Die Abgas-Affäre und Red Bull

Gedanken zum Gastspiel des 1.FCN in Leipzig

Volkswagen und der Abgas-Skandal beschäftigen die Republik. Seit zwei Wochen bestimmt das Thema die Schlagzeilen. Dabei geht es nicht nur um ein paar Autos. Längst ist VW mehr als das: eine volkswirtschaftliche Größe. Das betrifft auch den Fußball.

„Die strategische Bedeutung des VfL für Volkswagen ist von Zuwendungen unabhängig“, erklärt Klaus Allofs, Manager beim VfL Wolfsburg, in der aktuellen ZEIT. Damit könnte er Recht haben. Der Konzern lässt sich seinen „Werksverein“ jährlich circa 60 Millionen Euro kosten. Viel Geld, möchte man meinen. Der Kostenstelle steht jedoch einem Umsatz von rund 200 Milliarden gegenüber. Die Auszahlungen an den VfL sind für Volkswagen vergleichsweise Peanuts.

Dennoch: Die Abgas-Affäre betrifft auch den VfL. Genauso wie den FC Ingolstadt, Schoßhund der Konzernschwester Audi. Noch ist davon freilich nicht die Rede. Die Clubs zählen, vor allem im Falle des VfL, zu den wichtigsten Marketing-Tools des Konzerns. Mehr noch: Im tristen Wolfsburg ist ein Champions League-Teilnehmer sogar Standortfaktor, um für Arbeitskräfte attraktiv zu sein. Schon jetzt zieht die VW-Krise allerdings Kreise, die weit über manipulierte Autos hinausgehen. In Wolfsburg und Braunschweig verhängten die Rathäuser Haushaltssperren aufgrund befürchteter Mindereinnahmen. Ebenso in Ingolstadt. Das tatsächliche Ausmaß der Abgas-Affäre scheint noch nicht absehbar.

Was aber, sollte es bei VW die ersten Entlassungen geben? – Mag sein, dass es für Klaus Allofs „populistisches Gerede“ ist; doch die Frage nach sozialer Gerechtigkeit wird aufkommen, wenn einerseits Werksarbeiter gekündigt werden und andererseits Manager und Fußballprofis horrende Gehälter kassieren. Und diese „Sozialneiddebatte“, wie sie Allofs abschätzig tituliert, wird berechtigt sein.

Natürlich hat der VfL Wolfsburg erst kürzlich Kevin de Bruyne für 75 Millionen an Manchester City transferiert. 20 Monate zuvor hatten sich die Wölfe das junge Talent allerdings immerhin 22 Millionen Euro Ablöse kosten lassen. – Wären derartige Summen vor VW-Angestellten (Winterkorn-Wording: „Mannschaft“) zu rechtfertigen, die um ihre Arbeitsplätze kämpfen? Könnte man es der Öffentlichkeit als wettbewerbliche Notwendigkeit verkaufen? Die Antwort: Nein, so etwas ließe sich nicht rechtfertigen. Ein Fußballverein als Marketinginstrument eines Unternehmens ist nur solange verwertbar, wie es dem Mutter-Unternehmen gut geht.

Auch im Falle von Red Bull Leipzig.

Aktuell prosperiert das Unternehmen aus Fuschl am See sicherlich. Aber was, wenn es einmal anders ist? Noch profitiert die Stadt Leipzig von ihrem hippen Zweiliga-Club. Doch wer hätte vor einem Monat gedacht, dass ein Global Player wie VW derart ins Straucheln geraten könnte? Was wenn es dem Getränkevermarkter eines Tages ähnlich ergeht?

Das Dilemma ist, dass Clubs wie RB Leipzig nur aus unabdingbarer Abhängigkeit zu einem Geldgeber existieren. Genauso wie Wolfsburg und Ingolstadt; ähnlich wie Hoffenheim und auch Bayer Leverkusen. Geht es dem Gönner schlecht, wird es schwer sein den Erfolg des Bundesliga-Ablegers aufrecht zu halten – unabhängig des aktuellen Kaders. So viel steht fest.

Die Anhänger des Konzepts RB behaupten von sich selbst nur allzu gerne, „das Fußballgeschäft“ durchschaut zu haben. In Web-Postings ergötzen sie sich über den Triumph ihrer Herren-Clubs über die krankenden, altbackenen „Traditionsvereine“. – Der Fall VW könnte, bei weiterer Zuspitzung, die Spötter zum Schweigen bringen.

Hoffen wir das Schlechteste. Wir sehen uns Sonntag im Block.