Alles aus Strategie – Bild, schleich dich!

Wenn sich die Bild-Zeitung für Flüchtlinge einsetzt, dann ist das in etwa so als würde Heckler & Koch für Pazifismus werben. Oder Heidi Klum für ausgewogene Ernährung. Könnte man meinen. Doch langsam wandelt sich die Stimmung im Land zum Positiven. Flüchtlinge sind überwiegend willkommen. Selbst Bundesmutti Angie stellt sich – endlich – ihrer Verantwortung und positioniert sich pro Asyl. Da muss auch die BILD nachziehen – sonst droht sie Kunden zu verlieren.

Noch vor nicht allzu langer Zeit sah das bei BILD anders aus: Die Zeitung hetzte gegen „Dauer-kriminelle Ausländer“ oder belegte derartige Aussagen mit kruden Statistiken. Dann der plötzliche Wandel: Vereinzelt stellte sich das Pleitegriechen-Blatt auf die Seite der Vertriebenen – ließ es sich jedoch zeitgleich nicht nehmen rassistische Meinungsmache zu betreiben. Zumindest ein bisschen. Denn das schadet Auflage und Klickzahlen nie.

Folgt nun aber die Wende zum Guten? Die Aktion „Wir helfen“ der BILD lässt das vermuten. Lediglich will die Initiative so rein gar nicht zur sonstigen Stimmung des Blattes passen. Wir vermuten die Aktion hat Kalkül: BILD als wohltätig positionieren. Das alles auf dem Rücken derer, gegen die sonst massiv Stimmung gemacht wurde.

Am Wochenende verzichtet nun DFL-Sponsor Hermes zu Gunsten der Aktion auf sein Logo auf dem Trikotärmel. Sämtliche 36 Clubs der 1. und 2. Liga laufen mit Logos der BILD auf. Als bislang einziger Verein hat der FC St. Pauli angekündigt sich nicht an der Aktion zu beteiligen. Darauf reagierte BILD-Chef Kai Diekmann gewohnt dünnhäutig.

Diekmann

Eine gefährliche Tatsachenverschiebung: Jenes Medienunternehmen, das über Jahrzehnte rassistische Hetze betrieb, dessen Schlagzeilen Mitschuld tragen an der pogromartigen Atmosphäre rund um Asyl-Unterkünfte in Deutschland, inszeniert sich als friedenstiftende Instanz. Jener Fußballverein, der – trotz aller Rivalität – wie kein zweiter gegen Fremdenfeindlichkeit eintritt, steht öffentlich in Misskredit. Einfach widerwärtig.

Daher schließt sich das Ya Basta! dem Bündnis aktiver Clubmitglieder an. Wir fordern die Verantwortlichen des 1.FC Nürnberg dazu auf Courage zu zeigen und an der Aktion „Wir helfen“ nicht teilzunehmen. Die BILD steht für Rassismus, Stammtisch-Rhetorik und unseriösen Journalismus. Erst in den vergangenen Wochen ist der 1.FCN „Recherchen“ des Mediums zum Opfer gefallen. Zeigt eure Solidarität mit Flüchtlingen, aber zeigt sie nicht mit Springer! Ladet wieder Flüchtlinge zu unseren Spielen ein, engagiert euch mit euren Fans rund um die Notunterkünfte. Aber bitte: Fürchtet keine schlechte Presse. Denn schlechte Presse aus dem Hause Springer ist gute Presse!

„Wenn wir vom Feind bekämpft werden, dann ist das gut; denn es ist ein Beweis, daß wir zwischen uns und dem Feind einen klaren Trennungsstrich gezogen haben.“