Archiv für April 2015

Kurvenfunk im April

Hallo Glubb- und Funkfans,

Morgen ist es wieder Zeit für eure Lieblingssendung. Schaltet um 18 Uhr ein, wenn es wieder heißt: riot on the radio!

Radio Z 95,8 MHz oder Livestream auf www.radio-z.net

Bis dahin,

Kurvenfunk – over and out

Infos: kurvenfunk.blogsport.de

Ergebnis Pfandbecher-Spendenaktion

Wie angekündigt wurde beim Spiel des Glubbs am Millerntor Pfandbecher und Spenden für Viva con Agua (http://vivaconagua.org/) sowie für einen gemeinnützigen Verein in Nürnberg gesammelt. Gemeinsam mit der FCN-Fanbetreuung haben wir uns hierbei für INTEGRAL e.V. (http://e-oba.de/integral.php) entschieden. Viva con Agua setzt sich dafür ein, dass alle Menschen weltweit einen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung bekommen.

Beim Spiel am Millerntor konnten sich Clubfans mit kostenlosen Wasser von Viva con Agua erfrischen und insgesamt wurden hierbei 128,94 € in den Spendendosen gezählt. Zusätzlich fanden auch viele Pfandbecher den Weg in die Spenden-Tonnen von Viva con Agua, so dass eine komplett gefüllte Pfandtonne 145 Becher und somit 217,50 € an Spenden generiert hatte. Der gesamte Betrag i.H.v. 346,44 € wird durch eine Privatspende auf 400,-€ aufgerundet. Somit gehen jeweils 200,-€ an INTEGRAL sowie an Viva con Agua und damit direkt in Trinkwasserprojekte in Äthopien.

Wir danken allen Spendern herzlich! Wir sehn uns…
Rot-schwarze Grüße aus Hamburg
Clubfans Norddeutschland

Crystal Fighters NBG?

Kommentar

Reden wir nicht um den heißen Brei herum: Es gibt in der Nürnberger Szene Leute die Crystal Meth konsumieren. – Nein, natürlich finde ich es nicht geil. Ich finde es sogar ziemlich beschissen. Inzwischen habe ich einige Freunde an das Teufelszeug verloren. Aktuell liegt ein Kumpel von mir in der Psychiatrie; mit Medikamenten ruhiggestellt, phasenweise an sein Bett gefesselt. Eine Freundin besucht ihn mehrmals wöchentlich. Ich bin immer wieder erschrocken von ihren Erzählungen. Vor diesem Hintergrund kann ich nur bedingt über die Aktionen von USP bei unserem Auswärtsspiel in Hamburg lachen.

Seit mehreren Jahren macht die Droge die Runde. Nicht nur im tschechischen Einzugsgebiet, aber eben vor allem dort. Der Kram hält länger wach als andere Amphetamine und ist vergleichsweise günstig zu beschaffen. In Städten wie Bayreuth hat Crystal den weichen Drogen schon längst den Rang abgelaufen. In einem Alter, in dem ich mich noch cool gefühlt habe, weil ich mit meinen Freunden im Kinderzimmer das erste Weed gepufft habe, ziehen die Kids das C in die Nasenhöhlen. Keine Dramatisierung, kein Kauderwelsch aus bundfinanzierten „Anti Drogen“-Broschüren, sondern die Realität in den östlichen Gegenden Frankens.

Nach den Desperados hat nun auch USP die Thematik aufgegriffen. Schon seit Jahren kursieren Gerüchte, in der Nürnberger Szene würde C konsumiert. Gänzlich abstreiten kann ich es nicht. Für mein Befinden ist es jedoch deutlich weniger geworden. Der Großteil scheint sich der Folgen der weißen Witwe bewusst zu sein. Immerhin ein Teilerfolg, Ausnahmen bestätigen die Regel. Lieber wäre es mir natürlich, wenn der Dreck komplett von der Bildfläche verschwinden würde. Nicht nur in unserer Fanszene – sondern vor allem in Städten wie Bayreuth, Kemnath oder Marktredwitz.

Zunächst musste ich über die Tapeten der St. Pauli-Fans schmunzeln. Sie haben sich schließlich sichtlich Mühe gegeben; wir scheinen sie ordentlich zu nerven. Der „Crystalkindlesmarkt“ griff neben der Drogenthematik gleich mehrere Kritikpunkte an der Nürnberger Fanszene wie „Business Ultras“ oder Traditionalismus auf. Die bestimmende Thematik – ergänzt durch ein weiteres Spruchband und das Cover der „Basch“ – war jedoch Crystal Meth. Umso länger ich darüber nachdachte, umso schäbiger fand ich es.

Gerade von einer Gruppe wie USP, die ansonsten sehr bedacht vorgeht (den Begriff „correctness“ vermeide ich an dieser Stelle bewusst), hätte ich etwas anderes erwartet. Ist es wirklich so cool, sich anhand von Gerüchten über das Konsumverhalten anderer lustig zu machen? Noch dazu, wenn es sich um so einen heimtückischen Rotz handelt, der (auch in Hamburg) reihenweise Leute kaputt macht? Habt ihr in eurem schicken Szene-Kiez nicht mit ähnlichen Problematiken zu kämpfen? – Oder ist USP einfach nur ein elitärer Yuppie-Haufen, der sich daran aufgeilt, das elterliche Kleingeld für teure Designer-Drogen zu besitzen?

Nichts für ungut, USP: Ihr hattet den Lacher natürlich auf eurer Seite. Immerhin funktionieren Klischees nur deshalb so gut, da sie bisweilen tatsächlich einen Funken Wahrheit beinhalten. Spätestens aber als mir das Cover der „Basch“ in die Hände fiel und mir der Umfang eures Spieltag-Mottos bewusst wurde, kotzte mich die Nummer so richtig an. Es sollte für euch eigentlich ein leichtes sein uns inhaltlich wegen irgendetwas anzukacken. Kramt die alten Gate 8-Sexismus-Passagen raus, stellt uns in die Grauzonen-Ecke oder macht euch über unser Dorfbauern-Image lustig – alles geschenkt. Aber dass ihr schon so weit gekommen seid, euch thematisch auf ein Niveau mit den Desperados zu begeben, finde ich zugegeben „überraschend“.

Für die kommende Saison wünsche ich euch jedenfalls viel Erfolg mit eurer drogenfreien, straight-edge Kiez-Sportgruppe. Angreifen dürft ihr uns gerne mal – Zähne haben wir sowieso keine zu verlieren. Grenzdebile Grüße aus Nürnberg.

Crystalmarkt USP

Pfandbecher-Spende am Millerntor

Nordkurve, in zwei Tagen spielen wir mal wieder am Millerntor. Im Stadion wird es eine kleine Spendenaktion geben, dafür verweisen wir gerne auf eine Mitteilung der Clubfans Norddeutschland. Es würde uns freuen, wenn sich zahlreiche Unterstützer finden.

Pfandbecher-Spende am Millerntor für Wasserprojekte von Viva con Agua

Seit einigen Jahren sammelt „Viva con Agua“ bei Spielen am Millerntor Pfandbecher. Vom Becherpfand gehen 50% direkt an „Viva con Agua“ und somit komplett in Trinkwasserprojekte in Äthopien. Die restlichen 50% werden für ein soziales Nürnberger Fan-Projekt bzw. eine soziale Einrichtungen in Nürnberg gesammelt. Auch Einzelpersonen der Clubfans Norddeutschland engagieren sich ehrenamtlich für Viva con Agua und werden bei unserem Spiel am Millerntor im Gästeblock mit einem Info-Stand vertreten sein, bei dem man kostenlos Wasser gegen eine freiwillige Spende erhält.

Viva con Agua („VcA“) versteht sich als „Offenes Netzwerk“, das vorwiegend von den über 7.000 ehrenamtlichen Supportern lebt und sich dafür einsetzt, dass alle Menschen einen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung bekommen. Mit diversen Aktionen u.a. auf Konzerten, Festivals oder Spendenläufen begeistert VcA Menschen für soziales Engagement und sammelt Spenden für weltweite Wasserprojekte der Welthungerhilfe. Alle Aktivitäten verfolgen dabei stets ein gemeinsames Ziel: Wasser für ALLE! So konnten durch die Arbeit von VcA in den vergangenen Jahren bereits mehr als 500.000 Menschen u. a. in den Schwerpunktländer Äthiopien, Uganda, Indien und Nepal unterstützt werden. Die Wasserprojekte verfolgen immer den integrierten Ansatz, namens WASH – eine Abkürzung für WAter, Sanitation and Hygiene. Trinkwasserprojekte werden demnach kombiniert mit Sanitärprojekten und Hygienemaßnahmen und alle Maßnahmen wie z. B. Brunnen, Quelleinfassungen oder Latrinen werden bedarfsgerecht konzipiert und auf regionale Gegebenheiten ausgerichtet.

Weitere Informationen auf http://vivaconagua.org/

Aufgrund des aktuellen Umbaus der Nordtribüne am Millerntor ist leider nicht abschließend geklärt, ob es in diesem Stehplatzbereich Pfandbecher geben wird. Viva con Agua ist aber auf jeden Fall mit einem Info-Stand vor Ort und ist an einer kleinen weißen Fahne zu erkennen. Hier wird kostenlos stilles Wasser ausgeschenkt und die Spendendosen würden sich im Gegenzug dafür auf den ein oder anderen Euro sehr freuen. Im Sitzplatzbereich gibt es sowohl Pfandbecher als auch Wasserausschank.

Viva con Agua und die Clubfans Norddeutschland freuen sich auf alle Glubberer und eure (Becher)Spenden am Millerntor!
Hamburg im April 2015

Ya Basta! #42 Reminder
Heute im Stadion

Kurz zur Erinnerung: Für alle, die (noch) nicht im Sonderzug zuschlagen konnte, gibt es heute im Stadion die restlichen Exemplare unserer Ausgabe #42. Zum Inhalt und wie fett der ist, haben wir ja schon viel gesagt, also nicht lang schnacken! Wie immer stehen unsere attraktiven Verkäufer mit den modischen Einkaufswägen an den Eingängen der Nordkurve, vor den Blöcken und auch vor dem Stadion, um euch den endgeilen Shit anzudrehen.

Video aus Leipzig

Zum Spiel des Glubb in Leipzig ist schon viel gesagt worden – hier mal was für die Augen …

Mitglied werden
im Förderkreis Choreografien

Trotz aller Liga-Tristesse war die Nordkurve auch in dieser Saison wieder bunt – und sie soll es auch bleiben! Mit dem letzten UN-Infoflyer wurde daher auch mal wieder ein Folder des Förderkreis Choreografien verteilt. Sicher schlummert seither der bereits ausgefüllte Antrag bei dem ein oder anderen zu Hause auf dem Schreibtisch. Wenn du dazu gehörst und es noch nicht geschafft hast, den Antrag postalisch zu versenden, dann macht das nichts! Bereits am Freitag beim Heimspiel gegen Darmstadt 98 kannst du diesen auch persönlich am Stand des Förderkreises vor den Containern abgeben!

Wenn du dir noch immer unsicher bist, haben wir noch einmal alle Facts für dich zusammen gefasst:

★ Was ist der Förderkreis für Choreografien?
Der Förderkreis bietet allen Choreo-begeisterten Glubberern die Möglichkeit, einen finanziellen Beitrag für Choreos zu leisten, damit die Macher über ein regelmäßiges und somit sicheres Budegt verfügen können. Als kleines Dankeschön gibt es dafür alle zwei Monate ein exklusives, sowie ein Willkommens-Geschenk.

★ Was kostet mich das?
Der monatliche Mindestbetrag liegt bei 3€, der einmalige Startbetrag bei 5€. Das Geld wird von eurem Konto abgebucht.

★ Was passiert mit meinem Geld?
Das so gesammelte Geld wird komplett auf einem seperaten Konto angelegt und zweckgebunden für Choreographien ausgegeben!
Die spieltäglichen Gebrauchsgegenstände wie Fahnen, Doppelhalter, Megaphone, Trommeln, Klebebänder etc werden dagegen nach wie vor aus den Spenden finanziert.

★ Warum das Ganze?
Weil Choreographien Ausdruck unserer Leidenschaft sind und wir Glubbfans sind bekanntlich sehr leidenschaftlich. Die bunten Kurvenbilder stellen das Kontrastprogramm zum durchkommerzialisierten Fußballs der heutigen Zeit dar. Sie sind authentisch, kreativ und imposant. Damit das so bleibt, nähen wir uns die Finger wund, rutschen bei Nacht in abgelegenen Hallen auf dem Boden rum und schwingen den Farbpinsel. Wer das nicht mag Ode kann, aber gerne Choreografien sieht, der kann auf diese Weise seinen (finanziellen) Beitrag leisten – denn das nötige Klein- und Großgeld wird natürlich auch gebraucht.

In diesem Sinne, ein fettes Dankeschön an alle Helfer und Spender! Nordkurve Nürnberg – keiner hält uns auf!

Für uns ein ganzes Leben

Gestern in Leipzig ist uns eigentlich alles entgegen geschlagen, was wir beim Fußball ablehnen. Das war natürlich zu erwarten. Boykott oder nicht – die Frage stand daher wochenlang im Raum.

Warum sind wir trotzdem nach Leipzig gefahren?

… weil die nicht wollen, dass wir nach Leipzig fahren! Weil die ihren Fußball der Marionetten etablieren wollen und da können die uns nicht gebrauchen. Deswegen waren wir da, deswegen werden wir da sein! Wir sind der Sand in ihrem Getriebe, wir sind der wöchentliche Widerstand. Für die ist es nur ein Augenblick, für uns ein ganzes Leben!

… und das konnten wir mit dem gestrigen Spiel deutlich zeigen. Die denken zwar, sie hätten gewonnen, weil sie die 3 Punkte eingefahren haben. Doch sie haben schon lange verloren oder besser gesagt: sie haben schon immer etwas nicht gehabt und werden es auch nie bekommen. Sie haben freilich beim selben Spiel mitgefiebert, die selben Lieder gesungen und die gleichen Worte verwendet, aber ihnen fehlte das Gefühl. Den Sieg auf dem Rasen hätten wir natürlich trotzdem gerne mitgenommen, aber immerhin konnte die Leistung überzeugen. Ergebniskrise sozusagen. Gestern ging es ohnehin um mehr.

Wir hätten sicherlich einen öffentlichkeitswirksameren Protest gegen den Konzern initiieren können, wenn wir das Spiel boykottiert hätten – aber durch unseren gestrigen Auftritt haben wir (dieses Mal) viel mehr für unsere Kultur tun können. Wir haben sie so intensiv gespürt wie selten – irgendwie paradox, dass wir dafür nach Leipzig fahren mussten, aber es sollte nun auch dem letzten die Augen geöffnet haben! Wir haben gestern sehr viel für unser Selbstverständnis innerhalb der Nordkurve getan und alle Auswärtsfahrer hatten dafür das richtige Gespür. Dieses Verständnis wird kommende Proteste gegen dieses System (egal in welcher Form) auf ein noch stärkeres Fundament stellen – dafür war diese Erfahrung unerlässlich.

Sollte es davor auch leise Zweifel gegeben haben, ob der Protest vor Ort von der Kurve getragen werden würde, waren sie nicht nur schnell beseitigt, sie stellten sich als völlig unbegründet (und das Internet wieder einmal als komplette Parallwelt) dar. Es gab gestern keine zwei Meinungen in dieser Angelegenheit, wir waren uns einig und wir dürfen verdammt stolz auf unsere Kurve sein! Trotzdem sind wir natürlich alle froh, dass wir dieses Spiel nun hinter uns haben. Wie in Zukunft mit einem Spiel bei RB umgegangen wird, muss natürlich immer wieder neu diskutiert werden. Zur Gewohnheit darf es nie werden!

Auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind und sein müssen, die gestrige Fahrt (gerade auch im Sonderzug) hat es deutlich gezeigt: Fußball ist mehr und die Fans des 1. FC Nürnberg haben das verstanden – deswegen muss uns auch in den kommenden und sicherlich schweren Wochen nicht bange werden! Danke Leute, FCN für jetzt und alle Zeit!

RB-Debatte: Kommentar und Antwort

Das RB-Thema erhitzt die Gemüter. Heute spielen wir endlich (?) in Leipzig. Wie schon bei der ersten Begegnung im Oktober, erreichen uns von allen Seiten Nachrichten. Vieles davon ist aus argumentativer Sicht leider sehr dünn, sodass wir darauf nicht näher eingehen. Ein interessanter Kommentar wurde jedoch auf dem Blog footballuprising veröffentlicht:

Ich bin alles andere als ein Freund dieses Scheiß-Vereins und finde Aktionen gegen RB deshalb prinzipiell auch vollkommen okay. Beim Spiel Union gegen RB beteiligte ich mich selbst mit den anderen 15000 Besuchern daran. Der 20-minütige Stimmungsboykott mit übergezogenen schwarzen Müllsäcken sowie die darauffolgende (Stimmungs-)Explosion war schon ziemlich geil (auch der Sieg, aber das wird die Leser dieses Blogs an dieser Stelle wahrscheinlich eher weniger interessieren…).

Die Begründungen dieser Ablehnung, die in den diversen Aufrufen für Aktionen gegen diesen Verein zum Ausdruck kommen, gefallen mir allerdings – aus den verschiedensten Gründen – eher weniger. Euer Aufruf erscheint mir dabei ziemlich exemplarisch zu sein. Es würde an dieser Stelle allerdings zu lange dauern, dies hier ausführlicher darzulegen, aber die Stichwörter, die für allerhand Mystifizierungen dienen, kann ich schon mal nennen: Tradition, echte Arbeit und Verrat. Demnächst werde ich mich dazu mal ausführlicher äußern, aber ich denke, dass RB als bis ins letzte Detail durchkomponiertes Marketingprodukt eher den deutlichsten Ausdruck einer Entwicklung darstellt, die nicht aufzuhalten sein wird. Und leider vielleicht sogar den ehrlichsten.

Weshalb ich mich an dieser Stelle allerdings überhaupt zu Wort melde, hat mit dem Ende des Aufrufs zu tun: “Also macht kaputt, was euch kaputt macht!” Die Scherben, von denen dieser Ausspruch stammt, und mit ihnen eine ganze Generation von Revoltierenden, kritisierten damit diese Scheiß-Welt an sich: alle Konzerne, die gesamte Gesellschaft, die stumpf machende Maloche und den regelnden Maschinentakt. Ihr allerdings fordert in eurem Aufruf den Schulterschluss mit allen Vereinen und den Spielern (gegen das vermeintlich größte Übel aller Übel), und ich kann nicht glauben, dass ihr das wirklich ernst meint. Oder? Wirklich mit den ganzen Vereinen, inklusive ihrer (AG-)Strukturen, den Hierarchien, den damit zusammenhängenden (prekären) Scheißjobs, den dahinterstehenden Konzernen, den Zielen der Profitmaximierung usw.? Und auch mit all diesen dressierten Spielern – Arbeitskraftverkäufer und Produktionsmittel in einem –, die sich wie gut geölte Maschinen über den Platz schieben, wollt ihr in einem Boot sitzen? Meint ihr das wirklich ernst? Ist eure gesamte Kritik an diesem Spektakel wegen diesem einen Scheiß-Konzern flöten gegangen? Ich kann’s mir eigentlich nicht wirklich vorstellen und einige andere Berichte auf euren Seiten scheinen mir dabei auch recht zu geben…

R. (footballuprising.blogsport.eu)

Bei all den Nachrichten, die uns erreichen und die teilweise wirklich unter die Gürtellinie gehen, haben wir hinsichtlich RB eigentlich auf Durchzug geschaltet. Zwei Wochen hat man eben den Leipziger Shitstorm gegen sich. Nichts, was wir nicht aushalten könnten oder inzwischen gewohnt wären. Bei diesem Kommentar dagegen verhält es sich anders. Ein Schreiber aus unserem Ya Basta!-Team hat sich die Mühe gemacht etwas ausführlicher zu antworten.

Lieber R.,

mit einer Mischung aus Wohlwollen und Verwunderung habe ich deinen Kommentar auf einen unserer Blogposts gelesen. Denn mal ehrlich: Ich glaube soweit liegen wir gar nicht auseinander.

Ich muss dir sogar in einigen Punkten Recht geben. Die Kritik an Red Bull, wie sie vielfach praktiziert wird, ist tatsächlich bedenklich. Gelegentlich spielt sie sogar mit Begriffen und Symboliken („Rattenball“), die nicht nur bedenklich sondern widerlich sind. Meine alten Kumpels hätten an dieser Stelle reflexartig von „regressiver Kapitalismuskritik“ gesprochen. Wahrscheinlich beschreibt es das sogar ganz gut. Hinterfragt wird ein Symptom und nicht die Ursache. Red Bull wird zum versinnbildlichten Bösen stilisiert; die kapitalistische Logik dahinter kümmert nicht. – Sicherlich zugleich symptomatisch für die deutsche Ultrasszene: Denn verkürzt ist nicht nur die Kritik an Red Bull, sondern die gegen den Modernen Fußball im Allgemeinen.

Dieses Thema haben wir zum Beispiel in unserer (inzwischen vergriffenen) Ausgabe 40 ausführlich behandelt. Damals habe ich mich über mehrere Tage und Abende durch Meldungen, Reportagen und Videos zum Thema Red Bull gewälzt. Im Heft haben wir dem Thema immerhin sechs Seiten eingeräumt. – Ich vermute an dieser Stelle einfach Mal, dass du es nicht gelesen hast. Vielleicht würdest du weniger hart mit uns ins Gericht gehen.

„Die Kritik an Red Bull setzt häufig leider sehr an der Oberfläche an. „Gegen RB“-Shirts, dazu ein kleines Spruchband – wirklich originelle und aufsehenerregende Aktionen waren bislang selten dabei. Natürlich auch, weil nur wenige Szenen die Größe der Rostocker haben und wirklich etwas reißen könnten; leider aber auch deshalb, da „Gegen RB“ vielerorts einfach der kleinste gemeinsame Nenner ist, um gegen die Ökonomisierung des Fußballs zumindest ein bisschen aufzubegehren. […] Die notwendige Radikalität und Konsequenz in allen Lebensbereichen war eben selten eine Stärke der (fußball-)deutschen Protestbewegungen. Wir ahnen schlimmes.“

So eine Passage aus dem damaligen Text in unserem Heft. Dort haben wir den Raum, um Themen ausführlich zu betrachten und unterschiedliche Blickwinkel zu ermöglichen. Mit unserem Blog verhält es sich dagegen anders: Das Internet bleibt für uns zwar kein Neuland, aber eben doch ein Nebenprojekt. Da werden wir keine seitenweisen Artikel hochladen, die bis auf 50 Leute, sowieso niemand zu Ende liest. Aus unserer Sicht wäre das schlichtweg verlorene Liebesmühe: Nach zwei Tagen im Facebook-News Feed hat das Social Web die viele Arbeit, die hinter einem gut recherchierten Text steht, zumeist schon wieder vergessen.

Den Blog nutzen wir überwiegend für Ankündigungen, wie du siehst. Oder eben, wenn uns wirklich mal ein Thema auf den Nägeln brennt und wir wegen Aktualität und Relevanz nicht auf Veröffentlichung des Heftes warten können. Teilweise sind wir dabei natürlich etwas polemisch, teilweise treibt uns schlichtweg die Wut – und auf so etwas „überbewertetes“ wie Redigieren geben wir dann erst recht einen Fick. Teilweise nutzen wir den Blog aber auch, um noch mal auf ein aktuelles Thema aufmerksam zu machen. In diesem Falle Red Bull. Ein kurzer Text, ein paar Aspekte als Informationshappen. Nicht mehr nicht weniger. Oder erwartest du auf sieben Absätzen tatsächlich so etwas wie „emanzipatorische Kritik“?! – Für alles Ausführlichere gibt es eben unser Magazin.

Ich verstehe dich insofern als dass der Aufruf natürlich etwas kurz geraten wirkt. Vielleicht unterscheiden sich die darin enthaltenen Argumente auch nur rudimentär von dem Rotz, den andere Szenen so veröffentlicht haben. Uns aber unterschwellig rechte Rhetorik und „Mystifizierung“ vorzuwerfen („Tradition, echte Arbeit und Verrat“), das ist aus meiner Sicht dann doch etwas weit hergeholt, lieber R..

Der Punkt ist doch der: Du lebst genauso wie wir den Wochenend-Widerspruch, jedes Mal wenn du ein Fußballstadion betrittst. Noch verheerender: Wir beide wissen sehr gut darüber Bescheid. Verzichten können wir jedoch nicht. Wer unter kapitalistischer Logik lebt, der kann sich dem nicht entziehen. Selbst wenn er sich Öff!Öff! nennt und ein Aussteiger-Projekt startet. Wir können der Sache nicht entkommen – schon gerade nicht beim Fußball und mit Sicherheit auch nicht bei den Vereinen, die wir selbst unterstützen.

Neben unserer Tätigkeit als Fanzine-Macher sind wir vom Ya Basta! an den unterschiedlichsten Ecken in unserer Fanszene eingebunden. Wir schreiben nicht nur, wir handeln. Also schreiben wir, in dem Moment in dem wir uns dem Thema Red Bull nähern, natürlich stark eingefärbt durch die Vereinsbrille. Wir sind Fans und Mitglieder, verloren in irrationaler Hingabe zu unserem Verein (sic!). Der 1.FC Nürnberg ist formal natürlich genauso Kapitalismus, wie Red Bull, Volkswagen, Bayer, SAP und Audi. Da gebe ich dir Recht. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass sich der 1.FCN für mich eben noch immer anders anfühlt als Vereine wie RB Leipzig. RB Leipzig gibt es nur, da die Red Bull GmbH einen neuen Werbeträger benötigt hat. In seiner Funktion unterscheidet sich der Verein nicht signifikant von Außenwerbung oder TV-Spots. Bei Vereinen wie dem 1.FCN ist das anders. Er wurde aus privater Initiative und Leidenschaft gegründet. Kommende Generationen haben ihn aus Hingabe groß gemacht. Geld und Verwertungslogik spielten zunächst keine Rolle.

Freilich treten sowohl RB als auch der FCN heute unter den gleichen kapitalistischen Bedingungen an. Freilich treibt es auch mein Verein aus monetären Interessen zu bisweilen abscheulichen Blüten. Dennoch weiß ich, dass es bei meinem Verein eben nicht immer so war; dass die Ursache für die Gründung des 1.FC Nürnberg kein kapitalistischer Selbstzweck war. – Deshalb kann ich ihn auch noch halbwegs guten Gewissens unterstützen. Wohlwissend, dass meine Fanszene jederzeit wachsam sein muss.

Dass du dich an manchen Begrifflichkeiten zu stören scheinst, kann ich nur bedingt nachvollziehen. Bloß weil Begriffe wie Tradition oder Ehre auch gerne in rechten Kreisen besetzt werden, bedeutet das aus meiner Sicht nicht, dass man sie nicht mehr verwenden sollte, wenn sie passend sind. Schließlich bedeutet der Verweis auf die Tradition meines Vereins noch lange nicht, dass ich alle Aspekte seiner Geschichte glorifiziere. Im Gegenteil: Wäre dem so, dann wären Aktionen wie die für Jenö Konrad in unserer Fanszene gar nicht möglich gewesen. – Sofern du also möchtest, ersetze einfach „Tradition“ durch „Historie“, ersetze „echte Arbeit“ durch „Kontinuität“ und „Verrat“ durch so eine umständliche Worthülse wie „Frustration über plötzliche Veränderungen in unserem direkten Lebensbereich“. Du siehst also: Manchmal muss es nicht schaden die Dinge beim Namen zu nennen. Auch wenn wir dabei zugegebenermaßen zu einem gewissen Pathos neigen. Wir sind eben immer noch Ultras.

Umso länger ich über deine Worte nachdachte, umso passender erschien mir eine private Anekdote als Vergleich:

Als ich 16 war, saß ich mal in einem McDonalds. Damals war ich idealistisch bis auf die Zehenspitzen. Ich wollte in dem Laden nichts essen. Irgendwann ließ ich mich doch dazu verleiten. McDonalds ist schließlich genauso Kapitalismus wie jeder andere scheiß Schuppen auch, sagte ich mir. – Dennoch fühlte ich mich nie sonderlich gut dabei. Da war immer eine kleine Stimme in mir, die aufschrie und rebellierte. Bei meinem Lieblings-Kurden um die Ecke hatte ich das nie. Hier schmeckt das Essen (noch) lecker(er) und ich brauche keine Skrupel wegen irgendwas haben.

So ähnlich wie mit McDonalds und dem kurdischen Imbiss, verhält es sich für mich auch mit Red Bull und dem 1.FCN. Beide agieren auf ähnlichem Feld, beide in gleicher Gesellschaft. Der eine bleibt jedoch austauschbar und liegt schwer im Magen; der andere ist einmalig, vertraut, aber immer für Überraschungen gut. Beide lassen formal keine Wünsche übrig. Bei dem einen habe ich jedoch ein mulmiges Gefühl, bei dem anderen fühle ich mich von Grund auf Wohl.

Es bleibt letzten Endes eine Gewissensfrage, die sich rational nicht völlig erklären lässt. Allein schon weil der Fußball und unser Dasein als Fans niemals rational war.

„Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.“ – Da gebe ich dir Recht. Aber wenn du die Wahl zwischen Red Bull und Club Mate hättest, würdest du doch auch die Mate saufen!

Grüße aus Türkei
P.

PS: Ich lege dir wärmstens die neue Ya Basta! #42 ans Herz. Manch einer behauptet es sei geiler Scheiß; wir selbst natürlich auch. Das Urteil überlasse ich dir.

Ein komisches Gefühl

Persönliche Gedanken

Kurz vor dem Spiel in Leipzig ist die Debatte um den Konzern natürlich besonders präsent. Tun wir das Richtige oder ist es falsch nach Leipzig zu fahren? Bedeutet der Konzern tatsächlich eine einschneidende Veränderung unseres Fußballs?

In den vergangenen Monaten wurde von Medien und Verbänden merklich versucht, dem Konzern eine Berechtigung zuzusprechen. Auch unser letzter Beitrag Den Kozern ausschließen, der sich mit seiner Schlussforderung an die Vereine – freilich provokant – auf die kürzlich beschlossene Solidarität mit dem Konzern auf einer DFL-Tagung bezog, entfachte ein großes Echo der Lobbyisten, das wir so gar nicht erwartet hätten. Auf der angesprochenen Tagung positionierten sich die Vereine klar gegen die Hasstiraden; aber dieses empört zwanghafte Verhalten ist nichts Neues im heutigen Fußball – muss man ja machen. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, da war es selbstverständlich Vereine und Vereinsbosse landauf landhab zu beleidigen und auszugrenzen. Sensationelle Beiträge wie „Bayernfans sind Feiglinge“ und „Lasst eure Kinder nicht Bayern-Fans werden“ oder das Lied (ich würde nie zum FC) „Bayern“ (münchen gehen) würde ich heute gerne mal über den Konzern-Klub lesen oder hören – aber das traut sich keiner. Natürlich gab es auch damals einen Aufschrei der Gegenseite, aber dieses notgedrungene Pseudo-Rechtfertigen, warum ein Konzern plötzlich derart Platz in unserer Fußballmitte finden soll, das gab es freilich nicht. Die DFL-Lieblinge wie Hopp oder Matteschitz, die so fleißig in den Fußball investieren und den Regionen etwas Gutes tun, dürfen allerdings auch den Fußballwetbbewerb in Ihren Grundsätzen verändern. Eine Frage des Geldes – Vereinshistorie und Fußballromantik werden dagegen als überholt dargestellt.

Das stimmt alles sehr nachdenklich. Ich habe ein wirklich komisches Gefühl im Magen, wenn ich an das morgige Spiel denke.

Natürlich ist es nicht mehr so wie früher, wird es auch nie mehr sein. Fälschlicherweise wird den Ultras immer wieder in den Mund gelegt, dass sie sich einen Fußball wie 1920 wünschen, latente Nazivergleiche inklusive. Die Frage ist nur: Was machen sie dann noch in den Bundesligastadien? Niemand hat je behauptet, dass wir die Uhren zurückstellen wollen – aber es passt natürlich gut in die Stammtisch-Polemik derer, die den heutigen Fußball verändern wollen und die Spirale vorantreiben! Richtig ist, dass die Ultras und Fußballromantiker die Erinnerungen an diese Zeit aufrecht erhalten und damit dem Fußball(geschäft) von heute einen Anstrich verleihen, der ihn erst zum Phänomen gemacht hat. Letztendlich geht es dabei darum den Fußball von heute zu erhalten wie er ist; und wenn dabei wieder ein bisschen mehr Fußball-Reinkultur herausspringt, soll es natürlich auch recht sein. Dieses Minimalziel gilt aber eben nur, wenn wir uns immer wieder an unsere Wurzeln aus der Vergangenheit erinnern.

Auf den ersten Blick mögen wir Fußballromantiker uns auch gar nicht so sehr von dem Konzern-Gefolge unterscheiden. Auch wir wollen attraktiven Fußball sehen und Erfolg haben – wer träumt nicht von Europa oder davon noch einmal auf dem Hauptmarkt einen Triumph zu feiern? Aber nicht um jeden Preis! Wir haben es 2007 durch Leidenschaft, Arbeit und Wille geschafft und dabei ganz andere Kaliber hinter uns gelassen! Genau deswegen hat es sich auch so einzigartig gut und ehrlich angefühlt! Natürlich kotzt es uns an, dass es zukünftig noch schwerer wird und manche Vereine hart für diese Träume arbeiten müssen, während andere sie geschenkt bekommen oder erst aus dem Boden gestampft werden. Das bringt nüchtern betrachtet den Wettbewerb aus den Fugen, wenn Leistung nicht mehr kohärent belohnt oder bestraft wird – oder noch schlimmer: Es hebt den Wettbewerb auf ein noch gefährlicheres Level, das unter enormen Erfolgsdruck Nachahmer generiert.

Es ist auch ein Unterschied, warum diese Maßnahmen ergriffen werden. In Nürnberg und anderswo versucht man die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auszuschöpfen, damit der Verein davon profitiert. Bei Vereinen wie Hoffenheim oder Wolfsburg kann man die Frage nach dem Warum mit Sicherheit unterschiedlich beantworten. In Leipzig geht es nur darum, dass der Konzern davon profitiert – auch wenn in diesem Sog praktischerweise noch tausende, ausgehungerte Menschen mitfeiern, die ihre Fußballpräsenz jedoch ausschließlich auf Erfolg reduzieren.

Doch wer so denkt, hat den Fußball nicht verstanden. Auch wenn die Leipziger sich verständlich nach Erfolgen sehnen mögen – durch ihr Fan-Dasein wird deutlich, dass wir uns grundlegend darin unterscheiden, warum wir den Fußball lieben. Wir lieben ihn nicht wegen des im Rausch des Sieges erhabenen Gefühls, sondern wegen den kleinen, fast unscheinbaren Geschichten, die der Fußball schreibt. Weil er Freude und Freunde bereiten kann – auch wenn man nicht ganz oben steht. Das haben sie in Leipzig nicht kapiert, dafür haben sie sich nicht intensiv genug mit dem Fußball befasst. Wer zum Beispiel einmal in uralten Chroniken des 1.FCN geschmökert hat und in den Erinnerungen eines Hans Hoffmann versunken ist, der versteht den Unterschied. Der spürt, dass die Faszination des Sports nicht von den Erfolgen einer Mannschaft ausgeht. Wer glaubt, dass es Fußballromantik nicht braucht, der reduziert Fußball auf Erfolg. Wer behauptet, die Ultras interessieren sich nicht für Fußball, der reduziert Fußball auf Erfolg. Und wer behauptet, RB-Fans seien Fußballfans, der reduziert Fußballfans auf Erfolgshascher. Doch damit tut man dem Fußball unrecht.

Natürlich kommt man heute nicht wegen dieser Erzählungen zum Fußball. Man verliebt sich zunächst in den Sport. Aber diese Anekdoten sorgen dafür, dass man beim Fußball bleibt, dass aus der Verliebtheit eine Liebe fürs Leben wird. Dieses Erbe müssen wir bewahren – gerade in einer Fußballwelt, die zukünftig durch Konzerne dominiert zu werden droht. Für andere ist es eben ein One-Night-Stand, eine kurzfristige Lust, und das ist natürlich auch legitim und sogar geil; lediglich ist es eine andere Art der Befriedigung. Bitte wundert euch dann nur nicht, wenn unsere Welten aufeinanderprallen und wir euch als Schlampen beschimpfen. Schon klar, mit den alten Geschichten über die Entstehung eines Vereins kann man einfach nicht so gut am Stammtisch oder auf dem Pausenhof protzen – da muss die geile Nummer her, auch wenn man schnell nichts mehr spüren wird.

Aber was schert es uns, wenn in Leipzig ein anderes Fußballverständnis herrscht? Warum haben wir ein Problem mit dem Konzern, es kann uns doch egal sein, was die machen, oder?

Die Antwort ist ganz einfach: Wir hätten nämlich nicht so ein großes Problem mit dem Konzern, wenn er nicht auch uns selbst betreffen würde. Heute spielen wir nur gegen einen dieser Konzerne, morgen vielleicht schon gegen drei und übermorgen soll unser Verein vielleicht auch dazu gehören?! Das Problem, was wir mit RB haben: Wir wollen nicht irgendwann genauso sein wie die! Wir haben in Deutschland momentan noch ein vergleichsweise akzeptables (aber trotzdem nicht gesundes) Verhältnis aus erfolgreichem Fußball, Kommerz, Geschichte und Freiräumen für Fans. Eigentlich hätten wir doch alle einigermaßen zufrieden sein können (und übrigens: Leipzig ist nicht die einzige Stadt, deren Beweohner es nach Fußballerfolgen dürstet – diese Jammerei kotzt nur noch an!). Der Konzern zerstört das Gleichgewicht – nicht alleine, sondern weil andere nachziehen werden. Daran dürfen wir uns nicht gewöhnen, wie wir schon die letzten Jahren „gewöhnt wurden“!

Demnach obliegt auch den Leipzigern mehr Verantwortung als nur für den Fußball in ihrer Stadt. Entscheiden sie sich für diesen Konzern, entscheiden sie sich auch dafür, dass der Fußball von morgen so aussehen könnte. Dominiert durch Konzerne und einen Fußball, der auf nackte Zahlen reduziert wird. Geht zu Chemie – ihr werdert dort vielleicht weniger Titel sammeln, aber nicht weniger Geschichten erleben und den Fußball in einer Form fühlen, wie sie ein Konzern niemals vermitteln könnte! Wenn aber Red Bull und Co. der Fußball von morgen sind, dann verliert er auch Vereine wie Chemie, uns Fußballromantiker und damit stetig ein Stück mehr seiner Vergangenheit. Er verliert seine Identität und Nachhaltigkeit. Bei diesem Gedanken überkommt mich ein komisches Gefühl und ich denke wieder an das morgige Spiel. Trotzdem fahren wir hin – oder gerade deswegen? Für unseren Fußball.

Jeder Protest gegen den Konzern ist somit weniger ein Statement gegen RB Leipzig selbst, sondern für den Erhalt des eigenen Vereins, der sich mitzuentwickeln droht. Wir haben es noch immer in der Hand!

Und liebe Leipziger, jetzt seid doch nicht immer gleich angepisst, wenn jemand gegen euren Konzern wettert – auch euer Erfolg hat seinen Preis und wir werden ihn hoch treiben! Aber wie gesagt, bleibt locker, euch bedeutet der Fußball eh nichts. Und wenn euch Red Bull tatsächlich glücklich macht, dann habt ihr den Fußball sowieso nicht verstanden. Ihr könnt ihn auch nicht verstehen, aber das macht nichts. Vielleicht werdet ihr ihn ja irgendwann verstehen, wenn ihr wieder unten steht und Red Bull den Abflug macht, da ein anderes Marketingtool attraktiver erscheint. Vielleicht wird es euch aber auch egal sein, weil ihr den Fußball nur oberflächlich betrachtet (habt) und ebenfalls den Abflug macht. Unsere Träume, irgendwann mal wieder auf dem Hauptmarkt zu stehen, rücken nun in noch weitere Ferne. An unserer Liebe wird es dennoch nichts ändern – weil sie sich nicht darauf stützt. Anders als bei euch. Viel Spaß noch, Peace!

Nachtrag: Gerade eben kam mal wieder eine Meldung über eine mögliche/baldige Übernahme von Leeds United durch RB rein. Nach Chelsea und Manchester City wäre damit der dritte große Investor-Hai im Becken, davon mal abgesehen, dass auch schon andere Vereine wie Cardiff, ManU etc durch ausländische Geldgeber in Abhängigkeit geraten sind – die drei erstgenannten sind aber Extremfälle. England wird wieder einmal das warnende Beispiel sein, in welche Richtung sich der Fußball entwickelt, doch es wird immer noch genug Geier geben, die dieser Entwicklung hinterhereifern wollen (oder müssen)? Gerade im Hinblick darauf, dass RB dann ein drittes Team steuern würde, sei uns noch einmal ein Verweis an den sehr zwielichtigen Transfer von Sabitzer erlaubt. Zur Erinnerung: weil der Österreicher von Rapid Wien nicht zu einem Ligakonkurrenten wechseln darf, unterschreibt er bei RB Leipzig – und wird von dort an den Schwesterverein Salzburg verliehen. Aber davon, genauso wie über die sehr dubiosen „Vereins“strukturen der RB-Werbeträger, will ja keiner was wissen… sonst wirds unangenehm und die Investoren will man ja nicht vergraulen… man kann eigentlich nicht jeden Kritikpunkt zu diesem Konzern-Fußball in einen Beitrag packen, daher bleibt auch dieser nur ein unvollständiger Abriss.

… und im Übrigen bin ich der Meinung, dass RB zerstört werden muss!

Sonderzugfahrer lesen Ya Basta!

Gute Nachrichten, die Ya Basta! Ausgabe 42 nach 0 ist frisch aus dem Druckwerk eingetroffen! Am Sonntag wird es daher auf der Rückfahrt vom Klassenfeind unser Kampfblatt mit der üblichen Propaganda und Gehirnwäsche für laue 4 Taler geben.

Wie immer gilt: Vorsicht beim Genuss, ist nix für Gutmenschen, Moralisten und Schönwetterfans, aber die sind ja eh nicht im Lovetrain dabei…

Over and out!