TRAURIG, ABER WAHR …

Es ist der erste Weihnachtsfeiertag und wir wünschen uns nach einem turbulenten Jahr nichts sehnlicher als für ein paar Stunden abzuschalten. Eine Sache, die sich nach dem Heimspiel gegen Greuther Fürth vor der Nordkurve abgespielt hat, wollen wir allerdings noch aufarbeiten.

Vorgeschichte

Nach einer weiteren bitteren Niederlage in Karlsruhe und einer vorausgegangenen Pleitenserie, kam es nach dem Spiel zu einem Novum in der Nürnberger Fangeschichte. Die Spieler wurden am Zaun vor dem Gästeblock aufgefordert, ihre Trikots als symbolisches Zeichen abzugeben. Die Mannschaft folgte der Aufforderung und so warteten diese symbolträchtigen „Leibchen“ seither (gewaschen und ordentlich zusammengelegt) auf ihre weitere Verwendung. Die Presse hat aus der Geschichte dann eine „Anmaßung“ seitens der Fans gemacht. Vor Ort war das alles wesentlich nüchterner und der Umgang von Fans und Mannschaft war trotz allem über der Gürtellinie – auf jeden Fall gab es keine verbalen Ausfälle oder aufbrausendes Geschrei, man sprach ruhig und vernünftig miteinander.

Die gescheiterte Rückgabe

Das Jahr neigte sich mit dem Spiel gegen die Greuther Fürther dem Ende zu. Am Valznerweiher herrscht beileibe noch lange nicht eitel Sonnenschein, aber bezüglich der Ergebnisse und Einstellung ist mit dem neuen Trainer die Hoffnung zurückgekehrt. Vor dem Derby stellte sich nun die Frage, ob man die Geschichte rund um die Trikots aus Karlsruhe noch zu einem versöhnlichen Ende bringen kann. 2014 war für den 1.FC Nürnberg ein fürchterliches Jahr. Mit Blick auf die sicherlich schwierigen Aufgaben der Zukunft schien es sinnvoll, die Sache abzuschließen und dann als gestärkte Einheit das Jahr 2015 anzugehen.

Letztendlich wurde nach dem Unentschieden und der positiven Gesamtentwicklung der letzten Spiele beschlossen, die Trikots zurückzugeben. Die Kritiker sehen darin bestimmt schon die nächste Anmaßung, man könnte es aber auch als eine Art „Handschlag“, „Danke“ oder auch als gewisse Geste der „Einsicht“ sehen. Hinter dem Angebot stand auf jeden Fall der Wille, wenigstens dieses Kapitel zum Wohle des Vereins zu beenden.

Es kam jedoch leider ganz anders: Polak sprach an der Werbebande des Max-Morlock-Stadions mit genau den gleichen Menschen, mit denen er damals in Karlsruhe gesprochen hat. Aber noch bevor er seine Sicht der Dinge ausführen konnte (und sozusagen als Kapitän für die Mannschaft entscheiden konnte), polterte Rafael Schäfer gegen die Aktion, forderte Polak auf von dort wegzugehen und lenkte die Mannschaft in die Kurve. Polak blieb noch länger bei den Fan-Vertretern, konnte nun aber die Trikots nicht mehr stellvertretend für alle annehmen. Dieses Verhalten von Schäfer passt leider perfekt in die Liste seiner „Missverständnisse“ gegenüber der Fanszene. Er mag emotional sein, er mag sich mit dem Verein mehr als andere identifizieren, er mag in seiner Welt ehrlich und authentisch reagieren – besonnen, versöhnlich und mit Respekt gegenüber den Fans ist er jedoch nicht. Eine Auflistung von Beispielen selbiger Prägung aus der Vergangenheit ersparen wir allen Beteiligten an dieser Stelle – ist ja auch Schnee von gestern.

Es ist natürlich auch paradox, dass er dann zu den gleichen Fans „abklatschen“ geht, deren Vertreter er zuvor „abgewatscht“ hat und die über die Lautsprecheranlage über die Aktion informiert wurden. Der Applaus nach der Bekanntmachung der geplante Rückgabe zeigte, dass sich die Fans diesen Moment der Versöhnung gewünscht hätten – respektive zeigen das auch die Pfiffe nach der Ablehnung. Man wollte sich weiter der romantischen Vorstellung hingeben, dass man sozusagen gemeinsam gewinnt und verliert. Nicht nur die Mannschaft hat damals in Karlsruhe verloren – auch die Menschen, welche federführend für die Kurve die Trikots den Spielern abgenommen haben, sind betrübt, unglücklich und vielleicht auch mit unterschiedlichen Gedanken über die Aktion nach Hause gefahren.

Selbstkritik / No-Go

Ja, man hätte die Rückgabe besser organisieren und mit der Mannschaft kommunizieren können/müssen. Vielleicht ist auch das Stadion nach einem Spiel nicht der passende Ort – denken wir an die Emotionen eines Derbys, welches abermals nicht gewonnen werden konnte. Selbstkritisch müsste man eigentlich sogar die Option mit einbeziehen, dass die Spieler die Trikots vielleicht nicht zurück wollen. Nach dem Motto: „Ihr habt sie uns abgenommen – und jetzt zeigen wir Euch mit sportlichen Leistungen, dass diese Geschichte ungerechtfertigt war“. Das hätte man akzeptieren können und auch müssen – würde es doch für den Willen und den Stolz der Mannschaft sprechen. Man hätte die gereichte Hand auch einfach annehmen können – sich selbst und der Kurve das gute Gefühl der Gemeinsamkeit gegeben und zwar ohne die Aktion aus Karlsruhe „gut zu heißen“. Problematisch ist, dass ein einzelner Spieler, dessen sportliches Wirken in naher Zukunft endet, immer noch so viel Einfluss auf die Mannschaft hat. Und noch schlimmer wiegt die Tatsache, dass er offensichtlich keine „Gesprächsbereitschaft“ mehr besitzt. Er hinterläßt seinen Mitspielern damit ein fragwürdiges Erbe – hinsichtlich des Umgangs mit den eigenen Fans. Bei weniger versöhnlichen Geistern innerhalb der Fanszene bleibt nun das Gefühl, damals mit der Aktion in Karlsruhe schon richtig gelegen zu haben.

Verbleib der Trikots

Die Trikots wurden vorgestern auf der Weihnachtsfeier von Ultras Nürnberg 1994 zugunsten der Weihnachtlichen Spendenaktion der Nordkurve versteigert. In der Summe kamen 855 Euro zusammen. Wenig erstaunlich war, dass die Trikots von Polak, Pinola und Sylvestr die höchsten Beträge einbrachten. So ist nun wenigstens wieder Platz im Schrank und die „Leibchen“ dienten einer guten Sache.

Fazit / Ausblick

Wir wollen hier nicht noch mehr dreckige Wäsche waschen – auch wenn die Trikots aus Karlsruhe nicht so richtig verschmutzt waren. 2014 ist fast vorüber und die Fanszene wird auch 2015 alles für den Verein geben. Wir werden singen, hüpfen, Choreos anfertigen und unseren Verein in allen Situationen bestmöglich vertreten. Hierfür brauchen wir keine extra Motivation, auch niemals eine Bezahlung oder besonderes Lob – es kommt aus jedem selbst heraus, es ist das Feuer, was in jedem Fan brennt. Und gerade deshalb sind es ehrbare und seltene Tugenden im modernen Fußball – es ist die Bastion des guten Gewissens, die Handlung ohne finanzielle Hintergedanken, die Freude am Irrationalen und die daraus resultierende Freiheit. Diese Freiheit braucht auch keine Mannschaft, die nur in die Kurve kommt, wenn es ihr gesagt wird. Natürlich sind die Spieler auch weiterhin in der Kurve willkommen – aber sie sollten aus freien Stücken kommen, immer dann, wenn es sich für jeden Einzelnen richtig anfühlt.

In diesem Sinne wünschen wir hier noch einmal allen Glubb-Fans, allen Spielern und auch allen Mitarbeitern des Vereins – auch dir, lieber Rafael Schäfer – besinnliche Tage und weiterhin ein frohes Fest. Zanken können und werden wir uns wieder, wenn die Gans und die Lebkuchen nach den Feiertragen richtig verdaut sind. Alle Beteiligten haben nun etwas Zeit über sich und ihr weiteres Auftreten nachzudenken.

Hier ein paar Bilder aus der beschriebenen Situation.