Derbyniederlagen kann man nicht schönreden

Nordkurve Nürnberg,

es ist uns allen sicherlich nicht leicht gefallen, in Hoffenheim zu schweigen und uns damit gegen unser inneres Bedürfnis, immer die Mannschaft unterstützen zu wollen, zu stellen. Aber es war und ist wichtig den Spielern zu zeigen, dass derartige Derbyniederlagen und der Umgang damit nicht konsequenzenlos von der Kurve hingenommen werden dürfen!

Positiv zu erwähnen ist, dass das Spiel in Hoffenheim ohne größere Anfeindungen untereinander vonstatten ging. Naturgemäß gab es zwar ein paar gegenseitige Pöbeleien, wenn man jedoch die Tage zuvor ins Internet schaute, konnte man ja das Schlimmste befürchten. Das hat mal wieder gezeigt, dass das Internet eine komplette Parallelwelt zur Realität im Stadion darstellt und die Reaktion von Ultras Nürnberg nicht so verkehrt gewesen sein konnte. Immerhin schlossen sich große (!) Teile des Gästeblocks fast durchgängig dem Boykott an – auch wenn das einige nicht wahrhaben wollen.

Wie der Vorsänger zu Beginn des Spiels aber auch noch einmal betonte, sollte es jedem freigestellt sein, die Mannschaft zu unterstützen. Ultras Nürnberg hatte diese Entscheidung lediglich für sich getroffen und zu keiner Zeit zum Boykott aufgerufen. Die persönlichen Enttäuschungen wiegen für die Gruppe, nach Gesprächen mit der Mannschaft im Vorfeld des Derbys und der aufwändigen Choreographie, einfach viel schwerer, als dies bei anderen Clubfans der Fall sein dürfte. Die Behauptung auf fcn.de „sowie die Club-Fans dazu aufgefordert, die Mannschaft vor dem Spiel nicht zu begrüßen.“ ist demnach falsch und trägt nicht zu der geforderten sachlichen Diskussion bei!
Des Weiteren waren noch immer genug Clubfans vor Ort, die die Mannschaft hätten unterstützen können. Es war von einem Großteil aber einfach nicht gewünscht – das gilt es zu respektieren. Die wenigen, die das nicht taten, sollten sich dafür hinterfragen, ob sie ihren Anspruch von (spielbezogener) Unterstützung im Sinne des FCN erfüllt haben oder sich nicht doch mehr damit beschäftigten, den restlichen Block zum Singen aufzufordern/anzupöbeln.
Sicherlich darf man sich auch über Entscheidungen enttäuscht zeigen und muss sie nicht gut finden. Und natürlich darf es auch andere Meinungen geben. Was aber nicht zu respektieren und auch nicht zu akzeptieren sind, sind die Aufforderungen oder gar Anfeindungen – besonders im virtuellen Vorfeld – an Ultras Nürnberg, die Mannschaft gefälligst zu unterstützen. Ultras Nürnberg ist kein Dienstleister und hat auch keine vertraglichen Pflichten – falls hier jemand etwas mit Spielern oder anderen Vereinsangestellten durcheinanderbringt. Und Ultras Nürnberg muss auch nicht immer alles jedem Recht machen. Geht auch gar nicht – so viele unterschiedliche Forderungen und Wünsche, die täglich indirekt (virtuell) oder direkt (persönlich) an UN herangetragen werden.

Letztendlich ist auch jeder selbst für die Stimmung (mit)verantwortlich – sogar die Spieler durch ihre Leistungen. Bevor also Hanno Balitsch via Medien sein Unverständnis äußerst, sollte er lieber mal die letzten Spiele aus sportlicher Sicht Revue passieren lassen. Selbstkritik würde einigen „sogenannten Spielern“ (um im Sprachjargon Balitschs zu bleiben) gut zu Gesicht stehen! Unabhängig von der Derbyniederlage gab es nämlich auch in Hoffenheim ab der 1. Minute keinen sportlichen Grund, die Mannschaft zu besingen. Das, lieber Raphael Schäfer, war übrigens auch nicht die Meinung einer „gewissen Gruppierung“, sondern die eines Großteil der anwesenden Fans.
Das ohnhein angespannte Verhältnis Mannschaft/Fans wird durch solch polemische Aussagen jedenfalls nicht gerade verbessert…
… und auch der aktuelle Beitrag auf fcn.de „Bedenkliche Tendenz – Grenzen überschritten“ tut das nicht. Viel mehr muss man sich fragen, ob dadurch eine Aussöhnung in naher Zukunft überhaupt noch möglich/gewünscht ist?! Aus einer öffentlichen Schlammschlacht würden jedenfalls beide Seiten nicht als Sieger hervorgehen…

Trotzdem wollen wir an dieser Stelle beipflichten, dass Drohungen gegenüber Spielern – ganz gleich welcher Art – völlig deplatziert und überzogen sind. Es ging und geht darum, den Spielern die Bedeutung des Derbys – v.a. für uns Fans – verständlich zu machen und ihnen zu zeigen, dass uns diese Niederlage einfach die Lust & Laune verhagelte. Es ging und geht jedoch nicht darum, die Spieler vom Hof zu jagen! Also, cool bleiben, FCN-Fans!
Ultras Nürnberg hat sich – entgegen anderer Behauptungen – in Hoffenheim äußerst diszipliniert verhalten. Die Mannschaft wurde wie angekündigt nicht unterstützt, aber auch nicht übermäßig bepöbelt. Man verfolgte das Spiel emotionslos. Nicht mehr und nicht weniger. Das muss man den Fans auch mal zugestehen!!! Wir sind eben keine Groupies und Fußballprofis keine Teeniestars!

Wir wollen an dieser Stelle aber auch noch einmal betonen, dass es in dieser Mannschaft durchaus einige (jüngere) Spieler gibt, denen das Verhältnis Mannschaft/Fans sehr am Herzen liegt!
… die sich für die Belange und die Aufopferung der Kurve interessieren bzw. diese wertschätzen
… die sich auch gegenüber den Fans verpflichtet fühlen
.,. die zusammen mit den Fans beim FCN noch etwas erreichen wollen
Zu diesen Spielern werden wir weiterhin den Kontakt suchen und ausbauen! Sie sind es auch, die derzeit die Gefühlswelt und das Handeln der Fans nachvollziehen können. Und sie sind es auch, die bei einem nächsten Derby mit der nötigen Einstellung auflaufen werden! Wollen wir hoffen, dass sie in Zukunft mehr Verantwortung übernehmen, noch wichtiger für die Mannschaft werden und die Bindung zu den Fans aufrecht erhalten!

Abschließend wollen wir noch einmal Martin Bader zitieren:
„Jeder hat sich nach der Niederlage schwarz geärgert – innerhalb des Vereins und deutlich sichtbar nach außen.“
… nichts anderes tut Ultras Nürnberg und jeder würde sich wünschen, wenn dieses Kapitel schon sehr bald geschlossen werden könnte!
Immerhin wurde mit dem Boykott offensichtlich erreicht, dass sich mit der Derbyniederlage intensiver auseinandergsetzt wurde, als dies sehr wahrscheinlich ohne diesen radikalen Schritt getan worden wäre.