Crystal Fighters NBG?

Kommentar

Reden wir nicht um den heißen Brei herum: Es gibt in der Nürnberger Szene Leute die Crystal Meth konsumieren. – Nein, natürlich finde ich es nicht geil. Ich finde es sogar ziemlich beschissen. Inzwischen habe ich einige Freunde an das Teufelszeug verloren. Aktuell liegt ein Kumpel von mir in der Psychiatrie; mit Medikamenten ruhiggestellt, phasenweise an sein Bett gefesselt. Eine Freundin besucht ihn mehrmals wöchentlich. Ich bin immer wieder erschrocken von ihren Erzählungen. Vor diesem Hintergrund kann ich nur bedingt über die Aktionen von USP bei unserem Auswärtsspiel in Hamburg lachen.

Seit mehreren Jahren macht die Droge die Runde. Nicht nur im tschechischen Einzugsgebiet, aber eben vor allem dort. Der Kram hält länger wach als andere Amphetamine und ist vergleichsweise günstig zu beschaffen. In Städten wie Bayreuth hat Crystal den weichen Drogen schon längst den Rang abgelaufen. In einem Alter, in dem ich mich noch cool gefühlt habe, weil ich mit meinen Freunden im Kinderzimmer das erste Weed gepufft habe, ziehen die Kids das C in die Nasenhöhlen. Keine Dramatisierung, kein Kauderwelsch aus bundfinanzierten „Anti Drogen“-Broschüren, sondern die Realität in den östlichen Gegenden Frankens.

Nach den Desperados hat nun auch USP die Thematik aufgegriffen. Schon seit Jahren kursieren Gerüchte, in der Nürnberger Szene würde C konsumiert. Gänzlich abstreiten kann ich es nicht. Für mein Befinden ist es jedoch deutlich weniger geworden. Der Großteil scheint sich der Folgen der weißen Witwe bewusst zu sein. Immerhin ein Teilerfolg, Ausnahmen bestätigen die Regel. Lieber wäre es mir natürlich, wenn der Dreck komplett von der Bildfläche verschwinden würde. Nicht nur in unserer Fanszene – sondern vor allem in Städten wie Bayreuth, Kemnath oder Marktredwitz.

Zunächst musste ich über die Tapeten der St. Pauli-Fans schmunzeln. Sie haben sich schließlich sichtlich Mühe gegeben; wir scheinen sie ordentlich zu nerven. Der „Crystalkindlesmarkt“ griff neben der Drogenthematik gleich mehrere Kritikpunkte an der Nürnberger Fanszene wie „Business Ultras“ oder Traditionalismus auf. Die bestimmende Thematik – ergänzt durch ein weiteres Spruchband und das Cover der „Basch“ – war jedoch Crystal Meth. Umso länger ich darüber nachdachte, umso schäbiger fand ich es.

Gerade von einer Gruppe wie USP, die ansonsten sehr bedacht vorgeht (den Begriff „correctness“ vermeide ich an dieser Stelle bewusst), hätte ich etwas anderes erwartet. Ist es wirklich so cool, sich anhand von Gerüchten über das Konsumverhalten anderer lustig zu machen? Noch dazu, wenn es sich um so einen heimtückischen Rotz handelt, der (auch in Hamburg) reihenweise Leute kaputt macht? Habt ihr in eurem schicken Szene-Kiez nicht mit ähnlichen Problematiken zu kämpfen? – Oder ist USP einfach nur ein elitärer Yuppie-Haufen, der sich daran aufgeilt, das elterliche Kleingeld für teure Designer-Drogen zu besitzen?

Nichts für ungut, USP: Ihr hattet den Lacher natürlich auf eurer Seite. Immerhin funktionieren Klischees nur deshalb so gut, da sie bisweilen tatsächlich einen Funken Wahrheit beinhalten. Spätestens aber als mir das Cover der „Basch“ in die Hände fiel und mir der Umfang eures Spieltag-Mottos bewusst wurde, kotzte mich die Nummer so richtig an. Es sollte für euch eigentlich ein leichtes sein uns inhaltlich wegen irgendetwas anzukacken. Kramt die alten Gate 8-Sexismus-Passagen raus, stellt uns in die Grauzonen-Ecke oder macht euch über unser Dorfbauern-Image lustig – alles geschenkt. Aber dass ihr schon so weit gekommen seid, euch thematisch auf ein Niveau mit den Desperados zu begeben, finde ich zugegeben „überraschend“.

Für die kommende Saison wünsche ich euch jedenfalls viel Erfolg mit eurer drogenfreien, straight-edge Kiez-Sportgruppe. Angreifen dürft ihr uns gerne mal – Zähne haben wir sowieso keine zu verlieren. Grenzdebile Grüße aus Nürnberg.

Crystalmarkt USP