Die Luft wird dünner

Es ist bekannt, dass das Verhältnis zwischen Ultras Nürnberg und dem Verein derzeit auf einem Nullpunkt ist. Ultras Nürnberg hat seit November jeglichen Kontakt abgebrochen, weil man der Meinung ist, dass etwas Abstand beiden Seiten gut tun würde und dies besser als ein direkter Konfrontationskurs sei.

Daraus resultierte natürlich auch eine gewisse Einschränkung, was die Durchführung von Choreographien bei Heimspielen anbelangte. Große Blockfahnen oder Tausende von Zetteln lassen sich nun mal nicht einfach so mit ins Stadion nehmen. Diese benötigten in der Vergangenheit eine Anmeldung bzw. Genehmigung seitens des Vereins und selbst die Inhalte mussten bekannt gegeben werden. Ultras Nürnberg beschränkte sich seitdem auf Choreographien, die ohne Bürokratie, Abhängigkeit von Vereinsoffiziellen oder gar den viel zitierten sogenannten „Privilegien“ durchgeführt werden können.

Schaut man sich die vergangenen Aktionen an, dann muss man feststellen, dass diese Freiheit in keiner Weise missbraucht wurde. Weder die verwendeten Materialien noch die Inhalte waren zu beanstanden. Im Gegenteil: Die gezeigten Choreographien waren – trotz der genannten Einschränkungen – eine der wenigen positiven Erscheinungen im Max-Morlock-Stadion in der bisherigen Rückrunde. Schaut euch doch mal um, was in diesem Stadion von der „Faszination 1. FC Nürnberg“ noch geblieben ist!

Welchen Grund könnte es für einen Verein geben, sich nun daran zu stören, außer Machtspielchen?    

Denn schon bei der letzten Choreographie gegen Braunschweig wurden wir von der Sicherheitsabteilung belehrt, dass das große Banner angemeldet hätte werden müssen. Gegen Bochum wurde schließlich genauer hingeschaut und (nicht relevante) Teile der Choreo am Eingang verboten. Trotzdem hätte die Aktion durchgeführt werden können, wenn man nicht daran gehindert worden wäre, das Vereinslogo auf einem Banner vom Oberrang in den Unterrang zu spannen. Die Ordner im Oberrang hatten die „klare Anweisung“. Natürlich hätte man diese ignorieren und die Choreographie durchführen können, man wollte die Situation aber nicht eskalieren lassen. Es war uns die Sache dann einfach nicht wert und wir hatten es bereits gesagt:

„WIR BRAUCHEN DAS ALLES NICHT!“

Trotzdem haben wir uns in den letzten Wochen ungeachtet der erschwerten Bedingungen immer wieder aufgerafft, weil es unsere Bewegung ausmacht und weil wir natürlich auch eine gewisse Verantwortung gegenüber unserer Kurve und dem großen Namen 1. FC Nürnberg haben, um dem positiven Ruf der Nürnberger Choreographien weiterhin zu erhalten.

Diese Verantwortung trieb uns schließlich sogar dazu, zähneknirschend eine Anmeldung für das Derby direkt bei den Verantwortlichen der Westvorstadt vorzunehmen, welche jedoch nicht sofort bearbeitet wurde. Man wollte sich erst mit den Kollegen aus Nürnberg unterhalten, hieß es etwas überraschend. Kurz darauf wurde uns mitgeteilt, dass man darauf besteht, dass die Choreographie in Nürnberg angemeldet werden muss, bevor man alles weitere bespricht – das wäre ein standardisierter Ablauf.

Im Klartext: Wir sollten eine Choreographie, die wir der Fürther Fanbetreuung bereits offen gelegt hatten, nachträglich (nochmal!) in Nürnberg anmelden, damit diese sie (nochmal?) nach Fürth weiterleitet, denn nur dann dürfe/könne/wolle man in Fürth über eine Genehmigung entscheiden. Ob der Passierschein A38 auch noch verlangt worden wäre, wissen wir nicht, denn wir haben uns an dieser Stelle ausgeklinkt. Uns erschloss sich der Sinn dahinter nicht, außer Machtspielchen, denn die Nürnberger Fan- und Sicherheitsabteilung hätte sich sicher keinen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn man über diesen „Formfehler“ hinweg gesehen hätte. Da kann man sich über die Presse noch so rechtfertigen und den schwarzen Peter schon mal weiterschieben. Wir werden dieses Mal aber nicht mit Empörung reagieren, wie sie es erwarten und erhoffen. Dann ist das eben so. Auch dieses Mal ist es uns die Sache einfach nicht wert.

Wir brauchen das alles nicht und wir fühlen uns darin bestätigt, weiterhin auf Abstand zu bleiben. Die Signale, die wir erhalten haben (einige weitere sind noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt), waren eindeutig und geben Anlass unsere gute Miene zum bösen Spiel zu überdenken. Denn wofür das Ganze? Für einen Verein, der durch seine derzeit handelnden Personen, so schlecht dasteht wie nie zuvor? Hört sich übertrieben an, aber schauen wir uns die Fakten an:

- Der 1. FC Nürnberg steht mit 29 Punkten nach dem 22. Spieltag in der 2. Liga auf Platz 9. Das ist die schlechteste Platzierung zu diesem Zeitpunkt der Saison seit der Regionalliga 1996/1997.

- Das Verhältnis innerhalb der Glubbfamilie (sowohl in der Kurve, als auch am Valznerweiher selbst) ist so schlecht wie nie. Meeske und Herrmann haben einen großen Anteil daran, dass das vorher noch nie so dagewesene Gemeinschaftsgefühl „Ich bereue diese Liebe nicht“ innerhalb von nur 2 Jahren komplett verloren ging und man sich voneinander entfernt. In einigen Themenfeldern treiben sie die Spaltung sogar bewusst voran.  

- Nicht unerwähnt darf bleiben, dass auch die Beschwerden der Gästefans über unwürdige Maßnahmen wie Ganzkörperkontrollen (zuletzt beim Heimspiel gegen Bochum) zunehmen. Auch dies ist kein Zufall!

- In sportlicher Hinsicht gibt es keinerlei Konzept, keinerlei Perspektive, außer das billige (Wahl-) Versprechen, dass nach einer Ausgliederung „vieles besser/einfacher“ werden würde.

- und wenn man nach den Gründen für die derzeitige Misere fragt, dann bekommt man immer noch zu hören, dass die „Vorgänger-Regierung“ ein Chaos hinterlassen hat und die Bedingungen (-> eV) so schlecht sind.

- ein Teil der Wahrheit ist aber auch, dass der 1. FC Nürnberg immer noch bessere Voraussetzungen als die meisten anderen Zweitligisten hat und es den verantwortlichen Personen trotzdem nicht gelingt, besser dazustehen. Mehr noch: Aus den letzten 1 1/2 Jahren können sie NICHTS vorzuweisen, was die Hoffnung wecken könnte, es würde mit ihnen wieder aufwärts gehen – ob ausgegliedert oder nicht.  

Der Abstand tat beiden Seiten gut, denn es war trotz des angespannten Verhältnis ruhig. Es ist also völlig unverständlich, warum der Verein in der jetzigen Situation unnötigerweise wieder auf Konfrontationskurs geht. Der FCN hat derzeit ganz andere Probleme und wenn er glaubt, dass er sich einen weiteren Nebenkriegsschauplatz leisten kann, dann zeigt es sehr deutlich, dass die handelnden Personen den 1. FC Nürnberg nicht verstanden haben und ihn verändern wollen.  

Ultras Nürnberg, März 2017  


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