Rigorose Repressionen
und Polizeigewalt

Fußball nach dem Sicherheitspapier

Das Auswärtsspiel in Frankfurt sorgte für viel Gesprächsstoff und Frust, eine Gesamtbeurteilung fällt schwer, doch wir wollen es versuchen. Bitte nehmt euch die Zeit, lest die ausführlichen Zeilen durch und zieht eure Rückschlüsse draus.

Die Ausgangslage(n)

Die Planungen seitens Ultras Nürnberg konzentrierten sich im Vorfeld auf die große Schifffahrt. Dadurch sollte das besondere Highlight des Spiels gesetzt werden, um später stimmgewaltig im Stadion auftreten zu können. Ein Einsatz von Pyrotechnik im Gästeblock – und das können wir im Nachhinein sagen – war nie geplant.

Dem gegenüber stand die Einschätzung der Polizei. Aus Nürnberger Kreisen erhielt Eintracht Frankfurt den Hinweis, dass ein massiver Einsatz von Pyrotechnik geplant sei. 200 kg (!!!) wären dafür aus Tschechien geordert worden, des Weiteren gäbe es präzise Hinweise, dass dafür die Zaunfahnen als Sichtschutz verwendet werden sollten.

Unterschiedlicher hätten die Einschätzungen also gar nicht sein können und man muss die Frage stellen, worauf die szenekundigen (???) Beamten ihre Vermutungen stützten? Etwa auf Aussagen ihrer V-Leute???

Polizei vor Ort hätte Zaunfahnen erlaubt

Ultras Nürnberg reiste schließlich – nachdem die Schifffahrt abgesagt wurde – mit dem Sonderzug nach Frankfurt. Anreise und Weg zum Stadion verliefen völlig ruhig und störungsfrei. Wie im Vorfeld angekündigt, führte man die Zaunfahnen mit sich, um vor Ort noch einmal das Gespräch mit Eintracht Frankfurt zu suchen.

Dieses Gespräch fand zunächst vor dem ersten Sicherheitsring und später im Stadionbüro des Sicherheitsleiters statt.
Zuvor erklärte aber bereits der Einsatzleiter der Polizei, dass die Zaunfahnen ihrerseits kein Problem seien – die Genehmigung müsse aber vom Veranstalter, Eintracht Frankfurt, kommen. Interessant ist also, dass die Polizei vor Ort die vorangegangene Einschätzung der Nürnberger Kollegen hinsichtlich der Zaunfahnen korrigierte.

Zaunbeflaggung in Frankfurt 2010
Sichtschutz bei Pyrotechnik? Wohl kaum! – Zaunbeflaggung in Frankfurt 2010
… damals wurde sogar angeboten, die Zaunfahnen an den Zaun zu hängen, was allerdings abgelehnt wurde, weil man nicht durch eine Ordnerkette getrennt von der Zaunfahne stehen wollte. So wollte man dies auch 2013 handhaben – oder wären etwa keine Ordner dort gestanden? Schließlich scheinen sie doch massiv im Sichtfeld zu stehen?!

SGE-Sicherheitsleiter bleibt uneinsichtig

Im Gespräch mit dem Sicherheitsverantwortlichen wurde jedoch schnell deutlich, dass die Eintracht das Verbot aufrecht erhalten wolle – mit Hinweis auf die Einschätzung der Nürnberger Polizei. Auf die Anmerkung, dass diese sich offensichtlich geändert hatte, reagierte Herr Lerch mit den immer gleichen Ausflüchten.
Die Krönung ist jedoch der latente Vorwurf, dass man sich im Vorfeld hätte einigen können – Zeit wäre genug gewesen. Alleine diese Aussage zeigt, in welcher Welt diese Herren leben, vor dem Hintergrund, dass man die Glubbfans vor vollendete Tatsachen gestellt hatte und diese erst am Donnerstag Nachmittag vom Zaunfahnenverbot erfahren hatten, schiebt man die Schuld auf fehlende Dialogbereitschaft der Fans?! Der erpresserische Charakter dieses Angebots soll an dieser Stelle nicht auch noch thematisiert werden, Scheinheiligkeit pur!
Viel nachdenklicher stimmte jedoch die Tatsache, dass allen Personen in diesem Raum klar war, dass diese Entscheidung falsch war. Denn: Zaunfahnen im Stadion können kein größeres Sicherheitsproblem sein, als 500 Leute vor dem Stadion, zumal man betonte: wenn man ernsthaft vorgehabt hätte, 200 kg Pyro zu zünden, dann hätte man die Zaunfahnen daheim gelassen und wäre ins Stadion gegangen. Freilich konnte und wollte man keine Garantie dafür abgeben, dass von Nürnberger Fans nichts gefackelt werden würde, im Nachhinein kann man aber sagen, dass dies zumindest nie geplant war. Gerne hätte man diese Aussage im Block untermauert und den Gegenbeweis zur Nürnberger Polizei-Einschätzung angetreten.
Herr Lerch verspürte wohl aber den Druck seines Vorgesetzten, lenkte nicht ein und stimmte zu, dass es an diesem Tag dann nur Verlierer geben würde. Das zeigt auch, dass vorangegangenes, positives Fanverhalten – wie es von Nürnberger Seite in Frankfurt seit 2008 zu beobachten ist – keine Relevanz besitzt und nicht belohnt wird, wenn von Seiten der Polizei eine solche hanebüchene Behauptung aufgestellt wird.
Und um die Begründung des Zaunfahnenverbots endgültig ad absurdum zu führen: Warum wurden dann normale Fahnen erlaubt? Mit etwas Geschick hätte man aus diesen einen viel besseren Sichtschutz bauen können – das Verbot bleibt weiter unverständlich und vor allem nicht zielführend.
Übrigens: Auch die vorangegangenen Spiele gegen Eintracht Frankfurt wurden als Risikospiele eingestuft, dennoch wurden die Zaunfahnen stets erlaubt. Dieses Mal sollten die Zaunfahnen draußen bleiben, auch wenn es jedweder Vernunft widersprach. Aber in Panik vor einer drohenden Strafe durch das DFB Sportgericht (Vorfälle in Leverkusen) schienen die Verantwortlichen der Eintracht nicht mehr situativ und differenziert handeln zu wollen.
Diese Entscheidung wurde also nicht im Sinne der Sicherheit getroffen, sondern in blinder Befehlsausführung, die aus einer folgenschweren Fehleinschätzung der Nürnberger Polizei resultierte. Und wir wiederholen uns, dass dies allen bewusst war: Den Sicherheitsverantwortlichen, der Fanbetreuung/dem Fanprojekt, der Polizei und auch den Fanvertretern, die beharrlich auf den Entscheidungsträger einredeten. Vergeblich. Es war die letzte Chance, doch die Person, die sie hätte ergreifen können, tat es nicht, um seinen eigenen Arsch zu retten. Die örtliche Polizei wurde dadurch in eine schwierige Situation gebracht, die sie wohl am liebsten vermieden hätte, weil sie ihr offensichtlich nicht gewachsen war.

Solidarität

Zahlreiche Fans aus dem Block solidarisierten sich nun und verließen das Stadion. Überwältigt von diesem Zuspruch, entschied man sich, diese und die eigenen Leute nicht im Regen stehen zu lassen. Man hätte ja auch gar nicht – wie zunächst angekündigt – sofort mit dem Zug heimfahren können, nachdem sich so viele Bus- und Autofahrer dem Boykott anschlossen. Also begann man die Mannschaft trotz dieser Entfernung anzufeuern – über ein Fluchttor konnte man sogar einen kleinen Blick aufs Spielfeld erhaschen.


Quelle: EFC Rodgau 1999

Sicherheitsrisiko durch Polizeigewalt

Was nun folgte lag weder in unserer Macht, noch Verantwortung, ebenso wenig war es geplant, wenn auch unter dieser Vorauslage unvermeidbar. An dieser Stelle wollen wir aber ausnahmsweise die Presse zitieren, hätten wir es selbst formuliert, man hätte es uns nicht geglaubt:

Alsbald entbrandeten die ersten Gesänge, die sich allerdings weder gegen den DFB, noch gegen die massiv aufmarschierte Polizei richteten. Stattdessen wurde die Mannschaft aus ungewohnter Entfernung unterstützt.

Pfefferspray und Schlagstöcke

Anscheinend war diese Form des Protests dem Ordnungsdienst und der Polizei ein Dorn im Auge. Nach und nach sollten die Glubbfans, die außerhalb des Stadions ausharrten, weg vom Zaun getrieben werden. Die Stimmung wurde zusehends gereizter. Die Polizei sprühte nach Augenzeugenberichten Pfefferspray in die Menge und schlug Fans stellenweise mit dem Schlagstock gegen den Kopf. Die Fans warfen mit Bierbechern zurück. Einige FCN-Anhänger trugen in der Auseinandersetzung mit der Polizei offenbar Verletzungen davon.“

Quelle:
http://www.nordbayern.de/sport/zaunfahnenverbot-erzeugt-hitzige-stimmung-in-frankfurt-1.2682400

Laut Polizeimeldungen gab es auch verletzte Polizisten – durch Augenreizungen. Bevor nun aber ein heller Kopf daraus schließt, dass Glubbfans Pfefferspray mit sich führten, der irrt. Viel mehr führte der unkontrollierte und übermäßige Einsatz der Polizisten zu Verletzten in den eigenen Reihen. Alle Glubbfans, die ebenfalls durch Pfefferspray verletzt wurden und in keiner Statistik aufgeführt werden, mögen sich bitte ein ärztliches Attest holen und sich bei der Rot-Schwarzen Hilfe melden. Ebenso wie alle weiteren Fans, die in irgendeiner anderen Weise von Polizisten verletzt wurden und Anzeige erstatten wollen.

Schlussfolgerungen

- dieses Sicherheitskonzept ist gnadenlos gescheitert! Wir appellieren noch einmal an die Entscheidungsträger derartige Maßnahmen zu überdenken
- viele Glubbfans wurden Opfer polizeilicher Gewalt und dürften nach diesem Spiel massiv an Vertrauen in die Polizei verloren haben – eine Entwicklung, die immer mehr zunimmt und nachdenklich stimmen sollte
- nach den Diskussionen um das DFL-Sicherheitspapier versicherten gerade auch Vereine wie Eintracht Frankfurt, dass ein differenzierter Umgang und Dialog mit Fans zu führen sowie Fankultur zu erhalten ist. Das wurde gestern als große Lüge entlarvt
- am Ende werden aber wieder wir Fans für die Vorkommnisse verantwortlich gemacht, mit Anzeigen und Stadionverbot belegt. Wir Fans müssen für Fehlentscheidungen und Fehleinschätzungen der Verantwortlichen büßen.
- dieses Spiel wäre völlig friedlich verlaufen, hätte man nicht auf die Einschätzung der Nürnberger Polizei vertraut, sondern den Fans

All dies sind traurige Erkenntnisse, die bleiben…
… und all das nur, weil Eintracht Frankfurt seinen Arsch vor dem DFB retten wollte, was auch geglückt sein dürfte. Schließlich fanden die Vorkommnisse vor dem Block und nicht darin statt. Dass dadurch mehr Menschen zu Schaden kamen als durch irgendein befürchtetes Fehlverhalten der Fans, dürfte egal sein – hat ja auch keiner mitbekommen bzw. geschah hinter der scheinheiligen Fassade. Zufrieden, Herr Bruchhagen? Aber nicht wundern, wenn eure Anhänger bei einem Gastspiel mal dasselbe erleben müssen!

Ausblick

Es ist zu befürchten, dass aus diesen Vorfällen wieder nicht gelernt wird, sondern die Antwort in noch mehr Repression gesehen wird. Gerade mit Blick auf unser Spiel in München ist schon jetzt das Schlimmste zu erwarten.
Als Nordkurve Nürnberg gehen wir trotzdem gestärkt und mit einem stolzen Gefühl nach Hause, denn viele Fans haben deutlich gezeigt, dass sie diese Maßnahmen und diesen Fußball ablehnen. Wir alle sind nach diesem Spiel näher zusammengerückt, das gibt etwas Hoffnung!
Doch was muss passieren, dass dies auch die Verantwortlichen erkennen? Was muss passieren, dass Angst vor Pyrotechnik und Strafen durch den DFB nicht jedes Sicherheitskonzept ad absurdum führen? Die guten Ansätze, die durch DFL-Geschäftsführer Rettig nach den 12:12 Protesten, zu erkennen waren, scheinen sich schnell als Seifenblase zu entpuppen!
Im Ergebnis können wir nicht zufrieden sein. Wir hätten auch den einfacheren Weg wählen und die Zaunfahnen schmuggeln können. Doch das wäre nur eine temporäre Lösung des Problems gewesen. Wir wollen daher ausdrücklich alle Szenen dazu ermutigen, bei selber Sachlage ebenfalls in die Offensive zu gehen und das Problem öffentlich anzugehen, damit es thematisiert wird. Wir hoffen aber nicht, dass es in anderen Fällen schließlich in ähnlichen Situationen endet, aus denen man den Fans im Nachhinein wieder einen Strick dreht. Das löst das Problem nicht. Aber ehrlich und kritisch gefragt: würden wir (und die Medien) dann noch davon sprechen? Und es muss darüber gesprochen werden!

Proteste wie in Frankfurt
Proteste wie Frankfurt 2013 – bald häufiger?

Frage nach der Verantwortlichkeit

Wichtig ist nun, herauszufinden, woher und warum diese Fehleinschätzung seitens der Nürnberger Polizei kam.
Und warum Eintracht Frankfurt dieses Verbot rigoros umzusetzen versuchte, trotz mehrmaligem Abraten seitens der Fanbetreuer/des Fanprojekts und geänderter Sachlage. Wollten sich die Vereine nicht auch auf die Fahnen schreiben, zukünftig enger mit Fanvertretern zusammenzuarbeiten? Alles schon wieder vergessen?
Diese Hintergründe beantworten schließlich auch die Frage nach Schuld und Verantwortung. Aber wir wissen schon jetzt, dass diese Herren alles dafür tun werden, sich aus dieser Verantwortung zu stehlen, zu vertuschen, um weiter ihr Saubermann-Image vorzuheucheln. An einer wirklichen und flächendeckenden Problemlösung ist keiner interessiert, Hauptsache der eigene Arsch erscheint sauber!

Wir fordern eine öffentliche Entschuldigung vom Frankfurter Sicherheitsleiter Herrn Lerch und eine präzise Aufklärung, woher diese Fehleinschätzung der Nürnberger Polizei kam. Ihr habt diese Situation zu verantworten, erklärt euch!

… und vom FCN wünschen wir uns,… ach nein, lassen wir das lieber.

Danke an alle Glubbfans, Fanbeauftragten Bergmann, das Fanprojekt, den mitgereisten Vertretern und Anwälten der RSH, sowie besonders den beiden Spielern Mak und Chandler für die Solidarität und tatkräftige Unterstützung. Gäbe es mehr von euch, unser Fußball wäre ein stückweit besser!

Augenzeugenbericht:
http://glubb.blogspot.de/2013/02/tranengas-und-prugel-ein-ausflug-nach.html

Presseanfragen nimmt Ultras Nürnberg über fragen@un94.com entgegen.