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Paradebeispiel

Würden wir „Hobby-Journalisten“ von der Ya Basta!-Redaktion ein Sammelwerk herausbringen, in dem wir schlechte Berichterstattung rund um Fußballfans dokumentieren, der vorliegende Artikel aus der NZ dürfte nicht fehlen. Da wollen wir nun gar nicht über solche Feinheiten, wie den Umstand, dass der Begriff „Eventpublikum“ mit der aktiven Fanszene verknüpft wird, referieren. Ebenso sind wir es leid zu erörtern, dass es ohne sinnlose Material-Beschränkungen für die Stuttgarter Gäste wohl nie zu Auseinandersetzungen gekommen wäre.
Nein, kommentieren wir gleich was am meisten ins Auge sticht: „gewaltbereite Club-Anhänger, die der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind.“
Der vermeintlich seriöse Journalismus der heutigen Zeit, konnotiert offenbar mit dem Begriff „gewaltbereit“ fast schon automatisch Extremismus. Das passt scheinbar ganz gut: Fußball, Assisport, Proleten und Glatzköpfe. Soetwas lässt sich in den Köpfen vieler Gutmenschen schnell miteinander verbinden. Vermutlich muss der Autor ähnlich gedacht haben und packte die Zeilen promt, fettgedruckt in die Einleitung des Textes. Umso erstaunlicher ist es jedoch, dass im folgenden auf die Behauptung, die Nordkurve sei von Nazis unterwandert, nicht näher eingegangen wird. Schnell wird einem klar, was die Einleitung bezwecken sollte: es sollen einfach möglichst viele diesen Scheißdreck lesen.
Das hat ein Leser bereits sehr treffend kommentiert:

Ich finde es sehr schade, dass in dem Text nicht auf die rechtsextremen Nürnberger eingegangen wird. Stattdessen wird nur eine reisserische Überschrift fabriziert. Mich würde einmal interessieren woher die Meinung kommt. Natürlich widerspreche ich nicht, dass es sehr vereinzelt rechtsextremistische Clubfans gibt. Ich behaupte (Ohne wissenschaftliche Untersuchung) dass 1. die Ausländerfeindlichen Tendenzen in den letzten Jahren, bzw. Jahrzehnten auf ein Minimum reduziert wurde, von Steigenden Tendenzen kann keine Rede sein. Eine „Kollegin“ von der AZ hat einmal über einen Fanmarsch zum Derby gegen Fürth berichtet. Diese hat sich wenigstens noch die Mühe gemacht und versucht, das Bild einer Horde Glatzköpfen mit Fettbäuchen, die von Kopf bis Fuß mit Runen aus dem dritten Reich zutätowiert sind zu vermitteln. Dass Frau Will damals einen Teil zum Bankrott der Abendzeitung beigetragen hat, steht fest. (Mir sind sehr viele Abo-Kündigungen aufgrund dieses Berichtes bekannt.) Bitte schlagen Sie nicht in diese Kerbe und setzen weiterhin auf seriösen Journalismus.

Vielleicht ist es aber schlichtweg die neue Strategie der NZ, jetzt da die AZ endlich Geschichte ist, mal so richtig ordentlichen Boulevardjournalismus zu fabrizieren? Das wollen wir nicht hoffen.
Fakt ist aber, dass die Nordkurve nicht von Faschos unterwandert wird oder irgendwelche Überschneidungen bestehen. Dass auch rechte Personen zum FCN fahren, können wir nicht ausschließen. Innerhalb der Fanszene wurde ihnen in den vergangenen Jahren aber nie eine Plattform gewährt. Im Gegenteil, viele Glubberer, auch die Ya Basta!-Redaktion, haben sich seit jeher klar antirassistisch positioniert. Da ist es einfach nur traurig in regelmäßigen Abständen immer wieder dem rechten Rand zugeordnet zu werden. Scheinbar kommt aber keiner der entsprechenden Schreiberlinge auf die Idee, dass auch derartig falsche Aussagen in der Presse, Auslöser für ein rechtes Umwerben von Clubfans – wie vor kurzem etwa durch einen NPD-Stadtrat oder das Freie Netz Süd – sein können.

Aufwachen!

Angesichts solcher Meldungen kann einem schon etwas die Vorfreude auf die neue Saison vergehen…

Spiegel bestätigt RSH: Polizei steckt hinter Anwerbeversuch in Nürnberg

Mit V-Mann gegen die Nürnberger Ultraszene?

Neue Dimension erreicht

… Leute, aufwachen! Nun mag der ein oder andere ja immer noch über die Sicherheitslage im deutschen Fußball diskutieren, angesichts solch drastischer und zweifehlhafter Methoden müssen wir den Blick jedoch endlich gemeinsam in eine andere Richtung werfen, denn das geht eindeutig zu weit!
Wie lange sollen solche Maßnahmen noch unter dem Deckmantel der angeblich steigenen Fußballgewalt gerechtfertigt werden?

Hart, aber dumm

… so könnte man die Sendung, die gestern auf ARD zum Thema „Gewaltige Leidenschaft – wer schützt den Fußball vor seinen Fans?“ lief, auch nennen.
Wer sie verpasst hat, hat nix verpasst; für alle, die sich trotzdem mal belustigen, ärgern oder informieren wollen, dem hilft folgender Link weiter.

http://www.wdr.de/tv/hartaberfair/

Empfohlen sei an dieser Stelle aber auch gleich die entsprechende Kritik, veröffentlicht von Christian Ruf auf Spiegel Online. Christian Ruf hat sich ja mittlerweile durchaus einen Ruf (welch Kalauer!) gemacht, indem er sehr differenziert über die Ultrasbewegung berichtet und auch mal die Medienberichterstattung kritisiert. Es gibt also durchaus Ausnahmen unter der schreibenden Zunft – das soll ja gar nicht verheimlicht werden und es ist in der Tat schön zu sehen, dass es immer noch Redaktuere/Journalisten gibt, die sich nicht von der moral panic anstecken lassen, sondern ihre Sichtweise schildern, auch wenn sie damit von den „Kollegen“ wahrscheinlich diesselbe (gespielte) Empörung ernten. Es wird aber auch Zeit, dass sich die seriösen und echten Medien endlich deutlich vom Boulevard distanzieren, hehe!

Bengalische Wortgefechte
http://www.spiegel.de/kultur/tv/fussballgewalt-als-thema-bei-plasberg-a-834353.html

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Scheinheilige Welt

In Frankfurt wird derzeit über den Protest der Hertha gegen das Ergebnis des Relegationsspiels in Düsseldorf verhandelt. So sehr man auch Verständnis für die Berliner aufbringen mag (ja, es hätte noch alles passieren können und ja, es waren nach Wiederanpfiff andere Verhältnisse), so traurig ist es aber auch, wie bissig sich an diesen Strohhalm geklammert wird. Es wird deutlich, dass man jede Rolle spielt und einen Skandal schürt, den es so nicht gegeben hat, weil man glaubt, man habe dadurch bessere Chancen auf ein Wiederholungsspiel. Nicht ganz uninteressant sind in diesem Zusammenhang natürlich auch die Aussagen von Schiedsrichter Stark…

http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/569232/artikel_ich-hatte-angst_stark-belastet-hertha-profis-schwer.html

… sollte sich das bewahrheiten, wissen wir nun aber auch, wo der Skandal stattfand, über den sich die Medien & Gutmenschen schon seit Tagen echauffieren.

Und weil wir gerade bei diesem Thema sind und sich die Scheinheiligen & Moralapostel der Medienwelt immer noch echauffieren und im Recht fühlen, ein gutes Beispiel, warum das eben nicht so ist…

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Alles Randale

Es wundert uns sicher nicht mehr, dass nach Vorkommnissen wie sie vorgestern bei Fortuna vs. Hertha 90 Sekunden vor Abpfiff geschehen sind, reflexartig von Skandal, Schande und Chaoten gesprochen wird. Da haben die letzten Jahre, in denen gebetsmühlenartig immer wieder von einer neuen Dimension der Gewalt gepredigt und gewarnt wurde, ohne sich mit Ursachen und Hintergründen zu beschäftigen, eben ihre Spuren hinterlassen. Da darf man also nicht nachstehen, als „guter“ (Sport-) Journalist: Alles Randale!
Nachdenklich stimmt das aber trotzdem und angesichts der vielen Meldungen, die auf uns hereinprasseln, scheint es fast aussichtslos dieser Hysterie und Hetze entgegenzuwirken. Und dennoch liegen einem die Worte auf der Zunge und warten nur darauf, herausgeschrieen zu werden, zur großen Überraschung gibt es aber auch zwei sehr lesenswerte Artikel, die es lohnt, weiterzuverbreiten und mit denen vieles (nicht alles) gesagt sein dürfte!

In diesem Sinne: Weiterleiten und entgegenwirken – auch wenn es aussichtslos erscheint!

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Presseschau
Zwischen Propaganda und Doppelmoral

Wie Medien und der Repressionsapparat funktionieren und warum sie so funktionieren, brauchen wir ja nicht nochmal erläutern. Es ist nur jeden Tag aufs Neue traurig mit anzusehen, dass so etwas funktioniert…

So ist es alleine ja schon erschreckend, welche Maßnahmen ergriffen werden, noch erschreckender ist jedoch die Art & Weise wie sie verbreitet werden. Beispiel gefällig?

Erfolgreiche Großübung: Mit harter Hand gegen Hooligans
http://www.mainpost.de/regional/franken/Erfolgreiche-Grossuebung-Mit-harter-Hand-gegen-Hooligans;art1727,6739520

… geht eigentlich kommentarlos durch, aber schaut euchunbedingt das Video dieser realitätsnahen Großübung an und Vorsicht! Polizisten in Szenekleidung wie im Video gesehen (im T-Shirt der Münchner Südkurve) sind leider die Realität – ob in der eigenen oder gegnerischen Kurve, diese Verkleidung erfüllt ihren perfiden Zweck!

Ein Klassiker ist aber natürlich auch das Zusammenspiel „Überschrift/Inhalt“. Beispiel gefällig?

Polizei stoppt randalierende Fußballfans
http://www.mainpost.de/regional/main-spessart/main-spessart/art129810,6744581

… meine Güte, was wurde die Bevölkerung bei dieser Head in Angst & Schrecken versetzt?! Randalierende Fußballfans ziehen wieder durchs Land – und wie! Aber Gott sei Dank gibt es die deutsche Polizei, die rigoros gegen solche Unmenschen vorgeht. Die Fotos der Tatverdächtigen wurden indes dem Verkehrsschild zur Identifizierung vorgelgt. Doch jenes schweigt.

Fantastisch zu lesen sind auch immer wieder Kommentare von irgendwelchen (Sport)-Journalisten zu fanpoltischen Themen. Kommentare haben ja den Vorteil, dass man keine Ahnung haben braucht und nichts recherchieren muss, sondern dafür nur seine persönliche Meinung sagen muss. Beispiel…

Das doppelte Zeichen der St. Pauli-Ultras
http://www.kicker.de/news/fussball/2bundesliga/startseite/567916/artikel_das-doppelte-zeichen-der-st-pauli-ultras.html

… das ist so der typsiche Beißreflex eines Journalisten, der die Ultras nicht leiden kann und bei einem Boykott (ganz gleich, aus welchen Grund) seine Chance wittert. Schließlich hat man als Fan IMMER das Spiel seiner Manschaft zu besuchen und für Stimmung zu sorgen. Wer den Support oder sogar ein Spiel boykottiert, stellt sich dagegen nur selbst dar. Klar doch, man hat ja auch soviel davon – allen voran drittklassige Kommentare. Und natürlich muss man auch noch das Klischee des spiel(un)bezogenen Supports bedienen. Obs nun stimmt oder nicht, aber bei einem 3:0 Heimsieg wäre wohl kein Support spielunabhängig gewesen. Die ist immer doch meistens nur bei Niederlagen schlecht/schuld/unpassend. Überhaupt: Warum meinen immer wieder Personen (wie Journalisten, Funktionäre oder auch Tribünen-Publikum), die keine Stimmung machen, denjenigen erkären zu müssen, die Stimmung machen, wie die Stimmung zu sein hat?

Und dann gab es diese Woche ja noch unzählige Berichte über die Geschehnisse in Genua

… und plötzlich wusste wieder jeder etwas Belehrbares über die Unbelehrbaren zu berichten. Interessant waren da auch nur die Szenen, wie & warum es dazugekommen ist, was dahinter steckte, all das können Leute, für die ein Fußballspiel vergleichbar mit einem Theaterbesuch ist, freilich nicht nachvollziehen. Aber man muss nicht alles, was man nicht versteht, oberflächlich betrachten und auf Randale reduzieren. Es sei denn natürlich, es steckt ein System dahinter…

Dumm nur, dass man sich dann immer wieder dabei ertappen muss, wie man manche Dinge dann doch nicht so schlecht findet – wie Pyrotechnik. So durfte man nach der Meisterfeier von Dortmund, dem Aufstieg von Frankfurt und dem CL-Einzug von München immer wieder Pyro-Party-Bilder sehen oder von „Autokorsos, Hupkonzerten und sogar Feuerwerkesraketen“ lesen/hören.

Ach, es kotzt uns nur noch an, was tatgtäglich für eine Show abgezogen wird, wie sich Dinge zurecht gedreht werden, dass sie einem passen und dabei eine Kultur in den Dreck gezogen wird, die aufrichtiger und erstrebenswerter ist, als diese scheinheilige Welt da draußen!

Gilt übrigens nicht nur für Fußballfans/Ultras…

Versuchter Totschlag an Polizisten? Demonstrant in Haft
http://www.nordbayern.de/region/nuernberg/versuchter-totschlag-an-polizisten-demonstrant-in-haft-1.2022089

… das war das Beispiel „zweierlei Maß“, wobei sich ja auch für die Staatsanwaltschaft die Frage stellen sollte, ob man denn bitte ernsthaft den Tod billigend in Kauf nimmt, wenn man mit einem Fahnenstecken einem schwer gepanzerten Polizisten gegenübersteht.

Aber weil sich bei dem Gedanken, auf der guten Seite des Lebens zu stehen, schlagartig die Stimmung hebt, folgend noch zwei Pyro-Videos, die eindrucksvoll dokumentieren, warum dieses Stilmittel in die Kurven gehört und dass man das Richtige tut!

Presseschau
Leidenschaftliche Klatschpappen

Nun gab es in den letzten Wochen ja genügend Anlässe, den alltäglichen Pressewahnsinn zu kommentieren, wir kommen nur einfach nicht dazu. In der kommenden Ya Basta! Ausgabe haben wir daher einen größeren Artikel dem Thema „Strafen durch den DFB“, welches momentan in verschiedenen Auswüchsen durch die Medien geistert, gewidmet. An dieser Stelle bleibt daher Zeit und Raum für die kleinen Dinge, für die wir kein Papier verschwenden wollen, aber dennoch gesagt werden müssen.
… wie das Eigentor, das sich Uli Digmayer von der NZ schoss, als er zum Glubbspiel in Freiburg folgendes zur Stimmung im Dreisamstadion verfasste:

Leidenschaftlich angefeuert übrigens von Fans, die sich bei ihrem Support nicht nur auf monotonen „Allez, Allez“-Singsang beschränken.

Nun liegt es uns fern, einmal mehr auf die Diskussion zum Thema „Allez, Allez-Singsang“ einzugehen, zu eintönig sind die Gegenargumente und für gewöhnlich wird der Gegenüber auch stur auf seinem Meinungsbild beharren. Ist ja auch sein gutes Recht und hätte es sich nicht ausgerechnet um jenes Spiel in Freiburg gehandelt, so hätte man diese Aussage auch unkommentiert zur Kenntnis nehmen können, denn auch wenn es einem nicht gefällt, gibt es fast überall eben unterschiedliche Ansichten und Meinungen – so auch beim Thema „Support“. Im vorliegenden Fall kann diese jedoch kaum mehr ernstgenommen werden, wenn tatsächlich von einer leidenschaftlichen Anfeuerung der Freiburger geschrieben wird. Das, was nämlich – v.a. in der zweiten Halbzeit – vom Freiburger Publikum (und dieses Wort wurde bewusst gewählt) kam, hatte mit Leidenschaft und Fußballatmosphäre gar nichts zu tun. Monotones Heulen von Klatschpappen in nervtötender Lautstärke, eine Animation, gekünstelt und produziert. Man hätte auch etwas aus einer Anlage einspielen können, aber das war weder ein italienischer Tifo noch ein britischer Roar und ganz sicher keine leidenschaftliche Anfeuerung.
So erweckt diese Aussage lediglich den Eindruck, mal wieder gegen den „Allez, Allez-Singsang“ (und damit die Ultras) zu wettern, wobei man sich bei dieser Polemik dann auch nicht mehr wundern braucht, wenn jegliche (auch kunstruktive) Kritik zum Thema „(Dauer-) Support“ abprallt. Schade! Schließlich wird auch jeder Nürnberger, der in Freiburg war, ein gänzlich anderes Stimmungsbild im Kopf haben…!

Club: Gefühlte Niederlage trübte die Feiertage

Presseschau
11 Freunde und Krawalle

Eigentlich sollte es das Magazin 11 Freunde besser wissen, doch lieferte man stattdessen mit folgender News ein Paradebeispiel ab, wie man falsche Eindrücke schafft:

Zur Meldung „Krawalle bei Zweitligaspiel in Bochum“ zeigte man dieses Bild…

… überflüssig zu erwähnen, dass auf diesem Bild gar keine Randale zu sehen sind und es in dem Artikel auch überhaupt nicht um Pyro geht. Aber, es genügt dem Magazin dieses Bild als Synonym für Gewalt zu nehmen, womit man der Leserschaft suggeriert, wie böse Pyrotechnik doch ist. Unterirdisch schlecht.

Eine andere Welt

Eine krasse Doku, die uns eine andere Welt zeigt…

… und was das mit Fußball zu tun hat, erfahrt ihr am Ende der Reportage!

Neue Dimension der Gewalt in Italien

Presseschau ZDF Sportstudio vom 14.01.2012

Man weiß ja im Vorfeld nie so recht, was einen erwartet, wenn sich TV-Anstalten mit dem Thema Fußballfans beschäftigen.
Überraschend gut ist dies dem ZDF Sportstudio gelungen, was mitunter auch an der Auswahl der Gäste und der objektiven Herangehensweise lag, lediglich (welch Überraschung!) der Polizei-Gewerkschaftler fiel etwas aus der Reihe. Während jeder differenziert die Situation betrachtete, verharrte jener starr auf seinen Positionen und zeigte damit nur, dass die Polizei mittlerweile in ihrer eigenen Welt lebt, fernab der Stadionrealität. Trotzdem (oder auch gerade deswegen) lohnt es sich allemal die Videos anzuschauen und zu verbreiten

Streitthema Pyrotechnik
Ultras – Fans oder Fanatiker
Neue Dimension der Gewalt

Schuldig!

Auch am heutigen Montag drehen sich unsere Gedanken immer noch um die Tragödie von Samstag Abend, während sich im Internet munter das Maul zerissen wird. Seien es diverse Blogs, Presseportale, Foren oder Kommentare. Was dort behauptet wird und wie viele sich ein Urteil trotz unklarer Faktenlage bilden, ist beschämend und schockierend. Immerhin gibt es auch eine Gegenseite, die laut zurückschreit, weil es einfach zu offensichtlich ist, wie das System Politik-Presse-Gutmensch „funktioniert“, und in der Presse mittlerweile einige, sachlichere Artikel. Wir verweisen an dieser Stelle auf ein Interview mit Martin Bader auf http://www.fcn.de/news/artikel/zu-sachlichkeit-zurueckkehren oder auch auf einen Artikel der NN, der im Vergleich zur ersten Berichterstattung deutlich zurückrudert und auch die Stellungnahme der BDA mit einfließen lässt, siehe http://www.nordbayern.de/region/nuernberg/verletzter-club-fan-zeugen-sprechen-von-unfall-1.1673528. In der Gesamtheit zeichnet sich jedoch mal wieder ein verherrendes Bild der deutschen Presse in ihrer Jagd nach Schlagzeilen und Skandalen ab.

Machen wir etwas ganz Verrücktes!

Versetzen wir uns in die Situation, zum Beispiel der Eltern. Es ist Samstag Abend, man lässt den Tag ausklingen, entspannt sich – was auch immer. Dann der Anruf mit der Schreckensnachricht. Ungewissheit. Sorge. Panik. Man setzt sich ins Auto, brettert die Kilometer nach Köln hinunter, obwohl man gar nicht dazu in der Lage ist. Man hofft, man bangt und stellt sich viele Fragen. Nach der Notoperation ist klar: Er lebt, aber ein Arm ist verloren, ein noch so junges Leben wird auf eine harte Probe gestellt und das der Eltern mit dazu. Auch die Verwandten sind besorgt und es ist völlig egal, wie oder warum es passiert ist. Man ist bei ihm.
Nach einer schlaflosen Nacht verbreitet sich am Morgen, an dem alles noch so unwirklich erscheint, die Nachricht, dass es sich bei dem Opfer um einen polizeibekannten Hooligan handeln soll, der zuvor in eine Auseinandersetzung verwickelt war. Dabei ist völlig unklar, wieso der 19-Jährige ein Hooligan sein soll. Gestützt wird dies durch einen Eintrag in der Datei „Gewalttäter Sport“. Aha. Diese Datei, die zurecht von Fans und Juristen angeprangert wird, ist also der Auslöser. In ihr gespeichert sind 17.377 Personen (Stand November 2011), über 4.000 Einträge kamen in den letzten 12 Monaten hinzu. Und hinein kommt man leichter, als in ein Fußballstadion. Es genügt eine Personalienfeststellung, ein Verdacht, eine Beleidigung oder ein Platzverweise. Ganz banale Dinge, die jeden Auswärtsfahrer treffen können. Ja, es hat auch André getroffen. Er ist in dieser Datei gepeichert aufgrund eines Vorfalls, welcher jedoch mit einem Freispruch erster Klasse endete. Unschuldig! Juristisch ist der junge Mann völlig rehabilitiert, ohne Eintrag. Das bestätigten mittlerweile verschiedene Stellen. Der Verweis in der Datei „Gewalttäter Sport“ bleibt jedoch, für 5 (!) Jahre. Nun hätte man diesen Eintrag aufgrund des Freispruchs auch löschen lassen können, wenn man jedoch gar nicht weiß, dass man darin gespeichert ist, wird das schwierig. Und so macht sich die Lüge vom Hooligan durch die Welt, verbreitet durch unwissende Journalisten, denen es auch scheiß egal ist, was die Eltern, Verwandten und das Opfer an diesem, nächsten Morgen zu lesen bekommen. Und überhaupt: Wer sagt, dass André überhaupt aktiv in dieser Situation überhaupt aktiv beteiligt war? Vielleicht wollte er schlichten, vielleicht wollte er allem aus dem Weg gehen, vielleicht war er zur falschen Zeit am falschen Ort. Wir wissen es nicht und wir werden es wohl auch nie erfahren. Und wenn doch, wird es keinem mehr interessieren, weil sich die Lügen zuvor schon verbreitet und in Köpfe verankert haben. Ebenso wenig wissen wir etwas über den Täter oder die Schuldfrage. Dieses Urteil steht uns bei einer solchen Faktenlage nicht zu. Niemandem!

Nun, vielleicht können wir nicht verlangen, dass sich ein einfacher Journalist vorher diese Gedanken macht. Wir können es nicht verlangen, dass er sich in die Lage der Eltern versetzt. Es ist für ihn nur eine Nachricht, die soviele Gefühle auslöst wie der Aktienkurs der Firma XY. Und schließlich muss er ja Schlagzeilen produzieren, das ist sein scheiß Job! Nein, Mitgefühl, Empathie und Menschlichkeit können wir nicht verlangen.

Wir können aber verlangen, dass er weiß, welche Tragweite seine diffamierenden Worte haben werden! Wir können verlangen, dass er weiß, welches Verbrechen er begeht!
Und dafür sprechen wir EUCH ALLE schuldig, die per Blog, Forum, Presseartikel oder Kommentarfenster Unwahrheiten ablassen!

An dieser Stelle wollen wir noch ausdrücklich auf die Stellungnahme und Forderung der Rot-Schwarzen Hilfe verweisen: Diffamierende Berichterstattung

Übrigens: Natürlich muss man innerhalb der Nürnberger Fanszene, vielleicht sogar in ganz Deutschland, diesen Vorfall reflektieren und sich damit auseinandersetzen, wie es überhaupt dazu kommen konnte. Das steht jedoch auf einem ganz anderen Blatt und wird auch geschehen. Ohne frei von Schuld zu sein, hier geht es jedoch einzig und allein um die Berichterstattung sowie die Kategorisierung in gute und schlechte Menschen…

Darf der das?

Ja, darf er!
… auch wenn die BILD mal wieder die Empörten und Moralapostel spielt:

ZDF-Kommentator: „Ich persönlich hab nix gegen Pyro“

http://www.bild.de/sport/fussball/oliver-schmidt/zdf-kommentator-hat-nichts-gegen-pyrotechnik-20423458.bild.html

… immerhin ein paar schöne Bilder und eine interessante Umfrage.

Spielfreies Wochenende?

Tja, ausruhen gilt nicht und so war auch an diesen spielfreien Tagen wieder ordentlich Programm geboten.

Los gings mit den Tobi-Solitagen in Röttenbach. Irre, was dort auf die Beine gestellt wurde und es ist einfach ein gutes Gefühl zu helfen und Solidarität zu zeigen. Danke an alle Helfer, Bands, Organisatoren, Freunde, Besucher und alle anderen, es war überwältigend! Auf gehts Tobi kämpfen und siegen!

Am Sonntag stand schließlich noch die Jahreshauptversammlung des FCN an, die aus Fansicht ebenfalls zufriedenstellend verlaufen ist. So erwirtschaftete der Verein im vergangenen Geschäftsjahr einen Überschuß von 4,3 Millionen, außerdem konnten sämtliche Bankverbindlichkeiten von 2,6 Millionen getilgt werden. Gekrönt wurde das Wochenende schließlich noch vom Wahlerfolg unseres Fankandidaten für den Aufsichtsrat. Mit einem respektablen Ergbnis zog Chris Ehrenberg in den AR ein und für uns Fans ist es natürlich eine riesen Geschichte nun über zwei Personen mit diesem Gremium verbunden zu sein!

Nachtrag:
Ein wieder mal schändliches Beispiel für den Skandaljournalismus der heutigen Zeit kommt von der BILD… Sicher, kaum einer wird das ernst nehmen, dennoch gibt es noch genügend Leser, die einfach keine/zu wenig Ahnung haben und denen so ein völlig falscher (erster) Eindruck vermittelt wird. Aber selber schuld, wer der BILD glaubt…
Aber hey, unter uns, die Schlagzeile ist schon geil!

Tobi-Benefiztage
TV Bericht

Diese Hilfs­be­reit­schaft sucht in Bay­ern ihres­glei­chen: Nach dem tra­gi­schen Unfall des damals 18-​​Jährigen kämp­fen Fuß­ball­fans und die Firma des Jun­gen um seine Zukunft.

Zum Video

Tobi aus Adels­dorf in Mit­tel­fran­ken: Im Juli 2010 war der letzte Tag sei­ner Aus­bil­dung und der Tag, der sein Leben und das sei­ner Fami­lie von Grund auf ver­än­dern sollte. Der Junge hatte einen schwe­ren Auto­un­fall. Erst nach Stun­den wurde er mit einem Schädel-​​Hirn-​​Trauma in sei­nem Auto gefun­den. 30 Wochen im Kran­ken­haus folg­ten. Bis heute kann der jetzt 19-​​Jährige noch immer kaum lau­fen, kaum reden.

Die Kos­ten für The­ra­pien und den behin­dert­ge­rech­ten Umbau des Eltern­hau­ses haben die Reser­ven der Fami­lie nahezu auf­ge­braucht.
Doch Tobi und seine Fami­lie kön­nen auf fast unglaub­li­che Hilfs­be­reit­schaft ver­trauen: Tobis Fan-​​Kollegen von „Rot-​​Schwarz Fran­ken­stolz Adels­dorf 03“ und die Nürn­ber­ger „Ultras“, aber auch Part­ner­ver­eine sam­mel­ten Geld für The­ra­pien und Hilfs­mit­tel. Spie­ler des FC Nürn­bergs selbst lie­ßen sich beim Auf­wär­men in „Für Tobi“-T-Shirts foto­gra­fie­ren.
Und: Tobis ehe­ma­li­ger Betrieb, der Maler– und Gerüst­bau­be­trieb Dausch Dausch, hat für die­ses Wochen­ende eine große Bene­fiz­ak­tion auf die Beine gestellt. Bands wie „Justice“ und „Appen­dix“ wer­den auf­tre­ten. Stars vom Club, Raphael Schä­fer und Chris­tian Eig­ler, waren schon da und haben Auto­gramme geschrie­ben. Für jede Spende gibt es außer­ge­wöhn­li­che Preise, die zahl­rei­che Fir­men und Pri­vat­leute zur Ver­fü­gung gestellt haben.

Tobi hat noch einen lan­gen Kampf vor sich. Aber dank der Hilfe hat er dafür immer noch Kraft.

Quelle: http://www.sat1bayern.de/news/tobi-aus-adelsdorf-so-kaempfen-seine-freunde