„Wes Brot ich eß, des Lied ich sing“

So einfach könnte man es sich machen – immer die Interessen derjenigen vertreten, von denen man wirtschaftlich abhängig ist. In manchen Berufen geht das aber nicht so einfach! Unsere „Raben aus Valznerweiheros“ haben es ja schon lange angekündigt: Herr Westgate wird ab 01.11.2017 neuer Pressesprecher des 1.FC Nürnberg. Nun hat der Verein diese Tatsache auch auf seiner Homepage bestätigt. Wir wollen dazu noch ein paar Gedanken verlieren …

Der neue Mann am Valznerweiher hat eine jahrelange Vergangenheit als Journalist der Bild Zeitung hinter sich. Dabei hat er kaum Gelegenheiten ausgelassen, die Fanszene zu diskreditieren (u.a. wurde er deswegen aus der „Glubb-Familie“ ausgeschlossen) und auch den Verein immer wieder für möglichst skandalöse Schlagzeilen missbraucht. Die gegenseitige Abhängigkeit von Journalisten und Sportvereinen ist eine Geschichte für sich – ein weitgehend ekelhaftes Spiel wirtschaftlicher Interessen. Warum sich der Verein nun genau diesen Mann als Nachfolger für die freiwillig ausgeschiedene Luana Valentini an Bord holt, bleibt vielen Fans und Mitgliedern mehr als schleierhaft. Offensichtlich wäre eine interne Neubesetzung der offenen Stelle möglich gewesen – wahrscheinlich letztendlich sogar kostengünstiger, auf jeden Fall aber charmanter!

Es handelt sich bei der Neubesetzung aber nicht nur deshalb um eine fragwürdige Entscheidung. Viel gewichtiger ist die ideologische Vergangenheit. Die „Bild“ ist eben nicht nur eine Zeitung wie jede andere, schon gar keine halbwegs neutrale Publikation. Sie verkörpert ein Weltbild, eine Einstellung zur Gesellschaft und oftmals mehr als fragwürdige Werte. Viele Leute sehen die „Bild“ durchaus als einen Faktor hinsichtlich der fragwürdigen Entwicklungen in sozial-politisch relevanten Fragen des Landes. Wir müssen in diese Diskussionen gar nicht tiefer einsteigen. Symbolisch vergleichend kann man aber mit Sicherheit sagen: Wenn jemand einen Zünder für eine Firma herstellt, die Bomben baut, dann kann er hinterher nicht sagen, dass er mit dem Dynamit nichts zu tun hat. Bezüglich des neuen Pressesprechers heisst das: Man kann die Ideologie der Bild Zeitung (vor allem nach so langer Zeit) nicht einfach ablegen. Und der Verein hätte das wissen müssen – und muss sich nun fragen lassen, ob das die Werte sind, für die der 1.FC Nürnberg stehen soll? Leitbild und ernsthaftes Engagement bzw. Überzeugungen (zum Beispiel durch den Aufbau einer CSR-Abteilung) müssen bis in den letzten Winkel des Vereins ernst genommen werden. Davon kann mit Blick auf diese Personalentscheidung keine Rede sein.

Alles übertriebene Spitzfindigkeit? Der neue Pressesprecher und seine vereinsinternen Fürsprecher sehen das bestimmt so. Wir bleiben bei den Fakten und haben deswegen ein kleines Willkommensgeschenk: Rechtzeitig zum Arbeitsbeginn übermitteln wir per Post das Buch von Manuela Köstner „Werte, Moral und Identifikation im Sportressort“ – eine vergleichende Inhaltanalyse der Süddeutschen Zeitung mit der Bild Zeitung. Im Vergleich über die Zeit zeigt sich in der Analyse kaum ein Werte-Verfall, aber eine starke Werte-Erosion. Wir haben sogar kurz überlegt einen Pressekodex beizulegen. War uns aber dann doch zu lächerlich – und für den schlechten Witz hat der Verein hier schon selbst gesorgt. In diesem Sinne und mit Bezug auf die Überschrift: Beobachten wir das neue Lied des Pressesprechers – die alten Arien waren aber so schlimm, dass wir sie nie vergessen werden!


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