Medialer Seegang nach St. Pauli

Der Ausflug nach Hamburg war in vielerlei Hinsicht ein Erlebnis – und einmal mehr schlagen auch im Nachgang die sprichwörtlichen Wellen hoch:

Über den „angespuckten“ Balljungen wird in den Boulevard-Medien groß und breit berichtet. Sogar der neue „Sonnenkönig“ – alias Vorstand Meeske – musste/wollte sich persönlich zum „Spuck-Gate“ äußern. Leider machen auch die Nürnberger Nachrichten in diesen Zusammenhängen schon seit einiger Zeit keine gute Figur mehr. Getreu dem Motto „Skandal macht Quote“ werden Ereignisse regelmässig zum Skandal aufgeblasen. Man muss als Nürnberger Auswärtsfahrer ja fast schon froh sein, dass die meisten Wächter von Sitte und Moral wenigstens einen rechtsradikalen Hintergrund (beinahe) ausgeschlossen haben. Wir wollen das hier nicht beschönigen oder rechtfertigen (auch nicht den Übergriff seitens der Pauli-Fans auf den Polizei-Beamten – na ja, vielleicht …), aber in der Summe stimmt die Balance nicht mehr – auch innerhalb des Berichts der Nürnberger Nachrichten (siehe Link von „Spuck-Gate“).

Auf der anderen Seite ist es den Medien nämlich kaum eine Zeile wert, dass die Glubberer mittels ihrer Becherpfand-Spende einen neuen Rekord am Millerntor aufgestellt haben. Die Clubfans Norddeutschland unterstützten einmal mehr das Netzwerk „Viva con Agua“ – hier geht es um die globale Förderung eines menschenwürdigen Zugangs zu sauberen Trinkwasser. Der eigene Rekord aus dem Vorjahr wurde dieses Jahr mit 634 Bechern eindrucksvoll überboten. Im Block wurde mehrfach seitens der Vorsänger auf die Aktion aufmerksam gemacht und die Nordkurve brachte viele der Pfandbecher zur Sammelstelle von „Viva con Agua“. Zusätzlich gab es am Tag vor dem Spiel eine Spendenaktion – zu gleichen Gunsten – bei der Lesung von Benjamin Wolf aus seiner „1.FC Nürnberg -Fußballfibel“. Die Lesung fand in Hamburg vor 55 Leuten statt. Im Vorfeld haben sich die Clubfans Norddeutschland mit dem 1.FC Nürnberg darüber geeinigt, dass der diesjährige Erlös geteilt wird. Neben „Viva con Agua“ wurde nun die Aktion „Clubfans helfen Max – Max hilft Kindern in Simbabwe“ mit 500 Euro gefördert. Hinter „Clubfans helfen Max“ steckt Max Weeger, der sich seit Jahren für Kinder in Simbabwe engagiert. Unterstützt wird er dabei von der Fanbetreuung, die auf ihren Reisen zu den Veranstaltung der Club-Fans (immer) die Sammeldose kreisen läßt. Alles also bestens – und so ist es auch!

Das Haar in der Suppe – neben der medialen Ignoranz gegenüber der Aktion – wollen wir trotzdem nicht unerwähnt lassen. Die Clubfans Norddeutschland waren mit der Kommunikation bzw. der Ankündigung seitens des Vereins sehr zufrieden. Warum die Geschichte in der Nachbetrachtung auf der Homepage (immerhin wurde sie hier prominent erwähnt) allerdings unter dem Logo von „Nürnberg gewinnt“ läuft, bleibt dem Fanclub rätselhaft bzw. wurde dies zu keinem Zeitpunkt in der Kommunikation erwähnt. Keiner hat ernsthaft was gegen das neue FCN-CSR-Flagschiff „Nürnberg gewinnt“ (Kurzform – der Verein stellt sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung), aber das hat schon einen Beigeschmack. Reicht es aus, wenn man so eine Aktion prominent ankündigt? Oder ist es die Tatsache, dass sich die Clubfans Norddeutschland auf die Teilung vom Erlös geeinigt haben? Das hätte man mit ihnen aber in jeden Fall absprechen müssen. Die Lorbeeren gehen ganz klar an die Clubfans Norddeutschland – und an die Spender aus der Nordkurve.

Am Spieltag wurde seitens St. Pauli und der Millerntor Gallery übrigens ein schöner Kunstdruck (Kunst darf immer alles – wir sind Kunst!) verkauft – der kleinen Rotzgöre begegnen wir mit einem ordentlichen „Wir sind Glubberer“!