Der Fall Frankfurt –
Vertrauen nachhaltig erschüttert

Über die Vorfälle zum Spiel Frankfurt – Nürnberg wurde ja schon viel geschrieben und berichtet…

10. Feburar: Rigorose Repressionen und Polizeigewalt
13. Februar: Wir wollen Antworten
14. Februar: Viel Arbeit
22. Februar: Vorfälle in Frankfurt – Neuigkeiten
27. Februar: Frankfurt Auswärts – auch wir geben keine Ruhe!
23. August: Nürnberger Polizeimärchen führt zur Eskalation
16. September: Fick dich DFB! Frankfurt und kein Ende

… viele offene Fragen blieben trotzdem.

Auch die Rot-Schwarze Hilfe hatte sich kurz nach der Begegnung (per Mail) an Eintracht Franfurt gewandt und sich ein paar Antworten erhofft. Diese blieben jedoch aus. Vielleicht wollte man nicht, vielleicht durfte man nicht antworten – beides ist denkbar. Kontaktaufnahmen seitens Ya Basta! via Telefonanrufen und Mail an einen der Frankfurter Fanbeauftragten scheiterten zu Beginn leider ebenfalls, irgendwann erfolgte jedoch ein Rückruf. Letztendlich haben wir also ein paar Informationen aus erster Hand erhalten. Es sind zwar keine Neuigkeiten und offiziell würde diese wohl auch niemand bestätigen (wollen/können), aber mit der nötigen Distanz können wir sagen, dass sich unsere ganzen Vermutungen in der Tendenz bestätigt haben.

Demnach war der entscheidende Punkt der viel zitierten Ausgangslage die Situation des Gastgebers:
… Eintracht Frankfurt stand unter Beobachtung und mit dem Rücken zur Wand – man war gewillt jegliche (DFB-Sicherheits-) Vorgaben konsequent umzusetzen – ungeachtet der Sinnhaftigkeit. Eine mögliche weitere Bestrafung von Eintracht Frankfurt hätte in Form eines Geisterspiels oder Teilausschlusses einen ungeheuren finanziellen Verlust bedeutet. Vor diesem Hintergrund wurden Faninteressen belanglos.

Die fahrlässige Entscheidung bezüglich „Verbot aller Nürnberger Zaunfahnen“ wurde schließlich und ganz konkret durch folgende Faktoren beeinflusst:
… Kurz vor dem Spiel keimte das schier unglaubliche Gerücht über 200kg Nürnberger Pyrotechnik auf, dessen Entstehung bis heute nicht mehr genau rekonstruiert werden konnte (wohl aber auf die Nürnberger Polizeiinspektion Süd zurück zu führen ist). Man kann jedoch nur noch mit dem Kopf schütteln, wie blauäugig solche Behauptungen aufgestellt und wie sie mehr oder weniger ungeprüft übernommen werden, so dass sie folgenschwere Entscheidungen beeinflussen. Dem gegenüber steht aber nach wie vor die Aussage Herrn Gallers, Einsatzleiter der Nürnberger Polizei im Bereich Fußball, wonach Eintracht Frankfurt in den Tagen vor dem Spiel darüber informiert wurde, dass sich das Gerücht nicht erhärtet habe.
… Trotzdem blieb das Spiel von höchster Brisanz und die Entscheidungen wurden von oberster Stelle getroffen. Fanprojekte, Fanbeauftragte und sogar die Sicherheitsbeauftragten hatten nichts mehr zu melden. Also genau jene Personen, die in solchen Situationen noch eine realistische Lageeinschätzung hätten abgeben können, wurden nicht mehr gehört.
… Auf der Sicherheitsbesprechung in der Woche vor dem Spiel kam es schließlich zur Fehleinschätzung und dem Zaunfahnenverbot. Eintracht Frankfurt und die Polizei Frankfurt waren beide gewillt, das durchzuziehen, obwohl bekannt war, dass dies zu Probleme verursachen könnte.
Pikant: Am Spieltag gab der Einsatzleiter oder irgendein besonders wichtig tuender Schlapphut vor, kein Problem mit Zaunfahnen zu haben… Wollte da etwa schon jemand den „schwarzen Peter“ weiterschieben oder nur eine Runde „Guter Cop, böser Sicherheitsblob“ spielen? Wie das Beispiel „Schalke – Saloniki“ zeigt, kann die Polizei aber sehr wohl eigenmächtig über „Verbote von Zaunfahnen“ entscheiden. Hätte es die Polizei in Frankfurt also als richtig bzw. besser empfunden, hätte sie auch den Hausrechtsinhaber und Entscheidungsträger (Vorstand Eintracht Frankfurt) überstimmen können. Stichwort „Gefahr in Verzug“. Tat sie aber nicht, von daher können wir diese Aussage mal wieder eher unter der Kategorie „Heuchelei“ ablegen.

Was anschließend passierte, war für alle beteiligten abzusehen:
Es folgten Zusammenstöße mit Polizei und Ordnungspersonal. Was letztendlich und konkret vor dem Stadion die Situation aus den Fugen geraten ließ, kann man nicht eindeutig bestimmen. Es ist auch zweitrangig, denn die Fehler, die dazu führten, wurden bereits vorher begangen – in den oberen Etagen schnuckeliger Büros fernab der Realität.

Im Nachhinein werden sich die Verantwortlichen damit herausreden, dass es dieses Gerücht gab und es von der Nürnberger Szene nicht glaubhaft widerlegt wurde:
… Man verlangte – kurz nach dem Zaunfahnenverbot – einen öffentlichen Aufruf (zum Beispiel via unseres Blogs), auf dem man den Verzicht von Pyrotechnik erklären sollte. Dieser Forderung kam man nicht nach, denn Zaunfahnen sind nicht verhandelbar. Außerdem hätte man sich dadurch erpressbar gemacht – jeder Verein hätte diesem Beispiel folgen können, hätte man sich darauf eingelassen. Des Weiteren wurde ein Gespräch mit der Polizei abgelehnt (die allgemeingültigen Gründe dafür folgen weiter unten).
… An der Reaktion und dem offenen Umgang mit dem Zaunfahnenverbot hätte man jedoch erkennen können, dass an diesem Tag niemals Pyrotechnik geplant war. Zumindest wussten es diejenigen, deren Einschätzungen plötzlich nicht mehr gefragt war.
… Spätestens als es vor dem Spiel – während der Auseinandersetzungen – zu keinerlei Pyrotechnik kommt, muss auch den Entscheidungsträgern bewusst geworden sein, dass ihre Maßnahmen unbegründet waren und ihre Fehleinschätzung zu dieser Situation führten. Zugeben – das würden die feinen Herren natürlich niemals.

7 Monate später wird der FCN vom Sportgericht zu einer Geldstrafe von 80.000 Euro verurteilt:
… Als Begründung werden u.a. die Vorfälle in Frankfurt genannt. An dieser Stelle sollten nun auch Nicht-Juristen mit dem Kopf schütteln, warum ausgerechnet der FCN dafür bezahlen soll. Aber klar, der DFB konnte Eintracht Frankfurt ja nicht bestrafen, schließlich hatte Eintracht Frankfurt ja „nur“ die DFB-Vorgaben umgesetzt – konsequent und voller Gehorsam. Da aber erst genau das zu der Situation führte, müsste der DFB die Fehler bei sich suchen, was er (nach außen) natürlich nicht tut. Also blieb nur noch der FCN, obwohl der Verein in den Tagen vor dem Spiel immer wieder vom Zaunfahnenverbot abriet. Welchen Fehler hat der FCN begangen, der ihn für diese Strafe verantwortlich macht und warum er schuldig gesprochen wird? Entspricht eine solche Rechtsprechung „Strafe trotz Unschuld“ einer modernen und demokratischen Institution wie es der DFB sein will?
… wir fordern den FCN dazu auf, die DFB-Strafe konsequent zu bekämpfen und sich ein Beispiel an Dynamo Dresden zu nehmen. Die SGD strebt aktuell eine Klage gegen den DFB für den Wegfall des §9a der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung (RuVO // verschuldensunabhängigen Bestrafung) an. Offenbar scheint dies auch Eindruck beim DFB zu machen oder warum wurde Dynamo seither mit keiner Strafe mehr belegt, obwohl man beispielsweise beim Spiel in Kaiserslautern mediales Aufsehen erregte?

Damit leider nicht genug:
… Denn auch zahlreiche Fans sind mittlerweile durch eine Stadionverbote direkt betroffen und müssen damit die Suppe auslöffeln, die ihnen andere eingebrockt haben!
… Interessant wäre natürlich auch mal zu wissen, wer der „geheime (Des)Informant“ zum Thema 200kg Pyrotechnik war…

Abschließend bleiben daher nur noch folgende Erkenntnisse:
… Wir werden auch zukünftig jegliche Vorkommnisse, Verbote und Strafen hinterfragen, hartnäckig und unbequem bleiben
… Es wird auch weiterhin keinen Austausch mit der Polizei geben. Die Polizei hat unser Vertrauen schon vor Jahren nachhaltig und für die Ewigkeit mißbraucht, sie ist kein verlässlicher Gesprächspartner. Sie hat kein Interesse an einem Austausch auf Augenhöhe, solche Gesprächsangebote sind Vorwände oder dienen lediglich der einseitigen Information. Einen Nutzen wird es für Fans, die ihre Freiräume und Rechte beanspruchen, niemals geben. Und solange die Polizei nicht die Fähigkeit zur nötigen Selbstreflexion erlangt, wird sich daran auch nichts im Ansatz ändern.
… Die Vorfälle in Frankfurt sollten für alle Vereine ein warnendes Beispiel sein, Zaunfahnen (das Ur-Element der Fankultur) zu verbieten und realitätsferne Personen in derartige Entscheidungen einzubinden. Wir gehen davon aus, dass uns das nie mehr passieren wird und auch die interne Fehleranalyse bei Eintracht Frankfurt & DFB ganz anders ausgesehen haben muss, als dies in die Öffentlichkeit getragen wurde. Einerseits begrüßen wir das natürlich, andererseits sollte man dann auch endlich einmal die Eier in der Hose haben und auch öffentlich dazu stehen anstatt die Leute zu blenden.
… Das Vertrauen vieler Fans in die Vereine, aber auch Sicherheitsorgane, die Fankultur zu achten, wurde nachhaltig erschüttert

Zum kommenden Spiel in Frankfurt:
… Am 19.10, ist es wieder so weit, wir werden nach Frankfurt zurück kehren. Wie bereits geschrieben, gehen wir fest davon aus, dass sich Eintracht Frankfurt (aufgrund der oben genannten, internen Fehleranalyse) dieses Mal weitaus fanfreundlicher zeigen wird.
… Wir werden euch in den kommenden Tagen mit Informationen um das Spiel versorgen und unsere Erwartungen kommunizieren