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Main-Post: Wenn das Wort „Heimspiel“ als „aggressiv“ gilt

Sogenannte „Ein-Quellen-Stücke“ gelten unter Journalisten als heikel. In einem Bericht sollten mindestens zwei Stimmen zu Wort kommen – und idealerweise sollten sie unterschiedliche Positionen vertreten. Das ist eigentlich journalistischer Standard. Auch bei der Würzburger Main-Post?

Am Dienstag-Nachmittag ist auf deren Web-Präsenz ein Vorbericht zum anstehenden Duell der Würzburger Kickers gegen den 1.FC Nürnberg erschienen. Unter dem Titel „Nürnberg-Derby: Ein Fußballfest unter Polizeischutz“ vermengt der Autor die Partie am Wochenende mit möglichen Krawall-Szenarien, dem Derby gegen Fürth und einem Pyro-Bild aus Karlsruhe. Gesprochen hat er dafür offensichtlich mit nur einer Quelle: Dem Würzburger Polizeichef.

Und tatsächlich: „Das wird nicht ohne“, sagt eben jener Polizeichef im Bezug auf die Abreise der Gästefans. Ansonsten bleibt er in den Zitaten sachlich:

„Wir werden gezielt dazu aufrufen, besonnen zu bleiben, den Sport in den Vordergrund zu stellen und sich nicht provozieren zu lassen“.

Das klingt nur bedingt nach dem (erhofften?) Krawallszenario, weshalb der Autor des Beitrags weitere Infos einfließen lässt.

Screenshot Main-Post
Quelle: Screenshot www.mainpost.de

So gebe es etwa 15 bis 20 Nürnberg-Fans mit Stadionverbot, schreibt er. Das mag für Außenstehende bedrohlich klingen – aber in Relation zu 2.000 erwarteten Glubb-Fans? Wenig erschütternd.

Also schiebt der Journalist eine weitere Zahl voran: 400 bis 500 dieser Gästefans würden laut eines szenekundigen Beamten als „gewaltbereit“ gelten. Schockierend! – Allerdings vermeidet es der Autor einerseits zu erwähnen, dass oft schon eine Personalien-Aufnahme am Rande eines Fußballspiels genügt, um von der Polizei dauerhaft als „gewaltbereit“ („Kategorie B“) eingestuft zu werden. Andererseits verschweigt er den Namen des „szenekundigen Beamten“, ohne explizit darauf hinzuweisen, dass dieser gegebenenfalls namentlich nicht genannt werden möchte.
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Wie einst bei der BILD: Nordbayern.de schreibt Bullshit

Das Spiel Hannover 96 gegen den 1. FCN Köln war noch keinen Tag alt, da wusste ausgerechnet nordbayern.de darüber zu berichten.

Nanu, was interessiert uns auf einmal die graue Maus aus Niedersachen? Eigentlich überhaupt nicht, aber da ja mit Martin Bader der personifizierte Club-Untergang nun fleißig am Niedergang der 96er arbeitet, kann man ja schon mal nach Norden schielen.
… und nun sollen laut BILD auch noch die H96-Spieler ihre Trikots an die Ultras abgegeben haben, was das Sonntag-Nachmittag-Nickerchen der nordbayern.de-Redaktion jäh beendet hatte. Folgendes Manuskript wurde uns dabei vom Praktikanten anonym übermittelt:

„Du, Chef, „Spieler geben Trikots an Ultras ab“ schreibt die BILD. Ich komm nicht drauf, aber das kommt mir irgendwie bekannt vor. Italien oder so?“

„Neeee, Karlsruhe! War doch der Bader schuld dran.“

„Genau, der Bader. Der ist ja nun auch in Hannover. Passt ja wie die Faust aufs Auge, hehe…“

„Ja, da können wir die ollen Kamellen wieder ausgraben. Läuft mittlerweile auch alles zu gut hier in Nürnberg. Nix mehr los… Friede, Freude, Eierkuchen. Wie langweilig.

„Gebhardt weg, Bader weg… wenn das so weitergeht, kürzen die hier noch Stellen. Ich setz mal was auf…

„Sehr gut! Wie schauts mit Pyro aus?“

„Ne, lass ich raus. Wenn ich ehrlich bin, finde ich das ja selber geil!“

„Na und? Wirst jetzt ja wohl kein Gewissen bekommen haben… aber gut, dann nimm dafür den „Rastplatz-Rapport“ mit rein, der zieht immer noch gut!“

„Alles klar. Was hältst du dann von folgender Schlagzeile „Wie einst bim Club: H96-Profis geben Trikots an Ultras ab“?

„Richtig gut! Wir haben zwar keine Ahnung, obs stimmt, aber bis das dementiert wird, ist unser Artikel doch schon längst 3x um die Welt gelaufen!“

… Wie wahr, wie wahr… wen interessiert da noch die Aussage von Hannover 96 Pressesprecher Christian Bönig in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung: „Einen von den Ultras geforderten Striptease hat es definitiv nicht gegeben, das ist Quatsch.“???

Zugegeben, der obige Dialog ist natürlich völlig überspitzt, aber so wird die Boulevard-Presse mittlerweile eben wahrgenommen. Und es platzt uns zurecht der Arsch, wenn solche Artikel verfasst werden, denn eine gewisse Böswilligkeit lacht uns dabei ja förmlich an. Nächstes Mal bitte weiter schlafen!

Alles aus Strategie – Bild, schleich dich!

Wenn sich die Bild-Zeitung für Flüchtlinge einsetzt, dann ist das in etwa so als würde Heckler & Koch für Pazifismus werben. Oder Heidi Klum für ausgewogene Ernährung. Könnte man meinen. Doch langsam wandelt sich die Stimmung im Land zum Positiven. Flüchtlinge sind überwiegend willkommen. Selbst Bundesmutti Angie stellt sich – endlich – ihrer Verantwortung und positioniert sich pro Asyl. Da muss auch die BILD nachziehen – sonst droht sie Kunden zu verlieren.

Noch vor nicht allzu langer Zeit sah das bei BILD anders aus: Die Zeitung hetzte gegen „Dauer-kriminelle Ausländer“ oder belegte derartige Aussagen mit kruden Statistiken. Dann der plötzliche Wandel: Vereinzelt stellte sich das Pleitegriechen-Blatt auf die Seite der Vertriebenen – ließ es sich jedoch zeitgleich nicht nehmen rassistische Meinungsmache zu betreiben. Zumindest ein bisschen. Denn das schadet Auflage und Klickzahlen nie.

Folgt nun aber die Wende zum Guten? Die Aktion „Wir helfen“ der BILD lässt das vermuten. Lediglich will die Initiative so rein gar nicht zur sonstigen Stimmung des Blattes passen. Wir vermuten die Aktion hat Kalkül: BILD als wohltätig positionieren. Das alles auf dem Rücken derer, gegen die sonst massiv Stimmung gemacht wurde.

Am Wochenende verzichtet nun DFL-Sponsor Hermes zu Gunsten der Aktion auf sein Logo auf dem Trikotärmel. Sämtliche 36 Clubs der 1. und 2. Liga laufen mit Logos der BILD auf. Als bislang einziger Verein hat der FC St. Pauli angekündigt sich nicht an der Aktion zu beteiligen. Darauf reagierte BILD-Chef Kai Diekmann gewohnt dünnhäutig.

Diekmann

Eine gefährliche Tatsachenverschiebung: Jenes Medienunternehmen, das über Jahrzehnte rassistische Hetze betrieb, dessen Schlagzeilen Mitschuld tragen an der pogromartigen Atmosphäre rund um Asyl-Unterkünfte in Deutschland, inszeniert sich als friedenstiftende Instanz. Jener Fußballverein, der – trotz aller Rivalität – wie kein zweiter gegen Fremdenfeindlichkeit eintritt, steht öffentlich in Misskredit. Einfach widerwärtig.

Daher schließt sich das Ya Basta! dem Bündnis aktiver Clubmitglieder an. Wir fordern die Verantwortlichen des 1.FC Nürnberg dazu auf Courage zu zeigen und an der Aktion „Wir helfen“ nicht teilzunehmen. Die BILD steht für Rassismus, Stammtisch-Rhetorik und unseriösen Journalismus. Erst in den vergangenen Wochen ist der 1.FCN „Recherchen“ des Mediums zum Opfer gefallen. Zeigt eure Solidarität mit Flüchtlingen, aber zeigt sie nicht mit Springer! Ladet wieder Flüchtlinge zu unseren Spielen ein, engagiert euch mit euren Fans rund um die Notunterkünfte. Aber bitte: Fürchtet keine schlechte Presse. Denn schlechte Presse aus dem Hause Springer ist gute Presse!

„Wenn wir vom Feind bekämpft werden, dann ist das gut; denn es ist ein Beweis, daß wir zwischen uns und dem Feind einen klaren Trennungsstrich gezogen haben.“

Glubb vs Springer

In den vergangenen Tagen sorgten Meldungen der BILD-Zeitung für Verwirrung und Uneinigkeit rund um den 1.FCN. Die Facebook-Page „FCN Aktuell“ hat das Geschehen aus unserer Sicht sehr treffend kommentiert:

Die BILD und der ‪#‎FCN‬ – Ein Kommentar

Gestern [13.8.2015, Anm. YB!] berichtete BILD über einen drohenden Punktabzug, darauf folgte die Stellungnahme des Vereins, darauf wieder ein Artikel der BILD (in nicht unaggresivem Grundton), nun die Meldung über angebliche Gehaltserhöhungen für Martin Bader ab März um 5000 Euro bzw. eine Einmalzahlung von 15000 Euro als Entschädigung für den Mehraufwand, den Bader durch Woys Weggang im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens hatte.

Viel mehr als der Inhalt dieser Meldung beschäftigt uns die Frage: Wieso platziert die BILD diese Artikel genau zu diesem Zeitpunkt mit einer solchen Schlagzahl? Es entsteht der subjektive Eindruck, als werde hier ein Kleinkrieg gegen den Verein geführt – und nachdem die BILD ja anscheinend im Besitz sensibler interner Unterlagen ist, drängt sich durchaus der Gedanke auf, dass dieser Kleinkrieg aus dem Inneren des Vereins her geführt wird.

Es kann nicht angehen, dass irgendwo in der Führungsebene ein fauler Apfel sitzt, der für seine persönlichen Ziele das Boulevard-Blatt instrumentalisiert, und sei es, weil diese Person möglicherweise sogar glaubt, das Beste für den Verein zu wollen. Ein eingetragener Verein ist ein demokratisches Organ, wenn ein Einzelner seine Meinung über die vereinsrechtlichen Grundsätze stellt, hat das nichts mit Transparenz zu tun, sondern es ist ein rein egoistisches Verhalten, was dem Verein schadet und niemals nutzen kann. So lange dieses Leck nicht behoben ist, kann ein vertrauensvolles und zielorientiertes Arbeiten im Verein nicht möglich sein.

Themen wie Martin Baders Gehalt bieten sich an, die Stimmung in der Öffentlichkeit auf populistische Art zu manipulieren, jedoch sind solche Dinge Interna und müssen Interna bleiben, hier hat der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Thomas Grethlein vollkommen Recht.

Damit der Verein halbwegs zu Seriosität und fokussiertem Arbeiten zurückkehren kann, muss diese Mauschelei einer oder mehrerer Personen mit der BILD-Zeitung beendet werden, diese Person(en) müssen identifiziert und aus ihrer Funktion entlassen werden, das Zuspielen vertraulicher Dokumente an die Presse sollte Grund genug dazu geben.

Man kann an alle Leser dieser Artikel, Fans und Mitglieder des Vereins nur appellieren, vorsichtig damit zu sein, sich von der reinen Plakativität dieser Berichterstattung unreflektiert mitreißen zu lassen und für sich kritisch zu überprüfen, ob man als Teil der öffentlichen Stimmung hier nicht selbst zu populistischen Zwecken instrumentalisiert wird.

Volkspark von Kühnes Gnaden

Das Hamburger Volksparkstadion heißt ab 1. Juli 2015 wieder offiziell Volksparkstadion. Wie unter anderem Stadionwelt berichtet, hat Klaus-Michael Kühne sich die Namensrechte am Stadion gesichert und möchte es zur kommenden Saison rückbenennen. Kühne erwarb außerdem für 18,75 Millionen Euro 7,5 Prozent der Anteile an der HSV Fußball AG.

„Es war mir als HSVer eine Herzensangelegenheit, dass die Fußball-Heimat des HSV wieder ihren ursprünglichen Namen trägt. Ich wünsche mir, dass unsere Mannschaft im Volksparkstadion wieder an alte Erfolge anknüpfen kann“, so Kühne.

In den vergangenen Jahren war das Volksparkstadion zur Wanderhure (nord-)deutschen Sportsponsorings mutiert. AOL, HSH Nordbank, Imtech: Sie alle pulverten frisches Kapital in den Fußballdino. – Allemal interessant zu sehen, wie sich Verein und die ehemaligen Sponsoren AOL und HSH Nordbank in der Folge entwickelten.

Bleibt also aus Fansicht die Frage, inwiefern man das nun gut finden soll. Einerseits ist die Nachricht erfreulich, da endlich ein Bundesligist einen anderen Weg einschlägt. Andererseits ist es bedenklich, dass eben jener Klaus-Michael Kühne, prominenter Unterstützer der Initiative „HSV Plus“, diese Änderung herbeiführt. Im (fränkischen) Volksmund würde man sagen: Das hat ein Gschmäckle! Soll heißen: Warum erobert ausgerechnet einer der Hauptprotagonisten hinter der HSV-Ausgliederung den alten Stadionnamen zurück? – Aus neuentdecktem Traditionsbewusstsein? Oder wohl doch eher aus geschicktem Kalkül im Sinne der eigenen Imagepflege?

Fakt ist, dass sich Kühne – entgegen seiner eigenen Aussage – nun doch „Einfluss am Fußballgeschehen des HSV“ verschafft hat. Allein das sollte zu Denken geben. Und Fakt ist außerdem, dass es sehr traurig ist, wie ein einzelner (finanzstarker) Senior mühelos das ermöglichen kann, wofür die eigenen Fans über Jahre eingetreten sind.

Wir bleiben deshalb bei unserer Position: Stadionnamen sind nicht verhandelbar. In Hamburg genauso wie in Nürnberg. Wenn der Stadionname den Verantwortlichen tatsächlich eine „Herzensangelegenheit“ ist, hätten sich auch andere Wege, abseits eines zusätzlichen Investments, finden lassen!

Volksparkstadion

…und für all diejenigen Kunden, die uns nun im gewohnten Reflex Sozialromantik, blinden Traditionalismus oder realitätsfremdes Gutmenschentum vorwerfen: Es stimmt natürlich, ihr habt alle Recht! – Mithilfe der Kühne-Millionen werden die kommenden van der Vaarts so richtig einschlagen beim HSV.

Stadt Nürnberg –
Kein Bekenntnis zu IbdLn

Wer heute auf die RSH-Homepage geschaut hat, der durfte nicht nur die (mittlerweile leider) gewohnten Meldungen über Verfahren, Stadionverbote und Polizeigewalt lesen. Eine scheinbare Kleinigkeit erregte unsere Gemüter – genau deswegen, weil es eben nur eine Kleinigkeit ist, jedoch nicht als solche behandelt wurde.

Mit der Initiative „Ich bereue diese Liebe nicht“ identifizierten sich zu Jahresbeginn nicht nur tausende Glubbfans, sondern die gesamte Stadt.
Heute möchte man meinen, dass es fast schon „chique“ war, sich daran zu beteiligen, denn die Phrase konnte man schnell dreschen, inhaltlich blieb man jedoch vieles schuldig.

Das Beispiel auf der RSH-Homepage beweist es: 4 Nürnberger wurden dabei ertappt, wie sie in der Nacht vor einem Spieltag „IbdLn-Werbebanner“ für den Glubb und die Kampagne befestigten. Dazu muss man wissen, dass nach Aussage der Fanbetreuung seitens der SKBs im Vorfeld eine Duldung eingeholt wurde, solange diese eben ordnungsgemäß befestigt werden. Dumm nur, dass es eben auch „schwarze Schafe“ gibt, die zudem gar nicht mehr dem Einfluss der SKBs unterliegen. So war es ein USK-Beamter, der mal wieder eine Gelegenheit beim Schopfe packen wollte und Anzeige erstattete. Wir brauchen ja mit Sicherheit kein Fingerspitzengefühl vom USK erwarten, dass danach aber auch kein „Verständnis“ der Stadt zu erkennen war, obwohl mit Herrn Maly der Boss höchstpersönlich im AR des FCN sitzt (der sicher auch um die Bedeutung der Kampagne wusste), grenzt an Frechheit. Hat unsere Stadt etwa die paar Kröten nötig? Oder ging es – selbst in diesem Zusammenhang – um Zucht & Ordnung? Es ist eine Schande! Es blieb daher nur der müßige Gang vor die Gerichte, um das Bußgeld abzuwenden – immerhin mit Erfolg.

Abschließend bleibt einmal mehr die Erkenntnis, dass sich mit Initiativen wie IbdLn immer wieder gerne Personen/Instituationen schmücken, dann aber klare Bekenntnisse vermissen lassen. Schade, dass ehrliches Engagement und positive Arbeit für den Verein durch solches Verhalten noch unattraktiver wird. Über auch zukünftige ACAB-Parolen wird man sich dagegen weniger wundern…

Zur RSH-Meldung

Heimspiel St. Pauli – Refugees Welcome

Zugegeben: Auf diesem Blog und in unserem Heft heben wir schon sehr gerne den mahnenden Zeigefinger. Für eine aktuelle Aktion hat die Vereinsführung aber unseren vollen Respekt verdient. Bereits gestern vermeldete nordbayern.de, dass zum Heimspiel gegen St. Pauli am Samstag 3.500 Flüchtlinge kostenlos ins Stadion dürfen. Bravo, FCN! Es kann so einfach sein, etwas Gutes zu tun. Immerhin wären die Plätze, wie bei den vorangegangen Zweitliga-Partien, wahrscheinlich leer geblieben.
Wir von der Ya Basta!-Redaktion freuen uns jetzt jedenfalls noch ein klein bisschen mehr auf den Samstag. Uns erwartet ein wichtiges Spiel gegen einen interessanten Gegner. In diesem Sinne: Refugees Welcome! Scheiss St. Pauli!

Heimspiel St. Pauli - Refugees Welcome

Sommerloch bei Polizei und BILD

Es ist wieder Sommerloch. Das wissen auch die Pressestellen der Polizei und der Innenministerien. Kaum verwunderlich also, dass die Ankündigung über verringerte Polizeipräsenz bei Fußballspielen in Nordrhein-Westfalen gerade jetzt, zu Beginn dieser Woche erschienen ist. Über Sinn, Unsinn und tatsächliche Hintergründe (Ist das vielleicht nur Taktik?!) lässt sich streiten. Fest steht aber, dass Polizei und NRW-Innenministerium schon jetzt das Sommerloch, inklusive bevorstehendem Bundesliga-Beginn optimal genutzt haben.
Einigen Medien war die Meldung nur eine kurze Randnotiz im Sportteil wert. Anderen Zeitungen und Nachrichten-Sendungen diente sie gleich als Aufmacher. Denn Fußball geht immer. Und die neuesten Wehwechen eines Bastian Schweinsteiger sind nach gefühlten 20 Wochen Schland-Berichterstattung eher uninteressant. Also wird über Polizei, Fans und „einzelne Unverbesserliche“ diskutiert. So als würde in Israel, der Ukraine oder sonstwo nichts passieren. Vielleicht wurden diese Themen auch schon zu oft „gespielt“. – Innenministerien und Polizei dagegen haben die notwendie Aufmerksamkeit erhalten. Die Pressestellen in NRW können sich in ihrer nächsten Medienresonanzanalyse selbst auf die Schultern klopfen.
Dennoch: So hundertprozentig catcht auch dieses Thema keinen mehr. Gewalt beim Fußball, Polizei, Hooltras – alles schon oft genug erzählt und wenig sexy. Daran können weder das Sommerloch noch der Bundesliga-Beginn etwas ändern. – Genau für solche Fälle gibt es aber das Investigativ-Monster BILD. Ein bisschen Recherche, ein paar nette Infografiken – fertig sind „Deutschlands gefährlichste Fußball-Städte“. Darunter solche Randale-Hochburgen wie Minden, Würzburg oder Hamm. Schließlich seien das beliebte Umsteige-Bahnhöfe für Auswärtsfahrer. Passend dazu werden dem Springer-Kunden gleich mehrere Spieltagskonstellationen genannt, bei denen an diesen Bahnhöfen mit Jahrhundert-Randale zu rechnen sei. Das wiederum hat der Bild-Blog, ein Watch-Blog für deutsche Medien, sehr schön analysiert. So genau können es die Damen und Herren von BILD mit ihren Recherchen nämlich nicht genommen haben. Es ist eben Sommerloch – und da stehen bei BILD offensichtlich nur beschränkte Kapazitäten zur Verfügung.

BILD im Sommerloch
Die Nordkurve fand bereits mehrfach deutliche Worte zu BILD und Springer.

Die Weltverbesserer

Als zu Beginn des Jahres die Initiative „Ich bereue diese Liebe nicht“ ins Leben gerufen wurde, dann hatte sie zum Ziel, eine positive Stimmung im Umfeld des FCN zu schaffen. Dazu sollten alle ins Boot geholt werden: die Ultras, die Nicht-Ultras, Spieler, Vereinsverantwortliche und Stadt. Für gute oder schlechte Stimmung trägt aber natürlich auch die Presse – leider maßgeblich – bei. Doch in den (Sport-)Redaktionen der Lokalzeitungen bzw. lokalen Ableger sind sie ja (fast) alle Glubb-Fans und auch sie bereuen ihre Liebe nicht, oder? Man war guter Dinge, dass auch sie einen kleinen Teil im Rahmen ihrer Möglichkeiten/Berichterstattung zu einer positiven Stimmung im Umfeld des FCN beitragen würden. Zumindest war man aber fest davon erzeugt, dass sie nicht mutwillig & unnötig Unruhe ins Umfeld bringen würden.

Das Schmierblatt mit den 4 Buchstaben hat es dann aber doch geschafft. Fast genau zwei Wochen (!) nach dem Ereignis und somit kurz vor dem schweren wie wichtigen Spiel gegen Bremen berichten Daniell Westagte und Max Schneider von einem Besuch der Spieler Drmic und Gebhart im UN-Lokal nach dem emotionalen Sieg gegen Braunschweig. Während die Herren ihrer Berufung als Moralapostel der Nation nachkommen und die Ereignisse natürlich völlig schockiert dokumentieren, sollten wir folgende Schlüsse aus diesem Abend ziehen:

a) mal wieder hat uns ein Beispiel gezeigt, dass Facebook schnell zu einem Eigentor und Ärger führen kann.

b) der Besuch der Spieler im Lokal hat uns darin bestätigt, dass Fußballer – Gott sei Dank – auch nur (junge!) Menschen sind. In völlig ungezwungener Atmosphäre haben sie das geschafft, was die Sensationsgeilheit einiger Journalisten wieder kaputt macht: sie haben für gute Stimmung im Umfeld des FCN gesorgt, sie haben dazu beigetragen, dass sich die Beziehungen zwischen Fans und Spieler weiter festigen. Genau das brauchen wir im Abstiegskampf, auf geheuchelte Moral können wir dagegen verzichten. Wir hoffen, dass sich die beiden (und auch alle anderen) Spieler nicht durch so eine Berichterstattung abschrecken lassen, weiterhin den Kontakt zu Fans suchen und auch mal Mensch statt abgeschotette Fußballprofis sein dürfen. In Zukunft dann sicherlich ohne die Bilder online zu stellen.

c) mal wieder wurde die Springerpresse ihrem Ruf gerecht, ohne Rücksicht Schlagzeilen zu schreiben, Auflagen zu steigern und Hysterie zu schüren. So ist es auch kein Wunder, dass der Artikel genau vor dem Spiel gegen Bremen erschien, obwohl der Besuch bereits zwei Wochen zurück liegt. Hier wird nicht nur auf ein Privatleben von jungen Spielern geschissen, sondern auch ein bemerkenswertes Zusammenrücken zwischen Fans, Verein und Spielern belastet. Man muss vermuten, die beiden Verfasser wünschen dem FCN am heutigen Samstag nichts Gutes. Scheinbar sind sie doch nicht alle Glubb-Fans…

… und immerhin ordnen die meisten den Artikel auch dort ein, wo er hingehört: nämlich unter der Kategorie „lächerlich“. Manchmal muss es nicht immer Facebook sein, um ein Eigentor zu schießen!

Eine Frage hätten wir dann doch noch:
Warum fangen die Weltverbesserer eigentlich nie bei sich an?

Lasst es brennen!

Die Kampagne „Ich bereue diese Liebe nicht!“ nimmt viele unserer Ressourcen in Anspruch. Dennoch möchten wir es nicht versäumen euch auch ohne Print-Titel einige Denkansätze mit auf den Weg zu geben. Morgen beginnen die olympischen Winterspiele in Sotschi. Dazu kommentiert einer unserer Redakteure.

Wenn die olympische Fackel unter Blitzlichtgewitter ein letztes Mal überreicht wird, dann wird vieles vergessen sein: die Proteste, die persönlichen Schicksale und Tragödien. Ähnlich wie 2008 in Peking ist es einer Machtelite gelungen, ein klinisches Fest zu inszenieren. Das Ergebnis überzeugt: Die westliche Masse blickt ekstatisch ihrem lang ersehnten Februar-Soma entgegen.
Einige Medien werden natürlich darauf verweisen, dass der Schein trügt. In den zehnstündigen ZDF-Kunstschnee-Marathon-Sendungen lassen sich bestimmt auch kritische Beiträge platzieren. Programmauftrag, versteht sich. Zwischen der Kür muss das Pflichtprogramm abgespult werden. Gratis Betroffenheit für das plagende Gewissen des deutschen Michl, verpackt als dreiminütiges audiovisuelles Intermezzo. Genau die richtige Spanne, um direkt im Anschluss das nationale Selbstwertgefühl, beim Blick auf den Medaillenspiegel, steigern zu können. – Die Schattenseiten der diesjährigen olympischen Spiele lassen sich – ganz unverhohlen heuchlerisch – ausblenden.

Peace, Love & Harmony

Der grundsätzliche Fehler liegt in einer noch immer romantisiert-verklärten Wahrnehmung der olympischen Spiele in der breiten Öffentlichkeit. Dem IOC als Dachorganisation ist es gelungen eine Marke zu etablieren, deren Kern zwar noch nah am ursprünglichen Leitgedanken der Spiele der Neuzeit ist – die Ausrichtung der Spiele ist jedoch ganz klar eine kommerzielle Größe geworden. Schlimmer noch: dieses monetäre Interesse wird durch die Exklusivität und Prestigeträchtigkeit der Spiele zusätzlich verstärkt. Dem Geltungsdrang der Organisatoren sind keine Grenzen gesetzt. Eine gefährliche Mischung, siehe Sotschi.
Somit ist es auch unerheblich, wo die Spiele stattfinden. Ein IOC, das Spiele wie die in Sotschi forciert, beraubt sich selbst jeglicher Legitimation ein Multiplikator des Sports zu sein. Anders ist es auch nicht zu erklären, dass eine erneute Bewerbung für die Winterspiele in München so deutlich abgelehnt wurde. Es gibt eben kein richtiges im falschen, erst recht nicht bei den olympischen Spielen. Das haben selbst die Großkopferten in München erkannt.

Schlag auf Schlag

Erschreckend ist, dass die Schlagzahl dieser medial aufgebauschten Sport-Events stark zugenommen hat: heute Super Bowl, morgen Olympia, übermorgen WM in Brasilien. Inzwischen gibt es so viele Mega-Events, dass der gemeine Babo aus der Nordkurve schnell den Überblick verlieren kann. Immer schneller, höher, weiter – und das gefühlt immer häufiger. Das geht uns definitiv zu schnell.
Denn: Auch wir wollen guten Sport, insbesondere guten Fußball sehen. Er soll aber authentisch und greifbar sein – und nicht über Leichen gehen. Wir haben keinen Bock auf Heile-Welt-Fußball, wenn dafür am anderen Ende der Welt Leute sterben müssen. Unser Sport funktioniert auch ohne korrupte Weltverbände. Und wir müssen den Schrott, der in ihrer Verantwortung liegt, nicht mittragen. Die Großveranstaltungen in Russland, Brasilien und Katar sollten uns mahnende Beispiele sein.


„Putins Spiele“ – ARD Reportage zur Lage rund um Sotschi
http://www.ardmediathek.de/das-erste/reportage-dokumentation/die-story-im-ersten-putins-spiele?documentId=19305912

„Operation Sotschi“ – Kommentar auf Zeit Online
http://www.zeit.de/2014/07/olympische-winterspiele-sotschi-russland-putin

„Der Geist ist tot“ – Blog-Kommentar auf eurosport.de
http://de.eurosport.yahoo.com/blogs/abgeblogged/olympia-geist-tot-090052758--spt.html#more-id

Don‘t foul…!

Es hat schon seinen Grund, warum wir kurz auf die politisch-motivierte Greenpeace-Aktion beim Spiel Basel – Schalke hinweisen wollen.
Einerseits sollte uns allen bewusst sein, dass unser Fußball schon längst ein Teil vieler politischer Prozesse geworden ist, andererseits zeigt der Fall einmal mehr die perfiden Reflexe eines Fußballverbands, aber auch die perfiden Zwänge, in denen sich seine Spielfiguren (=Marionetten) befinden. Feige, realitätsfern und repressiv. Aus diesem Grund sei euch folgender Artikel ans Herz gelegt:
Abgeblogged – Eurosport Blog vom 3. Oktober 2013 Michael Wollny: Peinliche Angst vor der Wahrheit


Bild: Greenpeace

Weitere Informationen: Greenpeace-Aktivisten zeigen Champions League-Sponsor Gazprom die rote Karte

1000 Gründe

Aus der beliebten Serie „1000 Gründe, warum man die Polizei hassen muss“, wollen wir euch heute gleich zwei vorstellen.

1) Gut, zugegeben, der Rainer ist ein Evergreen und er alleine belegt mit Sicherheit rund 50% aller Platzierungen. Eine ganz besondere Perle ist ihm allerdings in der WAZ gelungen, Thema natürlich das Spiel Schalke vs PAOK
WAZ am 27.08.2013 Polizeigewerkschafts-Chef: „Heldt und Peters sollten Mund halten“

2) Die Polizei Düsseldorf hat ja auch nicht den besten Ruf, vergleiche dazu auch die Gastspiele von Rostock und uns in der Rheinmetropole. Dass man dort aber nicht immer zu Massen-Ingewarsahnamen greift, sondern auch mal kleinere Brötchen bäckt, beweist der folgende Fall.
Hintergrund ist die schicke Choreo der Fortunen gegen Bochum

… zunächst hieß es, dass die Polizei die Vermummung der beiden Sprayer zur Anzeige gebracht habe, was sich später jedoch als nicht richtig erwiesen hatte (denkbar wäre es ja gewesen). Stattdessen liegt nun eine Anzeige wegen Beleidigung vor. Auslöser war das Lied bzw. eine Textstelle, welches über die Stadionboxen eingespielt wurde. „Egal in welcher Form – ACAB“. Das Online-Portal 11Freunde formulierte es ganz treffend:

Gleichzeitig beweist die Beschwerde der Polizisten, wie dünnhäutig einige Beamte auf selbst kleinste Provokationen aus der Kurve reagieren. Man könnte ja meinen, die Beleidigung »ACAB« würde selbst von unerfahrenen Polizisten nur noch mit einem Kopfschütteln quittiert werden, so abgegriffen ist das Jahrzehnte alte Kürzel. Dem ist offenbar nicht so. Es hat etwas von einem übereifrigen Unparteiischen, der für »Schiri, Telefon« wutentbrannt Platzverweise verteilt.

Bleibt nur noch die Frage, wer überhaupt angezeigt wurde? Der Rapper (jedes Mal, wenn sein Song gepsielt wird), der Verein oder die Verantwortlichen der Choreo.

UPDATE 28.08.2013
In dem obigen Link der WAZ (bzw. im weiteren Artikel) ist auch von einem Brief der GdP an Schalke 04 die Rede. Wir haben uns das gute Stück mal durchgelesen, verlinken es aber bewusst nicht. Das Teil ist das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben wurde und es lässt uns einmal mehr zu den Schlußfolgerungen aus unserem Beitrag „So dumm“ kommen.
Es wird sich seitens der Polizei nicht einmal die Mühe gemacht, die Sachlage genau nach zu recherchieren. Ungeachtet jeglicher Tatsachen wird da weiterhin davon gesprochen, dass dieses Banner zu den Ausschreitungen gegen Wien geführt hätte (behaupten kann man vieles, muss ja erstmal jem. nachprüfen, oder?). Interessanterweise fanden diese nun aber nicht (mehr) in Saloniki, sondern in Wien statt. Also, da fehlen uns mittlerweile nicht nur die Worte, sondern wirklich das Verständnis. Und da wundert ihr euch, warum sich keine Fanszene mit euch an einen Tisch setzen will? Ihr labert sowieso nur Scheiße und zeigt keinerlei Einsicht!

So dumm!
Schalke vs PAOK Saloniki

Bevor wir uns in Rage reden/schreiben, sollten folgende Links ein paar notwendige Hintergrundinfos liefern und unbedingt gelesen werden

Stellungnahmen UGE
Stellungnahme FC Schalke 04
Stellungnahme Polizei GE

„Ihr seid so blöd“ hallt es manchmal von den Stadionrängen, wenn sich jemand besonders dumm anstellt. Oberflächlich betrachtet könnte man das auch auf den gestrigen Polizeieinsatz beim Spiel Schalke gegen PAOK Saloniki beziehen.
Statt eine Eskalation (auf der einen Seite) zu verhindern, lassen es die Prügel-Cops (auf der anderen Seite) selbst eskalieren. Der Rechtfertigungsgrund, dass es sich bei dem Komiti-Banner der Schalker Freunde aus Mazedonien, um eine volksverhetzende Aussage handelt, wurde scheinbar ungeprüft übernommen. Es hätte wahrscheinlich nur 2 Minuten – auch für einen weniger gebildeten Menschen – gebraucht, den Inhalt richtig zu erfassen. Aber die Stärken liegen bei der Polizei eben woanders. Darunter gehört übrigens auch nicht die Lageeinschätzung. Ein griechischer Platzsturm wäre wohl sehr unwahrscheinlich gewesen, immerhin spielt PAOK – nach den Vorkommnissen gegen Rapid – auf Bewährung, was somit das sofortige Aus bedeutet hätte. Selbst die Griechen hatten und hätten sich hierbei unter Kontrolle gehabt – und gaben auch die ersten 75 Minuten keinerlei Anlass zu dieser Befürchtung. Zudem ist es interessant, dass in Folge eines „aggressiven Gästeblocks“ mal eben der Heimblock, der seit Jahren keinen Anlass zu Beanstandungen gab, gestürmt wird. Das ist Polizeilogik, wahrscheinlich erstes Lehrjahr oder so. In Supermärkten beobachtet man auch immer wieder, dass die Azubis mal eine Filiale übernehmen – scheint bei den Staatsdienern ebenso zu sein.
… apropos PAOK – Rapid: Die Gründe für die damaligen Zwischenfälle lagen überall – nur nicht in dieser mazedonischen Fahne. Auch das hätte vielleicht zwei Minuten gedauert, um in Erfahrung zu bringen. Trotzdem glaubt die Polizei diese Tatsache selbst einen Tag später noch und erwähnt es in der eigenen Stellungnahme. Entweder sind die wirklich so dumm oder sie wollen bewusst andere für dumm verkaufen, die es nicht besser wissen.
… und an diesem Beispiel kann man wieder einmal gut erkennen: Die Polizei macht keine Fehler bzw. kann keine Fehler eingestehen. Schuld haben immer die anderen. In diesem Fall die Schalker Ultras, die die Fahne nicht abhängen wollten, weil sie schon mehrmals ohne Probleme hing (auch gegen Olympiakos Piräus – bekanntlich ebenfalls ein Verein aus Griechenland), oder die Schalker Klubverantwortlichen, die es nicht schafften, die Fahne über den Dialog aus dem Verkehr zu ziehen. Und natürlich geschah dann die Prügelorgie zum Schutze der restlichen Menschheit. Bitte, den Scheiß glaubt ihr doch nicht selber?!
… aber jetzt mal für die Dummen: Auf dem Banner stand lediglich „Komiti Düsseldorf“ – auf kyrillisch (= gefährlich). Man muss kein Jurist sein, um zu dem Urteil zu gelangen, dass es für diese Fahne keinen Straftatbestand gibt. Die Polizei hat also aufgrund eines Banners, welches beim Gast als provokant empfunden (!) wurde, die Eskalation gesucht – obwohl es keinen strafrechtlichen oder gar nachvollziehbaren Hintergrund gab. Fragt sich nur, seit wann die Polizei so um die Empfindsamkeit der Gäste besorgt ist. Ginge es danach, sollte die Polizei zukünftig zu Hause bleiben, schließlich empfinden (!) zahlreiche (Gäste-)Fans ihr bloßes Auftreten bereits als provokant.

Aber so dumm scheinen die Bullen dann doch nicht zu sein, wie sie sich immer geben. Der letzte Satz aus ihrer Stellungnahme lässt schließlich den wahren Grund für ihre Eskalation erahnen. Die Videoaufnahmen werden noch ausgewertet, aha. Was folgen wird, werden Strafanzeigen und SVs gegenüber Fans sein, die sich bis zum Einsatz gesetzeskonform verhalten haben. Am Ende des Jahres stehen die (durch Polizeigewalt) verletzten Personen sowie (die durch friendly fire) verletzten Polizisten dann in einer Statistik und Herr Wendt beklagt die Zunahme der Gewalt beim Fußball. Gar nicht mal so dumm…
… und so ganz unrecht hat der Knabe ja auch nicht, wenn er von einer Zunahme der Gewalt spricht – nur findet die eben unter Seinesgleichen statt.

Bullen aus der Kurve!

*** UPDATE: 23.8. ***

…und weil wir den Herrn Wendt bereits erwähnt hatten: dieser hielt dieses Mal erstaunlich lange still. Wahrscheinlich war er im Urlaub, denn normalerweise dauert es keine halbe Stunde, bis er sein Gesicht in die Kamera hält. Gestern Abend war es dann aber doch noch soweit. Rainer Wendt ging ans Mike: „Das war verhältnismäßig und rechtmäßig. Wenn es jetzt zu Strafanzeigen gegen Beamte kommen sollte, wird die Justiz sicher zu dem gleichen Ergebnis kommen.“ – Einen Kommentar ersparen wir uns.

Suggestion & Manipulation

Das Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ sorgt mit vielen strittigen Inhalten für ordentlich Gesprächsstoff und harsche Kritik.
Ein Beispiel sind die Körpervollkontrollen, dazu heißt es:

Wenn andere Maßnahmen nicht zu der Lösung der Problematik führen, sollen weitere Handlungsmöglichkeiten wie die Verbesserung der infrastrukturellen Möglichkeiten für eine angemessene Personen-Körperkontrolle in den notwendigen Stadionsektoren (z.B. Errichtung von Containern statt wie z.T. bisher Zelte) zur Verfügung stehen, um etwaige Vollkontrollen zügig und ohne unverhältnismäßigen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte durchzuführen.

Der größte Arschlochverein der Welt ist natürlich auch ein Befürworter des Konzepts und solcher Methoden. Also hat der FC Bayern jene Maßnahme gleich am Samstag selbst ausprobiert. Natürlich sorgte auch das im Vorfeld für mächtig Kritik, innerhalb weniger Stunden äußerten Eintracht Frankfurt, die Nordwestkurve, die Fanabteilung, diverse Fanclubs und auch die Ultras ihr Unverständnis

Siehe u.a.:
UF97: Morgen Vollkörperkontrollen in München! Nackt machen im Zelt!
Eintracht Frankfurt: Mögliche Ganzkörperkontrollen beim Spiel in München

Natürlich juckte das den FC Bayern und den bayerischen Polizeiapparat nicht die Bohne, sie zogen diese menschenunwürdige Kontrolle durch, rund 400 Eintracht-Fans blieben aus Protest vor dem Stadion.

Im Nachhinein rechtfertigen natürlich die Großkopferten ihre Maßnahme, werten sie als Erfolg. Was auch sonst?

Nachzulesen auf:
Bild: Nackt-Zelte bald vor jedem Stadion?

An sich ja nichts Neues, über das man sich aufregen müsste, wären die gequälten Augen nicht auch noch auf diese Zeilen gestoßen:

Bayern-Sprecher Markus Hörwick verteidigt die Maßnahme: „30 bis 40 Anhänger wurden strenger kontrolliert, mussten maximal ihre Jacken ausziehen.“ Dabei wurden laut Polizei 22 Messer und ein Pfeffer-Spray gefunden.

Bitte? Bei den 30 – 40 Kontrollen im Zelt wurden 22 Messer und ein Pfeffer-Spray gefunden??? Wow, bei diesen Zahlen kann man durchaus von einem Erfolg sprechen! Mehr noch: Bei diesen Zahlen scheinen solche Maßnahmen tatsächlich notwendig!

Für den unbedarften Büger endet hier die Story, der Eindruck bleibt. Fußball-Anhänger zweifeln zumindest daran, wissen es besser.
Wir haben nachgeforscht und zitieren aus der Pressemitteilung der Bayern

Bei den Kontrollen am Samstag wurden im Übrigen von der Polizei und dem Ordnungsdienst u.a. 20 Messer, 2 Schlagstöcke, 1 Schlagring, 1 Sturmhaube, Pfefferspray und Kokain sichergestellt.

Aha! Die Gegenstände wurden also bei allen Kontrollen um das Spiel herum gefunden. Das klingt schon ganz anders!
… ändert aber leider nichts daran, dass zuvor das Meinungsbild durch die Bild-Zeitung manipuliert worden scheint. Ja, es fällt schwer, hier nicht von Manipulation zu sprechen, denn es glaubt doch keiner ernsthaft, dass hier nur unsauber formuliert/recherchiert wurde. Das scheint mit voller Absicht zu passieren, schließlich ist der Ruf des Konzepts „Sicheres Stadionerlebnis“ etwas ramponiert und das müsse man vor dem 12.12.2012 doch etwas aufpolieren…

Aber trotzdem, wir wollen auch nicht die Augen vor den gefundenen Gegenständen verschließen, denn wir krass ist das denn? 22 Messer?
Nun, vielleicht sollte man wissen, dass damit nicht nur die 30cm-Edelstahl-Klingen gemeint sind. Zum großen Teil fallen darunter Brotzeitmesser, Taschenmesser oder auch Nagelfeilen. Und die werden am Eingang oder ums Stadion herum natürlich auch konfisziert. Die meisten tragen dies aber völlig unbewusst mit sich herum, z.B. weil sie noch die Arbeitsjacke mit dem Cutter in der Tasche anhaben, oder geben es auch bewusst am Eingang ab, damit man sich die Stulle auf der Rückfahrt im Zug trotzdem noch schmieren kann. Wird in den Berichten natürlich nicht weiter erwähnt, da sind nur die Zahlen wichtig. Nicht unbedingt eine Manipulation, aber mindestens eine Suggestion.

Aber da wären ja auch noch die Schlagstöcke, die Schlagringe und die Sturmhaube… Mit was für Sachen manche Leute ins Stadion gehen? Da kann einem ja schon Angst und Bange werden, oder?
Halt, nicht so schnell… wer sagt überhaupt, dass jemand damit ins Stadion gehen wollte? Die Gegenstände wurden bei den „Kontrollen am Samstag“ gefunden, also nicht unbedingt bei den Eingangskontrollen! Ein kleiner, aber feiner Unterschied, der natürlich im Raum stehen gelassen wird. Suggestion.
Wir haben nachgeforscht und zitieren aus dem Polizeibericht:

„Bei der Kontrolle von vier Frankfurter Fußballfans vor dem Spiel auf einem nahe gelegenen Parkplatz wurde auch deren Pkw genauer in Augenschein genommen. Hier konnten dann zwei Schlagstöcke, ein Schlagring, eine Sturmhaube und mehrere Spraydosen aufgefunden werden. Hier wird nun wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt. Alle vier Fans wurden bis Spielende in Gewahrsam genommen.“

Nun mag auch das Kopfschütteln erzeugen, doch lassen sich die Gegenstände, die tatsächlich in den Zelten und bei den Eingangskontrollen gefunden wurden, auf völlig harmlos herabstufen, gerade wenn man diese Zahlen in Relation stellt: Bei 71.000 Fußballfans wurden 22 Messer – ganz gleich welcher Art, zu welchem Zweck und nicht nur am Gästeblock – gefunden. Und ja, unter 71.000 Menschen gibt es auch viele, die in irgendeiner Form mit Drogen wie Kokain in Verbindung geraten. Wie übrigens in unserer gesamten Gesellschaft, ob in der Kirche, auf der Arbeit oder auf der Straße. Auch das ist traurig, beim Fußball aber nicht mehr und nicht weniger wie anderswo! Zieht man nun weitere Zahlen aus dem Polizeibericht heran, so kam es unter 71.000 Personen zu 2 Geschädigte durch ein Körperverletzungsdelikt. Zwei. Insgesamt kam es unter den 71.000 Schlachtenbummlern zu 13 angezeigten Straftaten! Dabei „handelte es sich in der Hauptsache um Delikte wie Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung, Beleidigung etc.“ Da kennen wir das USK aber auch deutlich fleißiger…

… und plötzlich entsteht ein ganz anderer Eindruck, als er zunächst durch den Bild-Artikel oder die Pressemitteilung der Bayern vermittelt wurde. Man muss sich nur verdammt viel Mühe machen…

Fakt ist: Im Stadion ist es sicherer als an jedem Bahnhof, in jedem Supermarkt und auf jedem Volksfest!

Die Maßnahme war ein Erfolg? Mit Sicherheit!
.. wenn sie das Ziel hatte, Fußballfankultur aus dem Stadion zu vertreiben.

Es dürfte wohl allen klar sein, dass die nächsten Wochen entscheidend für die Zukunft der Fankultur in Deutschland werden können.
Der 12.12.2012 rückt näher, die Vereine werden über das Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ diskutieren und möglicherweise über einige Punkte abstimmen.
Wir Fans haben nur noch wenige Möglichkeiten, unsere Stimme gegen solche Maßnahmen zu erheben. Wir werden sie nutzen. Weitere Infos folgen!

Zum Thema:
sge4ever: Die Würde des Menschen ist unantastbar
Blog-G: 20 Messer
Ich fühl mich sicher

Keine Fehler,
weil alles nach Plan…

Wir mischen uns ja recht gerne in fremde Angelegenheiten ein, daher verweisen wir heute auf folgende Stellungnahme der Polizei Dortmund zum Revierderby:

na presseportal: Erklärung der Dortmunder Polizei nach Revierderby

Nun gut, so „fremd“ ist uns (allen) die Angelegenheit dann aber nicht, kennen wir doch nur zu gut, dass sich die Polizei keinerlei Fehler eingestehen mag oder kritikfähig ist (siehe hierzu auch Bremen – Hamburg* oder 1. FC Nürnberg – Bayern München**).

Besorgnis erregend ist jedoch, dass diese Stellungnahme nur so vor Arroganz, Ignoranz und Unwissenheit strotzt.
… da wird Populismus betrieben („Mehrere zehntausend friedliche Fans wurden durch Gewalttäter gefährdet“),
kriminalisiert (die freie Entscheidung und Wahl der Anreise zu einem unrechten Handeln deklariert)
Sachverhalte durcheinander gebracht (die Vorfälle an der Flora hatten rein gar nichts mit der Anreise der UGE zu tun, folglich kann die Stellungnahme der UGE auch gar nicht durch diese Videos wiederlegt werden)
… und haltlose Behauptungen ohne Belege aufgestellt („Die Taktik der Schalker Ultras hatte entgegen eigener Darstellung zum Ziel, polizeilicher Beobachtung und Begleitung zu entgehen, um die gewalttätige Auseinandersetzung mit Dortmunder Krawallmachern zu suchen.“).

Problem: Jemand, der sich nicht intensiver damit befasst (und das sind leider viele Zuschauer), wird diese – nennen wir sie – „unsauberen Äußerungen“ nicht hinterfragen bzw. hält sie für glaubhaft. Das weiß auch die Polizei und genau das nutzt sie auch aus. Ziemlich schäbig.
Gepaart mit dem alltäglichen (Fehl-)Verhalten eine gefährliche Mischung, oder?

Liebe Polizei und da wundert ihr euch, wenn euch der Hass mancherorts nur so entgegenschlägt? Da wundert ihr euch, wenn keiner mit euch reden will?
Doch mal ehrlich, was soll das ganze Gejammer, läuft doch alles nach Plan, oder?

Friedliche Anreise auch ohne Polizei – oder gerade deswegen
Friedliche Anreise auch ohne Polizei - oder gerade deswegen'

Siehe hierzu auch:
UGE: Keine Kriegserklärung an Polizei

* Beim Spiel Bremen – Hamburger SV 2010/2011 wurden sieben Fans verletzt (einer davon schwebte im Lebensgefahr), nachdem die Polizei eine Blocksperre verfügt hatte und es im engen Treppenaufgang zu einer Panik gekommen war. Die Polizei bestritt im Nachgang, jegliche Fehlervahlten, die Situation nicht richtig eingeschätzt zu haben, und wies die Verantwortung der verletzten Fans von sich.
Übrigens: Während der damalige Bremer Polizeisprecher von einem „ruhigen Derby“ sprach, bei dem 24 Personen (darunter 17 Polizisten) durch die Panik am Treppenaufgang verletzt wurden, bezeichnete NRW-Innenminister Ralf Jäger die Vorfälle vom vergangenen Revierderby als „schlimmste Ausschreitungen der deutschen Fußballgeschichte“. Die Zahl der Verletzten wird hier mit insgesamt 11 Personen (darunter 8 Polizisten) beziffert…
** Beim Spiel 1. FC Nürnberg – Bayern München 2009/2010 führte die Polizei die Münchner Zugfahrer direkt an der Nordkurve vorbei, obwohl – wie bei anderen Partien schon öfters praktiziert wurde – weitaus bessere Anreisealternativen wie über die Messe möglich gewesen wären. Es war für alle Beteiligten abzusehen, dass der Weg vorbei an der Nordkurve nicht ganz reibungslos verlaufen würde und so kam es schließlich auch. Dennoch konnte die Polizei keinen Fehler in der Einsatzstrategie erkennen. Komisch nur, dass dieser „Fehler“ der Polizei beim folgenden Derby nicht mehr unterlaufen ist…