Divide et impera oder zusammen stehen und kämpfen

Nach der Bestrafung durch den DFB aufgrund der Pyroshows in Fürth blieben zahlreiche Diskussionen natürlich nicht aus – teilweise leider auch mit einer gehörigen Portion Polemik, Unverständnis und/oder Mutmaßungen. Grund genug für das Ya Basta!, die aktuellen Geschehnisse mal zu durchleuchten und zu kommentieren.

Schauen wir uns zunächst die Ausgangslage an:

Nach einer wirklich beispielhaft, weil verantwortungsbewusst, durchgeführten „Pyro-Choreo“ gegen Stuttgart waren die Stimmen fast ausnahmslos positiv. So kann Pyro funktionieren – ein toller Fußballabend. Lediglich der DFB wollte dies nicht so sehen, blieb bei seiner starrsinnigen Linie und verdonnerte den FCN zu einer Bewährungsstrafe: Bei einem neuerlichen Vorfall sollten die Blöcke 7, 9 und 11 geschlossen werden.

Nun sparen wir uns an dieser Stelle einen tiefer gehenden Kommentar zum DFB-Sportgericht. Jeder, der nur beiläufig die Fußballszene in Deutschland verfolgt, weiß, dass sich Vereine wie Frankfurt, Bayern München, Köln oder Hamburg ein bisschen mehr (Pyro) leisten können, als beispielsweise Dresden oder eben Nürnberg. Seit dieser Lachnummer vom Spiel in Frankfurt 2008 haben wir eben ganz schön etwas auf dem Kerbholz, was nie wirklich hinterfragt oder korrigiert wurde. Jeder folgende Vorfall wird stattdessen massiver bestraft, als dies bei anderen Vereinen der Fall wäre und damit haben viele Glubbfans schon mal von Grund auf ein Problem – vor allem vor dem Hintergrund, dass über 2 Jahre in Nürnberg überhaupt keine Pyrotechnik gezündet wurde, was sich umgekehrt auch nicht positiv ausgewirkt hatte.

Darüber hinaus macht sich das DFB-Sportgericht auch durch seine immer neuen, kollektiven Bestrafungsmodelle wie Gästeverbote unbeliebt und unglaubwürdig, in dessen Folge sich Fans mit Karten aus anderen Bereichen eindecken und somit ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko geschaffen wurde. Denn hier liegt das Ziel nicht in einer sinnvollen (= zielführenden) Bestrafung bzw. Problemlösung, was man als Maßnahme ja noch nachvollziehen könnte, sondern in der Spaltung der Fans untereinander.

Nichts anderes bedeutete auch die aktuelle Bewährungsstrafe für die Heimblöcke. Die „Bekämpfung des Übels“ sollte an die Kurve weitergegeben werden – verbunden mit der Hoffnung, dass sich der Zorn aufgrund der irrwitzigen Strafen weniger gegen den DFB, sondern mehr gegen die eigenen Fans richten möge – und genau desewegen sind die Strafen ja auch so irrwitzig und kollektiv: Sie sollen Hass (untereinander) schüren und nicht etwa gerecht sein. Divide et impera – teile und herrsche. Genau deswegen werden auch die Vereine angehalten, die Strafen umzulegen, was den DFB als Kläger und den Verein als Angeklagten endgültig als Schmierenkomödie entlarvt.

Gibt es in dieser Thematik eine sinnvolle (=zielführende) Bestrafung?

Wenn man die Ultras bzw. deren Denkweise kennt/versteht, dann dürfte jedem die Antwort bekannt sein. Die Ultras sind in dieser Hinsicht nun einmal nicht weniger starrsinnig als der DFB und auf (kollektive) Strafen folgt selten eine Einsicht, vor allem wenn man der Meinung ist, dass diese überzogen bzw. ungerecht sind. Wer würde also ernsthaft glauben, dass diese Strafen keine neue Spannungsfelder aufbauen würden?

Versuchen wir uns einmal in die Lage der Ultras vor dem Derby bzw. nach der Bewährungsstrafe hinein zu versetzen, folgender Gedankengang könnte naheliegend gewesen sein:
Da die Bewährungszeit 9 Monate gelten sollte, könnten viele vermutet haben, dass dieser Zeitraum nie ohne Vorfälle bleiben würde. Entweder würden ein paar Versprengte – wie schon so oft (und auch kurz danach auf Schalke) – ihren Frustrauchtopf zünden oder irgendetwas Unvorhergesehenes würde passieren, weswegen die Schließung der Blöcke sowieso unvermeidbar schien. Und wer will schon so lange mit einem Damokles-Schwert über sich herumlaufen? Schlussfolgernd könnte sich dazu entschieden worden sein, den Zeitpunkt und die Art und Weise des „Verstoßes“ selbst zu bestimmen und das Auswärtsderby schien dafür die perfekte und lohnenswerteste Gelegenheit zu sein.

Darüber hinaus blieb sowieso gar keine andere Möglichkeit, als gegen die Auflagen zu verstoßen. Immer wenn sich der DFB ein neues Bestrafungsmodell ausdenkt, muss es – aus Sicht der Ultras – umgangen werden oder scheitern. Es darf nicht funktionieren, um aufzuzeigen, dass Pyrotechnik nicht durch Strafen zu verbannen ist. Der fromme Wunsch dahinter: Vielleicht kommen so die Verantwortlichen irgendwann ja doch noch zu der Einsicht, dass ein gemeinsamer Weg der ergiebigere und vor allem in allen Bereichen sichererer Weg ist (und genau darum geht es den Verantwortlichen doch, oder?!). Auch in Fürth blieb der Pyro-Einsatz von Ultras Nürnberg äußerst verantwortungsbewusst und beispielhaft – warum kann man daran nicht ansetzen? Nachdem der DFB aber scheinbar keine Lösung in einem Pyro-Kompromiss sehen will, wird sich der Konflikt weiter zuspitzen – solange wird jedoch weiter gefackelt.

Diese Denkweise muss man natürlich nicht teilen, aber als Verantwortlicher muss man sie in seinem Entscheidungsprozess mit einfließen lassen. Und weil es woanders scheinbar besser funktioniert, anbei ein aktuelles Video von unseren Freunden aus Griechenland, was hier natürlich die Begierde weckt:

… und tu doch nicht so, du magst es doch auch!

Wie geht es nun weiter?

Nun muss man kein Prophet sein, dass die Ultras (und große Teile der Blöcke 7, 9 und 11) auch diese Strafe umgehen werden. Besonders schwer dürfte es nicht fallen, wenn man bedenkt, dass das (große) Stadion in Zweitliga-Zeiten genügend freie Plätze bietet, um sich sogar geschlossen zu platzieren. Die Unterstützung von den Rängen dürfte also auch gegen Kaiserslautern und Leipzig gegeben sein – nur eben nicht aus der angestammten Kurve, sondern vielleicht von kurz daneben. Schon irgendwie paradox, wenn sich eigentlich nichts ändert, außer dem Standort. Mit Sicherheit könnte auch das eine Rolle bei der Überlegung, die Bewährung platzen zu lassen, gespielt haben. Was sollte denn bitte passieren? Wir sind uns sicher, dass hierzu bald eine offizielle Info mit dem Alternativ-Standort folgen wird.

Am Ende könnte es sogar noch einen Gewinner geben, wenn ein Großteil der Fans mit umzieht und die Strafe umgeht. Dann winkt dem FCN nämlich ein sattes Plus im 6-stelligen Bereich, was das Vorgehen des DFB endgültig ad absurdum führen würde. Also, Augen offen halten, einmal/zweimal etwas tiefer in die Tasche greifen, zusammen stehen und kämpfen! Es sollte schließlich im Interesse von uns allen sein, wenn am Ende der DFB vielleicht doch mal ins Grübeln kommen würde.

Denn: Mit Sicherheit gäbe es Mittel und Wege eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten zu finden – was mitunter ein Grund für die Ultras sein dürfte, Pyro eben nicht „einfach sein zu lassen“. Man müsste es nur wollen und wenn der DFB seine Bestrafungsmodelle mit Hinblick auf die Auswirkungen in der Stadion-Realität der letzten 3-4 Jahre resümieren würde, dann dürfte er – aus seiner Sicht – wahrscheinlich kein positives Fazit ziehen. Warum also daran festhalten? Stattdessen könnten die Verantwortlichen (bei DFB & Co) einige Spannungen aus dem momentanen Verhältnis nehmen. Oder wenigstens die Mittelalter-Philosophie im Hinblick auf die Bestrafung ablegen. Sie fordert es ja geradezu heraus, zu opponieren und sich zu solidarisieren.