Absoluter Tiefpunkt

Der Deckel wurde lange genug drauf gehalten. In der Abstiegssaison wurde der Mannschaft noch der Arsch gepudert und auch nach der historischen Derbyniederlage, dem erneuten Pokalaus gegen einen unterklassigen Gegner und weiteren Klatschen wurde trotzdem versucht, der jungen und neu zusammengestellten Mannschaft den Rücken zu stärken. Geduldig und mitunter zähneknirschend. Irgendwann lügt man sich jedoch selbst in die Tasche.

Nach Karlsruhe gab es daher erste, krasse Reaktionen. Wer dabei war, der weiß auch, dass es lange nicht so drohend und anmaßend war, wie es später in den Medien dargestellt wurde. Zunächst war ja sogar die Rede davon, die Spieler hätten ihre Trikots zur Besänftigung verschenkt und die meisten Spieler dürften die Aufforderung auch genauso interpretiert haben: Als Geste der Wiedergutmachung, weil sie wohl selbst einfach ein schlechtes Gewissen hatten. Also erspart uns das Gewäsch der Erniedrigung, Verunsicherung und den selbst anmaßenden Belehrungen aus der Ferne, was „wahre Fans“ zu tun oder zu lassen haben. Wer in Karlsruhe war, der weiß zudem, dass etwas passieren musste. Die x-te Feststellung, dass der Auftritt „blutleer“ war, hilft uns auch nicht mehr weiter. Während die einen aber immer nur den (virtuellen) Mund voll nehmen, müssen ein paar andere eben auch die notwendige Drecksarbeit im Stadion verrichten, über die man sich danach so herrlich – aber natürlich immer im Rahmen des auferlegten Leitbildes,sportlich fair und ganz frei von Beleidigungen und Diskriminierungen – echauffieren kann. Gern geschehen und natürlich halten die Fangruppen auch als Sündenbock für den Abstieg, verlorene Zweikämpfe und die Krise im Nahen Osten her.

Nach Heidenheim bestätigt sich jedoch die Einschätzung, dass es die Mannschaft (momentan) in dieser Konstellation einfach nicht verdient hat, das Trikot des ruhmreichen 1. FC Nürnberg zu tragen! 9x Deutscher Meister, 4x Pokalsieger – es war einfach nur beschämend, wie sich diese Truppe auf einem Dorfplatz hat abfertigen lassen. Das schlimmste daran: Es war kein Ausrutscher (mehr) und auch wenn es abzusehen war, dass die Qualität nicht für einen Aufstieg reichen würde – solche Leistungen sind nicht mehr zu entschuldigen!

Natürlich können wir nun mit der Fehlersuche weiter vorne (oder oben) anfangen. Die Kaderzusammenstellung, der junge/unerfahrene Trainer und die Zielgebung „Aufstieg“ waren in der Kombination – gelinde gesagt – riskant. Vielleicht war sogar die Verbeek-Entlassung im April in zweierlei Hinsicht ein entscheidender Fehler. Erstens um die erste Liga doch noch zu halten oder zweitens um mit ihm und einem erkennbaren Konzept in der zweiten Liga neu zu beginnen. Die Bader-Raus-Rufe haben daher ebenfalls ihre Berechtigung.

Allerdings löst diese Personalfrage wohl kaum und vor allem nicht möglichst sofort unsere sportlichen Probleme. Der Trainer ist hierbei natürlich immer die erste Stellschraube, es ist aber auch offensichtlich, dass es mal wieder in der Mannschaft rumort. Junge Spieler sind gekommen und haben sich gedacht, dass es „schon laufen wird“ und sie keine Verantwortung übernehmen müssen. Tja, und einigen Platzhirschen fehlt scheinbar völlig die Bindung zur Mannschaft – regelmäßige Trainingsbesucher werden das bestätigen können. Es besteht Handlungsbedarf. Der endgültige Umbruch scheint nun unausweichlich!

So richtig beschämend wird es jedoch, wenn man weiß, dass diese Krise bei anderen Personen erst die Sektkorken knallen lässt. Man möchte in der aktuellen Situation zwar am liebsten jeden vor die Türe setzen: Trainer, Mannschaft, Vorstand. Ebenso wenig dürfen wir Schamel und Gefolgschaft, die uns die Katze im Sack verkaufen wollen, damit jedoch die Türe öffnen. Denn – man mag es kaum glauben – es geht tatsächlich noch schlimmer… und im Gegensatz zum „Meerrettich-König“ werden wir hier noch ein paar konkrete Statements liefern – versprochen. Heute galt die Aufmerksamkeit jedoch der sportlichen Krise.

In diesem Sinne…
Nürnberg sucht den Heilsbringer.

… aber wenn wir Glubberer eines können, dann Krisen bewältigen! Aufstehen & kämpfen!