Der Rücksturz ins „präsidiale System“

… ist sozusagen die Maximalforderung der „Romantiker“ und „Wirtschaftlichkeits-Verweigerer“.

Im Ernst – am kommenden Donnerstag steht die Jahreshauptversammlung des 1. FC Nürnberg an. Wie jedes Jahr werden drei Aufsichtsräte neu gewählt. Das System von drei neu zu wählenden Aufsichtsräten (drei von neun) war gut gemeint, hat sich aber in der Praxis nicht bewährt. Namhafte Kandidaten (welche mit ihren Kontakten die wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Verein eventuell verbessern könnten) scheuen die Wahl – und das ist nicht despektierlich gegenüber den bisherigen und aktuellen Kandidaten gemeint. Außerdem muss sich das Gremium hinsichtlich seiner Vertrautheit und Konstanz immer neuen Voraussetzungen stellen (für den Fall, dass die alten Aufsichtsräte nicht mehr kandidieren oder nicht mehr gewählt werden). Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Grethlein hat das im Interview mit unserem Fanzine treffend beschrieben (Ausgabe 45 – Dezember 2015). In diesem Interview spricht er darüber hinaus vom Bestand der „50 plus 1“-Regel, einer offenen Diskussion bezüglich einer Ausgliederung und betont explizit, wie man die Situation hinsichtlich der Zusammensetzung des Aufsichtsrats positiv verändern könnte. Seine Ausführungen zur Findung des Gremiums skizzieren gegenüber einer Ausgliederung der Profiabteilung die beste Alternative, welche nicht gleich das ganze Haus „FCN“ auf den Kopf stellt. Einen Teil des Interviews haben wir hier verlinkt. Herr Grethlein spricht explizit an, dass der Aufsichtsrat die bestehende Satzung entsprechend überarbeiten möchte – und zwar 2016. Für die JHV am Donnerstag ist nach unserem Wissen kein entsprechender Antrag eingegangen. Mitglieder unserer Redaktion waren selbst Teil der letzten Satzungskommission. So eine Neugestaltung ist kein Hexenwerk und braucht auch nicht Monate der Vorbereitung. Es bleibt nur der Rückschluss, dass man den „e.V.“ schon aufgegeben hat. Von einer, ebenfalls auf der letztjährigen Jahreshauptversammlung angesprochenen, „ergebnisoffenen“ Diskussion über die Rechtsform kann keine Rede mehr sein. Man möchte eine Ausgliederung der Profiabteilung hin zu einer Kapitalgesellschaft haben – in kleineren Kreisen wurde das auch schon mehrfach offen zugegeben.

Wir sind davon überzeugt, dass Nürnberg einen anderen Weg gehen sollte. Und wir sind sogar guter Hoffnung, dass dieser Weg nicht nur die Identität fördert bzw. sichert, sondern mittelfristig sogar sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg bringen kann. Eine mehr argumentatorische Auseinandersetzung mit dem Thema kommt bestimmt in allen Medien nach der JHV am Donnerstag. Klar muss allen Mitgliedern aber sein, dass man jetzt nicht mehr von „ergebnisoffen“ sprechen kann! Es geht auch nicht darum, die Beiträge der Mitglieder neu zu organisieren – auf der in der Presse schon erwähnten außerordentlichen Mitgliederversammlung, die dann irgendwann vom Verein einberufen werden soll. Es geht schlichtweg darum, ob der 1.FC Nürnberg noch der Verein bleiben soll, der uns immer wieder in den Wahnsinn treibt, den wir aber auch (deswegen) unbändig lieben?

Ein paar Fragen stellen sich da noch on top: Warum brauchen wir dafür eigentlich eine oder mehrere außerordentliche Mitgliederversammlungen? Wie vermutet, scheint der Verein also finanziell gar nicht so klamm aufgestellt zu sein – so eine Versammlung kostet mindestens geschätzte 30.000 Euro. Und erinnern wir uns noch kurz an die JHV vom letzten Jahr. Das Vereinsgelände wurde als Bürgschaft freigegeben. Dieser Schritt fiel vielen Mitgliedern sehr schwer. Das Vereinsgelände war viele Jahre das unantastbare „Tafelsilber“ des Vereins. Versprochen wurde den Mitgliedern, dass die Konsolidierung damit zumindest eine wesentliche Hürde genommen hat. Man wollte in „Steine – nicht in Beine“ investieren und die Anleihe ablösen. Letzteres ist passiert – „neue Steine“ (Sanierung Turnhalle, Sanierung Parkplatz, Traglufthalle, Amas Stadion) hat man am Valznerweiher nicht gesichtet! Hier herrscht Erklärungsbedarf. Ebenso kann man allen Aufsichtsratskandidaten für Donnerstag nur ans Herz legen, dass sie sich eindeutig in der „Ausgliederungsfrage“ positionieren. In alter Tradition haben Sie für die Vorstellung bestimmt wieder drei Minuten Zeit.

YaBasta! Redaktion – Oktober 2016!
für manche Leute auch die „Wirtschaftlichkeits-Verweigerer“ oder „Die Ultras von dem Blog“ (dann aber bitte ohne Ausrufezeichen).


Rücksturz ins „präsidiale System“ – zurück zum Erfolg.
Die Pokale waren größer als die Präsidenten.


Nein – zur Ausgliederung und ihren Vorboten!