Sommerloch bei Polizei und BILD

Es ist wieder Sommerloch. Das wissen auch die Pressestellen der Polizei und der Innenministerien. Kaum verwunderlich also, dass die Ankündigung über verringerte Polizeipräsenz bei Fußballspielen in Nordrhein-Westfalen gerade jetzt, zu Beginn dieser Woche erschienen ist. Über Sinn, Unsinn und tatsächliche Hintergründe (Ist das vielleicht nur Taktik?!) lässt sich streiten. Fest steht aber, dass Polizei und NRW-Innenministerium schon jetzt das Sommerloch, inklusive bevorstehendem Bundesliga-Beginn optimal genutzt haben.
Einigen Medien war die Meldung nur eine kurze Randnotiz im Sportteil wert. Anderen Zeitungen und Nachrichten-Sendungen diente sie gleich als Aufmacher. Denn Fußball geht immer. Und die neuesten Wehwechen eines Bastian Schweinsteiger sind nach gefühlten 20 Wochen Schland-Berichterstattung eher uninteressant. Also wird über Polizei, Fans und „einzelne Unverbesserliche“ diskutiert. So als würde in Israel, der Ukraine oder sonstwo nichts passieren. Vielleicht wurden diese Themen auch schon zu oft „gespielt“. – Innenministerien und Polizei dagegen haben die notwendie Aufmerksamkeit erhalten. Die Pressestellen in NRW können sich in ihrer nächsten Medienresonanzanalyse selbst auf die Schultern klopfen.
Dennoch: So hundertprozentig catcht auch dieses Thema keinen mehr. Gewalt beim Fußball, Polizei, Hooltras – alles schon oft genug erzählt und wenig sexy. Daran können weder das Sommerloch noch der Bundesliga-Beginn etwas ändern. – Genau für solche Fälle gibt es aber das Investigativ-Monster BILD. Ein bisschen Recherche, ein paar nette Infografiken – fertig sind „Deutschlands gefährlichste Fußball-Städte“. Darunter solche Randale-Hochburgen wie Minden, Würzburg oder Hamm. Schließlich seien das beliebte Umsteige-Bahnhöfe für Auswärtsfahrer. Passend dazu werden dem Springer-Kunden gleich mehrere Spieltagskonstellationen genannt, bei denen an diesen Bahnhöfen mit Jahrhundert-Randale zu rechnen sei. Das wiederum hat der Bild-Blog, ein Watch-Blog für deutsche Medien, sehr schön analysiert. So genau können es die Damen und Herren von BILD mit ihren Recherchen nämlich nicht genommen haben. Es ist eben Sommerloch – und da stehen bei BILD offensichtlich nur beschränkte Kapazitäten zur Verfügung.

BILD im Sommerloch
Die Nordkurve fand bereits mehrfach deutliche Worte zu BILD und Springer.