Frankfurt
Vom Saulus zum Paulus

Da habt ihr wohl etwas falsch verstanden…

Vor einigen Tagen hatten wir angekündigt, die Schifffahrt nach Frankfurt nachzuholen, hatten von Beginn an jedoch betont, dass die Plätze begrenzt seien. Als Ya Basta!-Redakteure am Samstag Morgen schließlich mit dem Tretboot in Frankfurt (ok, wir sind auch erst in Franfurt gestartet) einschipperten, da staunte man nicht schlecht, welches Empfangskomittee da für uns bereit gestellt wurde. Schon in den Morgenstunden waren Hubschrauber, ein Polizeiboot, zahlreiche Sixpacks, Gelenkbusse (als Shuttleservice), Polizisten aus Rheinland Pfalz, Würzburg, Nürnberg und natürlich Hessen im Einsatz. Nur wofür?
Wen (oder besser: was???) hatten die wohl erwartet? Die gesamte Nordkurve um 9 Uhr in FFM/Sachsenhausen? Dabei hatte die Polizei in den Tagen zuvor doch sämtliche Redereien – sogar über die hessischen Landesgrenzen hinaus – abgeklappert. Ein großes Schiff wurde jedoch nirgends gechartert. Also vermutete man einen anderen, bösen Plan der Nordkurve. „Konspirative Anreise“ wurde das dann genannt. Da hätten wir es uns also sparen können, am Donnerstag noch die Anreise all jener bekannt zu geben, die auf unserem Schiff(chen) keinen Platz mehr gefunden hatten: Entlastungszug – hieß es da.
Liebe Herr Wachtmeister, vielleicht hätte das einer eurer Superschlauen (nein, nicht die SKBs, sondern die mit den 4 Sternen) ja auch kapieren können, Filmfans seid ihr offensichtlich aber auch nicht, sonst hättet ihr unser Schiff auf dem ersten Flyer auch als das erkannt, was es war: Ein Ghostship.
Übrigens, „Ghostship“ ist ein ziemlich schlechter Film und in genau so einem schlechten Film haben wir uns beim letzten Mal gefühlt…

Nun aber Spass beiseite!

Da wird also ernsthaft und unabhängig gesicherter Erkenntnisse (letztes Mal waren es 200kg Pyrotechnik, dieses Mal Vermutungen über eine „konspirative Anreise“) völlig panisch, ein enormer Sicherheitsapparat aufgefahren, nur weil man nicht genau weiß, wie rund 400 Fußballfans auf eine 250 km kurze Auswärtsfahrt fahren? Ja, gehts denn noch?
Aber macht ja nichts, beim nächsten ZIS-Bericht kann man wieder über die vielen Überstunden und hohen Einsatzkosten (Steuerzahler!) jammern, nur wundern (und nachforschen), das sollte keiner!
Kein Wunder also, dass die eingesetzten Polizisten – egal ob im Zug oder am Stadion – überaus gereizt waren. Sie hatten eben schon einen laaangen Arbeitstag hinter sich, als die Nordkurve ausgeschlafen aufgekreuzt ist. Klar, Schuld daran hatten natürlich die bösen Fußballfans, vielleicht sollte man aber auch mal eine Etage höher, bei Wendt und Co, nachfragen, ob das alles so (noch) Sinn macht.

Soviel zu den Schlapphüten, kommen wir zu den Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt, die in den letzten Wochen eine unglaubliche Verwandlung durchgemacht haben müssen.
Blicken wir kurz zurück: Noch vor dem letzten Spiel gab es Verbote, Verbote und… Verbote. Die Ursachen wie auch die Folgen sind ja hinlänglich bekannt. Der Aufschrei war groß, doch Eintracht Frankfurt setzte auf die bewährte Taktik „Aussitzen“. Kurz vor dem Spiel haben wir via Blogeintrag unsere Erwartungen an das Spiel kommuniziert. Das mit der freien Anreise hat ja nicht so ganz funktioniert (lag aber ja auch nicht an der SGE und haben wir sowieso nicht erwartet), dafür wurden jedoch fast alle angemeldeten Materialien erlaubt sowie die Ordner aus Reihe 1 abgezogen.

Doch woher der Sinneswandel? Waren es taktische Gründe (aus Deeskalation) oder vielleicht sogar das schlechte Gewissen?
Wir wissen es nicht, in jedem Fall interpretieren wir es als die längst überfällige Entschuldigung für die Scheiße, die beim letzten Mal abgezogen wurde.

… angenommen haben wir sie dennoch nicht. Wir hatten lediglich die Standardmaterialien im Gepäck, auf eine Choreographie wurde verzichtet. So leicht wollten wir uns damit auch nicht „kaufen“ lassen! Wenn die Zeit reif ist und wir Lust haben, werden wir schon noch eine Choreogrtaphie in Frankfurt machen – nicht, weil man es uns dieses Mal (gnädigerweise) erlaubt hätte. Die Möglichkeiten sollten wir dazu auch noch in Zukunft haben, schließlich kam es am Samstag zu keinen nennenswerten Zwischenfällen, so dass wir auch in den kommenden Jahren mit kaum Einschränkungen rechnen brauchen. Dennoch – und das muss man auch erwähnen – hat sich Eintracht dieses Mal von einer anderen Seite gezeigt. Von einer besseren. Vielleicht klappts beim nächsten Mal ja sogar mit einem Bierstand im Block…!

Abschließend gilt unser Dank aber auch den Fans von Eintracht Frankfurt. Auch weil sie sich 2013 bisher „vorbildlich“ in der Liga verhalten haben, mussten wir in diesem paradoxen DFB-System nicht noch einmal als Bauernopfer herhalten. Getreu dem Motto „Getrennt in den Farben – vereint in der Sache“ – oder so ähnlich. Jetzt aber wirklich: Spaß beiseite!