem ja schon Angst und Bange werden, oder?
Halt, nicht so schnell… wer sagt überhaupt, dass jemand damit ins Stadion gehen wollte? Die Gegenstände wurden bei den „Kontrollen am Samstag“ gefunden, also nicht unbedingt bei den Eingangskontrollen! Ein kleiner, aber feiner Unterschied, der natürlich im Raum stehen gelassen wird. Suggestion.
Wir haben nachgeforscht und zitieren aus dem Polizeibericht:

„Bei der Kontrolle von vier Frankfurter Fußballfans vor dem Spiel auf einem nahe gelegenen Parkplatz wurde auch deren Pkw genauer in Augenschein genommen. Hier konnten dann zwei Schlagstöcke, ein Schlagring, eine Sturmhaube und mehrere Spraydosen aufgefunden werden. Hier wird nun wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt. Alle vier Fans wurden bis Spielende in Gewahrsam genommen.“

Nun mag auch das Kopfschütteln erzeugen, doch lassen sich die Gegenstände, die tatsächlich in den Zelten und bei den Eingangskontrollen gefunden wurden, auf völlig harmlos herabstufen, gerade wenn man diese Zahlen in Relation stellt: Bei 71.000 Fußballfans wurden 22 Messer – ganz gleich welcher Art, zu welchem Zweck und nicht nur am Gästeblock – gefunden. Und ja, unter 71.000 Menschen gibt es auch viele, die in irgendeiner Form mit Drogen wie Kokain in Verbindung geraten. Wie übrigens in unserer gesamten Gesellschaft, ob in der Kirche, auf der Arbeit oder auf der Straße. Auch das ist traurig, beim Fußball aber nicht mehr und nicht weniger wie anderswo! Zieht man nun weitere Zahlen aus dem Polizeibericht heran, so kam es unter 71.000 Personen zu 2 Geschädigte durch ein Körperverletzungsdelikt. Zwei. Insgesamt kam es unter den 71.000 Schlachtenbummlern zu 13 angezeigten Straftaten! Dabei „handelte es sich in der Hauptsache um Delikte wie Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung, Beleidigung etc.“ Da kennen wir das USK aber auch deutlich fleißiger…

… und plötzlich entsteht ein ganz anderer Eindruck, als er zunächst durch den Bild-Artikel oder die Pressemitteilung der Bayern vermittelt wurde. Man muss sich nur verdammt viel Mühe machen…

Fakt ist: Im Stadion ist es sicherer als an jedem Bahnhof, in jedem Supermarkt und auf jedem Volksfest!

Die Maßnahme war ein Erfolg? Mit Sicherheit!
.. wenn sie das Ziel hatte, Fußballfankultur aus dem Stadion zu vertreiben.

Es dürfte wohl allen klar sein, dass die nächsten Wochen entscheidend für die Zukunft der Fankultur in Deutschland werden können.
Der 12.12.2012 rückt näher, die Vereine werden über das Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ diskutieren und möglicherweise über einige Punkte abstimmen.
Wir Fans haben nur noch wenige Möglichkeiten, unsere Stimme gegen solche Maßnahmen zu erheben. Wir werden sie nutzen. Weitere Infos folgen!

Zum Thema:
sge4ever: Die Würde des Menschen ist unantastbar
Blog-G: 20 Messer
Ich fühl mich sicher