Zurück zur Sachlichkeit

Unser letzter Text sorgte erwartungsgemäß für reichlich Diskussionen – sehr gut, man setzt sich mit dem Thema auseinander!
Aber die Diskussionen dürfen sich nicht nur darauf beschränken, wer nun recht oder unrecht hat. Sie müssen sich vor allem mit der Frage beschäftigen, wie wir die festgefahrenen Situation lösen können. Denn das Thema wird natürlich auch innerhalb der Fans unterschiedlich gesehen, daher müssen wir zur Sachlichkeit zurückkehren!

Aber ungeachtet dessen wollen einige unsere Zeilen sowieso nicht verstehen, weil sie aus der aktiven Szene kommen – und die werden von einigen pauschal als falsch und/oder dumm bezeichnet. Sowas ist immer sehr aufregend für uns zu beobachten, weil es in der Realität dann meistens ganz anders ausschaut. Den Hinweis, dass unsere Texte bitte sorgfältig und genau gelesen werden sollten, können wir uns an dieser Stelle daher sparen. Man liest sowieso nur das, was man hören will.

Dennoch wollen wir noch einmal betonen: Die Aussprache mit der Mannschaft wurde nicht gesucht, weil die Leistung schlecht gewesen wäre (das wurde ja bereits verneint). Die Aussprache musste stattfinden, weil sich die Mannschaft immer mehr von der Kurve zu entfernen drohte und damit notwendige Unterstützung riskierte. Es musste etwas passieren. Ein Wachrüttler, ein Zeichen, (irgend)eine Reaktion! Jahrelang wurde den Ultras in Nürnberg vorgeworfen, sie würden bis zum bitteren Abstieg nur „lalala“ trällern und keinerlei Reaktionen auf die sportliche Lage zeigen.
Nach dem Spiel hätte man dagegen eine Reaktion oder zumindest ein anderes Verhalten der Spieler erwarten können! Am Mittelkreis formierten sich die Spieler nach der Niederlage zum Kreis bzw. zur Besprechung. Wie immer sind sie dann jedoch kurz vor der Eckfahne in die Kabine abgedreht – emotionslos wie jedes Spiel. Könnt ihr euch noch an die Zeiten erinnern, als die Spieler direkt bis vor die Kurve gekommen sind? Solange ist das noch gar nicht her, aber warum herrschte ausgerechnet nach so einem unglücklichen Spiel wie gegen Freiburg weiterhin so eine Distanz?
Wenn sich die Spieler im Mittelkreis Mut zugesprochen haben, warum zeigen sie diesen nicht, indem sie sich zum Beispiel geschlossen „Arm in Arm“ einfach mal vor die Kurve stellen. Beschimpfungen und Frust könnten dann auch schnell in Aufmunterung und das gesuchte „Wir-Gefühl“ umschwingen. Stattdessen wird bei uns – egal ob jetzt Sieg oder Niederlage – scheinbar pflichterfüllend in Richtung Kurve geklatscht und abgedreht. Den Fan, der zuvor 90min gelitten, gehofft, gesungen und unterstützt hat, wird im Regen stehen gelassen. „Gemeinsam zum Klassenerhalt“ war mal ein Motto in der Saison 2001/2002…
Ja, vielleicht ist das zu viel erwartet und vielleicht hätte man es auch akzeptieren müssen, wenn die Mannschaft auf Distanz geht, ABER: Oft genug wollten junge Spieler einen Schritt weiter auf die Kurve zukommen, doch Raphael Schäfer gab auch hier ersichtlich den Ton an. Jeder weiß um das belastetete Verhältnis zwischen ihm und der Fanszene und wenn er aufgrunddessen keinen Kontakt zur Kurve suchen will, dann ist das sein gutes Recht. Aber er darf das nicht auf dem Rücken der Mannschaft und vielen anderen Fans austragen, die mit diesem Konflikt nichts zu tun haben. Er darf diesen Konflikt nicht übertragen. Doch genau das tut er, wenn er anderen die Richtung vorgibt. Aus diesem Grund wollte man sich eben nicht mit diesem distanzierten Verhältnis zum Rest der Mannschaft abfinden. Man glaubte eine Reaktion erreichen zu können!

Die Aussprache sollte ein positives Signal erzeugen und wurde schließlich – wie damals auf Schalke – nach den Worten Baders mit einem lautstarken FCN beendet! Für kurze Zeit ging tatsächlich ein Ruck durch die verbliebenen Fans – und vielleicht auch durch die Mannschaft. Auch das Thema Schäfer schien zu diesen Zeitpunkt zwar nicht vom Tisch, aber auch nicht akut zu sein. Dies nächste Entgleisung folgte jedoch nur wenige Sekunden später: mit dem Wegwerfen der Kapitänsbinde (und sei es – wie Schäfer mittlerweile betonte – aus einem Mißverständnis heraus) kippte die bis dato positive Stimmung völlig. Es waren genau jene Bilder, die später u.a. im Doppelpass zu sehen waren und nun sinnentfremdet für diese konstruktive Ausspache stehen. Zu schnell wurden daraufhin die Ereignisse in einen falschen Topf geworfen und so war plötzlich von „(unverständlich) frustrierten Fans, die nach einer unglücklichen Niederlage ihr Bauernopfer in Raphael Schäfer gefunden hatten,“ die Rede. Doch die Niederlage gegen Freiburg, die Ausspache mit der Mannschaft und die Reaktionen auf das Wegwerfen der Kapitänsbinde sind drei verschiedene Paar Schuhe, die differenziert und voneinander getrennt betrachtet werden müssen. So wäre Raphael Schäfer nach dem Spiel überhaupt gar kein Thema gewesen, hätte er nicht die Kaptitänsbinde in den Dreck geworfen. Und die Aussprache wäre als das, was sie gewesen ist, kommentiert worden: Als Zusammenrücken und -raufen.

Soweit noch einmal zu den Vorkommnissen, zur Person Schäfer wollen wir stattdessen nicht mehr viel sagen. Das Meiste wurde bereits gesagt.
Wer noch daran glaubt, dass eine wirkliche Versöhnung zwischen Schäfer und der Kurve möglich ist, der hat jedenfalls einen großen Glauben. Dabei behauptet ja auch keiner, dass die Schuld für die Situation dafür nur bei Raphael Schäfer zu suchen ist. Es behauptet ja auch niemand, dass das Verhältnis nicht von Missverständnissen geprägt war/ist.
ABER: wir brauchen eine Lösung zum Wohle aller – vor allem zum Wohle des 1.FC Nürnberg.
Dass Schäfer eine schwierige Person ist, wird niemand bestreiten. Vor diesem Hintergrund und ungeachtet der sportlichen Leistungen/Verdienste stellt sich eben auch die Frage, ob es nicht zum Wohle aller Beteiligten das Beste wäre, wenn das Kapitel „Schäfer und der FCN“ beendet werden würde. Das ist keine Forderung, es ist eine (!) nüchterne Einschätzung des Ist-Zustandes und daher eine zwangsläufige Frage.
Wer die Nürnberger Fan- und Ultras-Szene jedoch kennt, der weiß auch, dass sie – zum Wohle aller Beteiligten – aber auch jeden anderen Lösungsweg in Betracht ziehen wird. Der Dialog wurde seitens Schäfer ja bereits gesucht, schade, dass ihm das erst jetzt notwendig erscheint, Möglichkeiten gab es bereits vorher…
Wie die Lösungswege aussehen könnten – ob mit oder ohne Schäfer im Tor oder als Kapitän –, werden hoffentlich die nächsten Tage zeigen. Das Wegwerfen der Armbinde bleibt für viele dennoch unverzeihlich!

… und trotzdem muss das erklärte Ziel aller Seiten lauten: Gemeinsam zum Klassenerhalt!

Weitere Infos: IG Zukunft: Seltsame Sichtweisen: Wie aus Unterstützung ein Fan-Aufstand wird