Archiv für Juni 2015

Stadt und Polizei Mellrichstadt wollten Gedächtnisturnier verhindern

Der Artikel wurde zuletzt am 2.7. aktualisiert

Als im Sommer 2014 unser Freund Adi bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, stand für uns schnell fest, die spaßigen Fußballspiele in der Sommerpause als ein Gedächtnisturnier zu seinen Ehren fortzuführen. In keinem Albtraum hätten wir jemals geglaubt, dass uns dabei nicht nur behördliche Steine in den Weg gelegt werden sollten, sondern ein beispielloses Exempel polizeilicher Schikane gegenüber uns Ultras folgen würde. Offenbar schien selbst ein Gedächtnisturnier Anlass zu geben, jegliche Mittel aufzuwenden und eine Gefahr durch Ultras heraufzubeschwören, um diese Veranstaltung verhindern zu können. Sollten wir irgendwann mal vergessen (haben), warum wir keinen Bock auf Bullen haben: ihr habt uns eindrucksvoll und schonungslos daran erinnert, ACAB ist nicht die Lösung, ACAB ist das Problem! Aber der Reihe nach…

Februar 2015:

Guter Dinge machten wir uns an die Vorbereitungen des Turniers. Sein Heimatort Mellrichstadt schien perfekt. Der Sportplatz ist nur wenige Minuten vom Friedhof entfernt, ein gemeinsamer Gang zum Grab war geplant. Für das abendliche Beisammensein wurde die Oskar-Herbig-Halle angefragt. Nur kurze Zeit später wurden die Örtlichkeiten unter Vorbehalt genehmigt. In einem Brief von Bürgermeister Eberhard Streit (Betr.: „Privates Fußballturnier auf dem städtischen Sportplatz am 20.06.2015“) heißt es:

„[…] für Ihr geplantes Fußballturnier am 20.06. 2015 erhalten Sie die vorbehaltliche Erlaubnis zur Nutzung des städtischen Sportplatzes. Vorbehaltlich deshalb, weil der Sportplatz nur genutzt werden kann, wenn es die Platz- und Witterungsverhältnisse zulassen […]“

Nach dieser positiven Zusage wurden die Einladungen verschickt, auf Zusagen mussten wir nicht lange warten. Adi war eine Frohnatur, bekannt & beliebt. Freunde aus Nürnberg, Göteborg, Larissa, Wien, Schalke und Brescia kündigten sich an und wollten eine Fußballmannschaft stellen. Die Resonanz überwältigte abermals die Eltern. Auch sie wollten sich an den Vorbereitungen für das Gedenkturnier beteiligen, organisierten unter anderem Fleisch für kroatische Frikadellen (Adis Mutter kommt aus Kroatien), andere Freunde/Freundinnen und Verwandte wollten die Kuchentheke übernehmen. Um die Verbundenheit der Spieler noch einmal zu verdeutlichen, wurde für jedes Team ein einheitlicher Trikotsatz im kroatischen Karomuster in den jeweils charakteristischen Farben der Mannschaften erstellt. Es wurden keine Kosten & Mühen gescheut. Es war deutlich spürbar, dass dieser Zuspruch den Eltern hilft, den Verlust (weiter) zu verarbeiten – was kann es schöneres geben, wenn dem eigenen Sohn derart gedacht werden soll?

April 2015:

Die Trikots mit Herstellungskosten im 5-stelligen Bereich waren bereits in Produktion, das Fleisch geordert und die Gäste aus dem In- und Ausland hatten ihre Anreisen organisiert und bezahlt. Plötzlich sickerte die Info durch, dass der Platz wegen Sanierungsarbeiten ausgerechnet an diesem Wochenende gesperrt sei. Es fand schließlich ein persönliches Gespräch zwischen den Eltern, Bürgermeister Eberhard Streit und zwei Freunden Adis statt. In diesem Gespräch äußerte der Bürgermeister plötzlich grundsätzliches Bedenken, sein Ok für das Turnier zu geben. Auf Nachfrage verwies dieser auf eine Mail der Polizeiinspektion Mellrichstadt, die vor dem Turnier und seinen Beteiligten warnte. Folgende Behauptungen, die von der PI Mellrichstadt stammen würden, lagen dem Bürgermeister vor:

★ 1000 gewaltbereite & rechtsradikale Ultras aus dem In- und Ausland würden nach Mellrichstadt reisen und alles in Schutt & Asche legen
★ das Turnier sei eigentlich eine Drittortveranstaltung, u.a. würde auch die Schickeria kommen
★ der Mieter des Platzes habe bundesweites Stadionverbot
★ „belegt“ wurde die „Gefahr“ schließlich mit einem Youtube-Video vom Freundschaftsspiel in Wien

An dieser Stelle sei folgende Frage erlaubt: Ist es „nur“ eine massive Unkenntnis der Polizei über Sachverhalte oder sind es bewusst gestreute und falsche Behauptungen? Wir wissen es nicht. In beiden Fällen ist es jedoch bedenklich, denn dann sind die enorme Befehlsgewalt und Befugnisse der Polizei definitiv in falschen Händen und es wird mehr Unheil angerichtet als Schaden vermieden – was ja auch schon die Vergangenheit gezeigt hat. Fakt ist: Wer so eine (Ermittlungs-) Arbeit leistet, ist inkompetent, diese Fehler sind so fatal, dass sie fast schon bewusst erscheinen… Doch wer zweifelt schon an den Aussagen der Polizei?

Dementsprechend hatte nun auch der Bürgermeister, der allenfalls etwas angelesenes Halbwissen über Ultras besitzt, mächtig Panik. In dem Gespräch konnte jedoch einiges klargestellt werden, u.a. wurde ihm die persönliche Einladung der Sektion Unterfranken an die Eltern gezeigt, was uns später noch zum Verhängnis werden sollte. Nicht aufgrund des Inhaltes, denn die Worte aus der Einladung sprachen eine völlig andere Sprache als die Behauptungen der Polizei, die er auch nicht so richtig glauben wollte. Ein „Wort unter Männern“ genüge ihm und schnell schien auch klar zu werden, dass die Sanierungsarbeiten nur ein vorgeschobener Grund seien und man ja „nochmal mit der Firma sprechen“ könne. Wenige Tage später erreichte uns schließlich ein weiteres Schreiben von Bürgermeister Eberhard Streit. Darin heißt es:

„[…] Die in Aussicht gestellte Zusage können wir nicht einhalten und somit kann die von Ihnen geplante Veranstaltung auf dem städtischen Sportplatz nicht stattfinden. Da in dieser Zeit die Kunststoffbeläge der Anlage saniert werden, kann der Platz während und nach Abschluss der Arbeiten nicht betreten werden. Eine Verschiebung dieser Arbeiten ist leider nicht möglich, da wir zeitlich an die Terminvorgabe der Firma gebunden sind […]“

Der arme Hund hatte also doch kein Rückgrat und die Ängste, dass doch etwas passieren könnte, waren wohl einfach zu groß. Schließlich hätte das vielleicht sogar sein Amt kosten können, wenn es zu irgendwelchen Zwischenfällen – bei einem Gedächtnisturnier…! – gekommen wäre. Die Polizei hat in den letzten Jahren eben ganze (Propaganda-) Arbeit geleistet und ein Klima der Angst geschaffen, so dass es leicht fällt, repressive Maßnahmen durchzusetzen. Wen wundert es da, dass er sich für den leichteren Weg entschieden und den Platz unter scheinbar fadenscheinigen Gründen untersagt hatte?

Für uns war dies jedoch kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken – wir wollten unserem Freund gedenken und das wollten wir uns nicht verbieten lassen. Ein Ausweichplatz in Mellrichstadt wurde schnell auserkoren, da ereilte uns jedoch die nächste Hiobsbotschaft:

„[…] Zwischenzeitlich haben wir weitere Informationen erhalten, so dass wir heute davon ausgehen, dass es sich bei der, als „Gedenkfeier“ gemeldeten Veranstaltung nicht um eine private Feier handelt. Wir stellen fest, dass es sich dabei faktisch um eine Feier des Vereins „Ultras Nürnberg 1994 Sez. Unterfranken“ handelt. Die Nutzungsbestimmungen für unsere Veranstaltungshalle legen aber fest, dass der Säulensaal ausschließlich an Mellrichstädter Bürger für deren Feiern vergeben wird.
Abgesehen von dieser klaren Regelung stellen wir außerdem fest, dass die Stadt Mellrichstadt die Ziele des Vereins „Ultras Nürnberg 1994 Sez. Unterfranken“ nicht unterstützt, so dass ich Ihnen auf Basis eines Umlaufbeschlusses des Stadtrats mitteilen muss, dass wir einer Nutzung der Oskar-Herbig-Halle durch den Verein ebenfalls nicht zustimmen werden […]“

Man kann sich wohl einigermaßen vorstellen, wie es uns in diesem Moment den Boden unter den Füßen weggezogen hatte. Wie sich jedoch die Eltern dabei gefühlt haben müssen, muss unvorstellbar gewesen sein. Haben Polizei und Stadt auch jemals die Menschen in uns gesehen oder nur die vermeintliche Gefahr durch uns als Ultras – bei einem Gedenkturnier…? Haben sie jemals an die Eltern und den Anlass gedacht? Grundsätzlich sei die Frage erlaubt, in welche Schublade sie uns damit stecken. Was haben sie gedacht, was dort passieren würde? Ein Gedenkturnier wird von Polizei und Stadt untersagt? Diese Schlagzeile würde man allenfalls bei zweifelhaften Rockergruppen vermuten. Für eine Subkultur, die zum größten Teil aus Jugendliche besteht und vordergründig ein positives Wirken im Stadion fördert, ist das jedoch ein falsches Signal. Wen wundert es da noch, wenn sich das „Feindbild Staat“ manifestiert?

Kurz darauf beteuerte der Bürgermeister gegenüber den Eltern, dass sie keine Möglichkeit hatten und sprach davon, dass die Polizei zu viel Druck aufgebaut hätte. Die Entschuldigungen sind jedoch wertlos, man hat immer eine Wahl! Welch ein Armutszeugnis für den Heimatort und vor diesem Hintergrund müssen wir ja froh sein, dass wir zur Beerdigung kommen durften…

Trotz dieser Feindseligkeit stand für uns eine Absage nie zur Debatte (was zudem ein finanzielles Desaster bedeutet hätte, nachdem bereits so viel investiert wurde), allerdings überkamen uns Zweifel, ob wir das Turnier in seinem Heimatort austragen würden können. Ob wir nun die Oskar-Herbig-Halle anmieten würden oder eine andere Location, ob wir auf dem Mellrichstädter Sportplatz oder irgendeiner Wiese spielen würden – die Polizei würde alles tun, um dieses Gedenkturnier zu verhindern. Und eines wollten wir auf keinen Fall: Wir wollten uns nicht am Turniertag mit der Polizei herumärgern, wir wollten auf keinen Fall, dass es zur Möglichkeit einer Eskalation kommen könnte, die im Nachgang die Polizei wiederum als Rechtfertigungsgrund für ihre Maßnahmen herangezogen hätte. Nein, wir wollten in Ruhe zusammenkommen und Adi sowie allen anderen Verstorbenen gedenken, denn leider steht Adi ja nur stellvertretend für die vielen anderen, die aus unserem Umfeld bereits gegangen waren. Wir beschlossen daher, jeder Konfrontation aus dem Weg zu gehen und suchten daher zähneknirschend einen Platz abseits seines Heimatortes – dieses Mal bewusst ohne den offiziellen Gang über die Behörden/Stadt wie in Mellrichstadt, damit die Polizei möglichst außen vor bleibt und das Turnier in Ruhe stattfinden könne. Leider hatte dies auch zur Folge, dass wir den wichtigsten Teil – den gemeinsamen Gang zum Grab – absagen mussten. Zu groß war die Angst, dass uns dort die Polizei „in Empfang“ nehmen könnte – wir mussten ihr jede Pietätlosigkeit zutrauen

Mai 2015:

Knapp einen Monat vor dem Turnier waren für den Ausweichort alle Vorkehrungen getroffen. Die Örtlichkeiten waren zwar weniger perfekt und erforderten von uns einen Mehraufwand, aber wir waren froh, eine Möglichkeit gefunden zu haben. Der Vorstand und Vermieter war über die Vorkommnisse im Vorfeld informiert, hatte jedoch keine Bedenken. Trotzdem staunte er dann nicht schlecht, als eines Tages die Polizei und Stadt Ostheim bei ihm auf der Matte standen. Da die Stadt Ostheim Grundstückseigentümer ist und ihr diesselben Lügengeschichten erzählt wurden, verfügte sie auf Anraten der Polizei, dass uns auch dieser Sportplatz sowie das Sportheim nicht vermietet werden dürfe. Es verwundert ja leider niemanden mehr, dass alles, was wir als Ultras tun, vom Staat überwacht wird. Und alles ist erstmal verdächtig. Selbst wenn wir mal nichts tun, ist das erstmal verdächtig. Aber dass ein Gedenkturnier verdächtig sei, machte uns nachdenklich und dieses Vorgehen ging weit über die „üblichen Schikanen“ hinaus. Mittlerweile haben wir gelernt, die Repression „sportlich & nüchtern“ zu nehmen, will heißen: Wenn man nen Blödsinn macht, dann erfolgt eine Konsequenz und sei sie noch so übertrieben. Selbst die Willkür und Ungerechtigkeiten sind noch von Berufswegen auf die Polizei zurückzuführen, wenn auch nicht zu entschuldigen. All das darf man nicht persönlich nehmen. Die Schikane im Vorfeld des Gedenkturnier müssen wir persönlich nehmen. Wir fordern daher eine Antwort der Stadt und Polizei Mellrichstadt auf folgende Fragen:

★ welche Fakten (Turnierort…) zum Turnier lagen vor – und woher?
★ welche Informationen (Drittortveranstaltung, Rechtsradikale…) wurden von Polizei an die Stadt Mellrichstadt übermittelt und aufgrund welcher Indizien?
★ welche personenbezogene Daten (Stadionverbot, Vorstrafen…) wurden von der Polizei an die Stadt & weitere Kommunen/Vereine übermittelt und aufgrund welcher Grundlage?
★ wurden am Turnierwochenende Sanierungsarbeiten am Kunststoffbelag des Mellrichstädter Sportplatzes durchgeführt?
★ was sind die Ziele der „Ultras Nürnberg 1994 Sez. Unterfranken“, mit denen sich die Stadt Mellrichstadt nicht identifizieren kann?
★ wurde in der Woche vor dem Turnier seitens der örtlichen Polizei Unterstützung beim USK angefordert und wie reagierten die Nürnberger SKBs auf die Bedenken der örtlichen Polizei?

Dass Adi zu Lebzeiten ein schwieriges Verhältnis zu einem Mellrichstädter Polizisten, der Wolf im „Lamm-Pelz“ sozusagen, hatte, ist bekannt. Ob die Schikanen im Vorfeld des Gedächtnisturniers von ihm losgetreten wurden, ist natürlich nur Spekulation. Solange keine Aufklärung seitens der Polizei betrieben wird, kann jedoch nur das „fromme Lämmchen“ als Verantwortlicher und Sündenbock erhalten. Das klingt nicht fair, die Thematik ist für alle Betroffene jedoch zu emotional und zu viele Fragen sind unbeantwortet, als dass man sie ohne Antworten oder Entschuldigung differenziert betrachten könnte.

Juni 2015:

Trotzdem galt es weiterhin (noch) keinen Nebenkriegsschauplatz zu eröffnen. Wir zogen einmal mehr weiter ins „Nirgendwo“ und in den Zuständigkeitsbereich einer anderen PI. Ausgerechnet am Todestag brachten es die Bullen dann fertig, auch noch bei den Eltern anzurufen (das erste Mal, dass sie sich überhaupt den direkten Kontakt suchen – alleine das sagt schon alles). Wahrscheinlich bekamen sie etwas Panik, dass das Turnier doch irgendwo stattfinden könne – ohne dass sie davon Wind bekommen würden. Also wurde versucht, die Eltern etwas einzulullen, man könne „sich doch einigen“ – die übliche Masche, wenn die Polizei an Informationen kommen will. Verständlicherweise hatten die Eltern an diesem Tag aber keinen Nerv, sich mit der Polizei zu unterhalten und so wurden wieder sämtliche Quellen angezapft, um an Informationen zu gelangen. Die Rechtsgrundlagen seien mal dahingestellt.

In der Woche vor dem Turnier wurde schließlich bei den Nürnberger SKBs sowie beim FCN angerufen und sich um Hilfe erbeten. Warum sie letztendlich keine bekommen haben, dürfte ein Indiz dafür sein, dass deren Handeln der Nürnberger Polizei etwas peinlich gewesen sein könnte. Schließlich ging es um ein Gedenkturnier. Ein letzter Anruf erfolgte noch von der PI Bad Neustadt. Diese wollte sich aber nur vergewissern, ob es sich um eine „private Feier“ handle und gab sich mit einer Bestätigung auch zufrieden. Das erhärtet unseren Verdacht, dass es persönliche Motive seitens der PI Mellrichstadt waren, die die Sache ins Rollen brachten. Was anderes, als eine Privatfeier, wurde unsererseits auch nie behauptet, hätte uns in einem anderen Fall aber auch nicht vor unlösbare Hürden gestellt bzw. wäre Anlass für ein Verbot geworden.

20. Juni 2015 – Tag des Gedächtnisturniers

Die Örtlichkeit war alles andere als ideal, der Platz ein Acker und für den gesamten Tag war Regen gemeldet. Aber darum ging es ja nicht – für uns zählte nur, dass wir da waren. Und viele Freunde waren gekommen. Sehr viele. Schnell bestätigte sich wieder einmal, dass unsere Bewegung eine wertvolle ist. Wer in diesem Moment anwesend war, der konnte sich nicht wirklich vorstellen, was für Gründe es gegeben haben könnte, diese Veranstaltung verhindern zu wollen. Es dauerte dann auch nicht lange, da kreuzten zwei Herren in Uniform auf, denen es sichtlich unangenehm war, „ihrer Pflicht nachzugehen“ – wer auch immer sie dazu aufgefordert hatte. Auch sie hatten wohl schnell den Eindruck gewonnen, dass hier eigentlich alles cool ist. Wohin die Frage zielte, dass ja „ganz schön viele Leute für eine Privatfeier“ da sind, kann man sich allerdings denken. Erbärmlich, dass man bei diesem Gedenkturnier an irgendwelche Regularien denkt – man hätte auch einfach menschlich reagieren und feststellen können: „Respekt, dass so viele auf eine Gedenkveranstaltung gekommen sind, um nicht nur zu sagen Ruhe in Frieden, sondern um tatsächlich zusammenstehen und den Eltern kraft zu geben.“ Aber das liegt scheinbar außerhalb ihrer Vorstellungskraft und so gab es fast stündlich weitere Kontrollbesuche – wie blöd musste man sich dabei nur vorkommen und wahrscheinlich sollen wir auch noch dankbar sein, dass sie die Veranstaltung nicht aufgelöst haben. Auch wenn es etwas die Laune trübte, wurde die Schmier Gott sei Dank gekonnt ignoriert und ein wunderschönes Turnier – trotz des traurigen Anlasses – bei gutem Wetter (Danke, Adi!) verbracht. Getreu dem Motto der Gedenkchoreographie: „Und wenn du dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben. Du wirst immer mein Freund sein. Du wirst dich daran erinnern, wie gerne du mit mir gelacht hast.“

Als kurz nach 23 Uhr Mike sein Abschiedslied von Adi sang und dutzende Fackeln das Gelände erhellten, war dies wohl einer der – von der Polizei im Vorfeld in ihrer grenzenlosen Ahnungslosigkeit befürchteten – Momente, der ihnen in der Regel Anlass für absurde Maßnahmen gibt und in dem sie wahrscheinlich auch jetzt wieder einen lächerlichen Rechtfertigungsgrund sehen „Sowas dürfe von Rechtswegen schließlich nicht sein und müsse verhindert werden“, sind deren einfachen Gedanken dabei – wenn es nur ihre einzige Sorge war…

Wir haben es trotzdem getan. Und ohne zu übertreiben, dürfte es für alle Anwesenden wohl einer der emotionalsten und wertvollsten Momente ihres Lebens gewesen sein. In diesem Moment waren wir Adi und allen anderen, denen jeder persönlich in diesem Moment gedacht hatte, wieder so nahe wie zu Lebzeiten. Es tut uns für die Gesetzeshüter wirklich leid, dass sie in dieser Aktion lediglich den Akt des Ungehorsams sehen und nicht die positive Kraft, die Menschen in solchen Momenten der Trauer gebrauchen können.

„Könnt ihr erahnen, wie viel dieser Moment und das gesamte Turnier für uns als Menschen wert war? Wir wünschten, ihr würdet es irgendwann verstehen, aber es liegen Welten zwischen den unsrigen.“

Aber wahrscheinlich wollten sie genau diese Kraft verhindern, die unsere Gemeinschaft nun noch näher zusammen rücken ließ. Durch die vielen Steine, die sie uns in den Weg gelegt und die wir wieder beiseite geräumt haben, haben sie jedoch nur das Gegenteil bewirkt und darüber hinaus ganz offen ihre hässliche Fratze gezeigt. Sie haben uns gezeigt, wie begrenzt und negativ ihre Denkmuster sind. Sie drehen sich nur um das Negative, ihre Gedanken drehen sich darum, was alles verboten ist/werden muss und was alles passieren könnte. Sie vermuten stets das Schlechte(ste), leben gefangen in Worst-Case-Szenarien. Sie können einem wirklich leid tun. Wir sind frei!

Am 20. Juni 2015 gab es viele Tränen. Nicht nur wegen der Trauer, sondern auch vor Stolz. Stolz Teil dieser Gemeinschaft sein zu dürfen. Trotz aller Widrigkeiten wie sie uns zuvor in den Weg gelegt wurden. Als würden uns die Agitatoren um jeden Preis von unserem Weg abbringen wollen. Vielleicht sogar aus Missgunst & Angst vor unserer Gemeinschaft. Und so mischten sich unter diese Tränen auch zwei, drei Tränen der Enttäuschung und Wut. Im besten Gewissen daran, dass niemand anders handeln würde, der einmal die Kraft dieser Gemeinschaft erlebt hat. Diese werden wir um jeden Preis verteidigen und erhalten. Sie ist nahezu einmalig.

Wir glauben, dass wir als Ultras erneut & deutlich gezeigt haben, dass wir ein wertvoller Teil unserer Gesellschaft sind. Die Veranstaltung ist beispiellos positiv verlaufen – in jeder Hinsicht. Für uns ist das keine Überraschung. Wo findet man in unserer Gesellschaft – gerade unter Jugendlichen – noch so ein Auseinandersetzen mit Tod, Trauer & Erinnerung? Sollten wir als Gesellschaft nicht froh sein, dass solche Werte und ein solches Engagement überhaupt noch stattfinden? Ob es jedoch zu einem Umdenken bei den verschiedenen Institutionen führen wird, bleibt fraglich. Zu uneinsichtig zeigten sie sich in der Vergangenheit, wir sind dennoch gespannt auf ihre Reaktionen. Eine ernstgemeinte Entschuldigung bei den Eltern wäre sicherlich das Mindeste, wahrscheinlich wird man sich aber mal wieder in irgendwelche Rechtfertigungen und weitere Lügen-Behauptungen flüchten – wie immer bei der Polizei. Keine Einsicht und mieses Verhalten, das werden wir später noch öfters erleben. Bevor sie es also noch schlimmer machen, wäre es vielleicht doch besser, sie würden diese Sache schweigend aussitzen. Das wäre wenigstens ein Zeichen von Scham.

… und irgendwann – so ist es natürlich unser Wunsch – wollen wir das Turnier in Mellrichstadt stattfinden lassen – aber ganz sicher nicht unter diesem Bürgermeister, dem der Mut gefehlt hat, richtig zu handeln. Möge ihn sein Gewissen einholen.

Zum Schluss wollen wir dem Vermieter unserer letzten Location für sein Vertrauen bedanken, ebenso geht ein Danke an alle Freunde, die diesen Tag unvergesslich machten und mit Sicherheit auch einige Erfahrungen teilen sowie mitnehmen konnten. Wir hoffen, dass uns dieses Turnier weiter geprägt hat und diese auch in Zukunft tun wird. Danke an die Rocker & Anglern, Commando Noris, RSF Adelsdorf, Banda di Amici, Ultras Nürnberg, Ultras Rapid, Lords Rapid, Ultras Gelsenkrichen, I Block Schalke, Ultras Göteborg, Curva Nord Brescia und den Monsters Larissa.

Ein besonderes Dankeschön geht an dieser Stelle auch noch einmal an die Eltern, Verwandten und deren Freunde, die nicht nur zu Lebzeiten hinter Adi und seiner Sache standen, sondern auch heute noch. Auch sie haben uns darin bestärkt, dass unser Weg ein guter und richtiger ist. Gäbe es mehr von euch, unsere Gesellschaft wäre ein ganzes Stück besser! Danke, Zana, danke, Wolfgang!

Ultras – Stile di Vita

Nachtrag vom 29.6.:
Für den Fall, dass man uns vorwerfen will, wir hätten nicht von Anfang an mit offenen Karten gespielt, folgt anbei ein Auszug aus unserer Anfrage zur Anmietung der Örtlichkeiten in Mellrichstadt aus dem Januar 2015 (Betr.: Privates Fußballturnier auf dem städtischen Sportplatz und Mieten des Säulensaals am 20.06.2015).

„Sehr geehrter Herr Streit,

wir haben am 20.06.2015 den Säulensaal in Mellrichstadt gemietet, um dort eine private Gedenkfeier zu veranstalten. Dazu wollen wir gerne ein Kleinfeld-Gedenk-Fußballturnier auf dem städtischen Sportplatz für einen verstorbenen Freund durchführen, bei dem ca. 8 – 10 Mannschaften teilnehmen würden. Hiermit bitte ich Sie um Ihr Einverständnis, um dieses durchführen zu können. Ich würde mich über eine positive Antwort sehr freuen.
Bei evtl. Rückfragen steht Ihnen auch Herr …. zur Verfügung. […]“

Das positive Antwort-Schreiben wurde ja bereits im Text integriert und wir fragen uns: Wenn jemand „etwas im Schilde führt“, meldet er seine Veranstaltung dann so ordnungsgemäß & transparent inkl. Verantwortlicher an? Und was musste die Stadt nach dieser Anfrage erwarten? Eine Drittortveranstaltung, Randale und rechten Terror, wie es ihr von der PI Mellrichstadt eingeredet wurde? Wenn man das glaubt(e), dann kann man nachvollziehen, wenn behauptet wird, wir hätten nicht mit „offenen Karten“ gespielt. Nur leider ist das eine unverschämte Unterstellung, ohne dass es dafür Anhaltspunkte gab.

Nachtrag vom 02.7.:
Wie zu erwarten war, rechtfertigen sich nun die Behörden, dass wir sie über „Anzahl, Ablauf und Teilnehmermix“ getäuscht hätten (siehe dazu Gedenk-Fußball verboten: Trauernde Fans oder Krawalltrupp? ). Dass diese Bedenken nun im Nachhinein konstruiert wurden, ist offensichtlich, wurden sie im Vorfeld doch niemals erwähnt oder gar hinterfragt – sondern die oben genannten Gründe ins Feld geführt.

Und was wäre denn passiert, wenn wir aus einer privaten eine öffentliche Feier hätten machen müssen? Die Auflagen konnten wir bereits bei vergangenen Feiern erfüllen und das hätten wir auch dieses mal gekonnt. Ein Verbot hätten wir auch niemals vermutet – egal bei welcher Teilnehmerzahl, für eine Täuschung gab es also keinen Grund und es gibt auch keine Anhaltspunkte, dass dies von uns im Januar bewusst fälschlich kommuniziert wurde! Es wurde von unserer Seite auch nie von einer „kleinen Gedenkfeier“ oder einer Teilnehmerzahl von „100-150 Leuten“ gesprochen.

Interessant wäre noch, ob Stadt und Polizei in dieser Frage genauso reagiert hätten, wenn es bei einem Polterabend, die mit Sicherheit in den meisten Fällen auch als private Feier genehmigt werden, mehr Leute als ursprünglich werden sollten. Das jetzige Verhalten zeigt wiederum nur, was zu beweisen war und über die damals wirklichen und haarsträubenden Bedenken (siehe oben im Text), äußert sich nun komischerweiser niemand dieser Herren. Warum nur? Genauso wenig, wie sich Herr Streit wohl nicht mehr erinnern mag, dass er sich noch selbst bei den Eltern für die Absage entschuldigte, weil die Polizei dringend davon abriet. Wieso hat er die Absage denn nicht schon damals mit der vermeintlichen Täuschung erklärt? Das wäre für alle Beteiligten doch viel nachvollziehbarer geworden und hätte vielleicht sogar noch aus der Welt geschafft werden können. So erweckt es den Eindruck, dass dieser Vorwurf erst im Nachhinein konstruiert wurde, um besser dazu stehen, nachdem sich alle vorherigen Prophezeiungen und Warnungen der Polizei als unwahr und lächerlich herausgestellt haben. Offensichtlich sollen die Leute für blöd verkauft werden? Doch den Mist könnt ihr vielleicht der Main Post erzählen, aber ins Gesicht würdet ihr es uns nicht sagen können ohne vor Scham im Boden zu versinken!