Archiv der Kategorie '5│ lesenswert'

Rückkehr des streunenden Köters

Unsere Kollegen vom Daggl bringen ihr neues Heft an den Start. Holt euch den Schinken und unterstützt die Nürnberger Fanzine-Kultur! – Außerdem gibt es auch noch einige Exemplare von Rot-schwarz am Bosporus, ebenfalls für 3,50 Euro rund um den Eingang Nordkurve und am UN-Container.

Der Köter wird freigelassen und wartet auf seine neuen Herrchen und Frauchen. Zu erwerben gibt es den Vierbeiner folgendermaßen:

- beim Heimspiel des FCN gegen Duisburg im Handverkauf. Unsere Verkäufer stehen nach den Kontrollen am Eingang-Nord und am Eingang Nord-West.

- zum Heimspiel der U21 am Montag, den 11.4, gegen Bayern München II.

- per Bestellung unter dagglmania@gmail.com / 3,50 pro Ausgabe zzgl. Versand.

- im Shop unter www.nofb-shop.de und bald auch im Shop unter www.blickfang-ultra.de

Inhalt:

Pünktlich zur Jubiläumsausgabe geht es auch sportlich beim geilsten Verein der Welt wieder bergauf. Der Aufstieg ist in erreichbarer Nähe, wenngleich sich abzeichnet, dass wir ein drittes mal seit Wiedereinführung der Relegation in die Verlängerung gehen dürfen. So erfreulich der sportliche Erfolg auch sein mag, im Kampf um die längst überfällige offizielle Korrektur des Stadionnamens in Max-Morlock-Stadion wird es uns gerade jetzt zum anstehenden Ende des derzeitigen Sponsoren-Vertrags weniger helfen. Aber da der Daggl in diesem Bezug ein echter Kampfhund ist, wird er auch weiterhin sein Revier vor daherkommenden Investoren verteidigen. Denn Aufgeben ist nicht unsere Hundewiese und so landete dieses Thema folgerichtig auch auf dem Titelcover.

In Ausgabe zehn gibt es wie gewohnt wieder allerhand Geschichten zu den Orten, an denen der Daggl zwischen April und November 2015 markiert hat. Nebst wie gewohnt aller Glubb-Spiele ging es quer durch Europa nach Serbien, Italien, Frankreich, Tschechien, Ungarn, Rumänien und Dänemark, auch mal auf die ein oder andere Insel (England, Schottland, Wales, Irland und die Färöer), in die Schweiz und ins Kaukasus-Dreieck nach Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Aber auch außerhalb der UEFA-Länder wurde wieder geschnüffelt und gewittert, diesmal in Tansania und Kenia und das Sultanat Oman sollte gar ein zweites mal in der Geschichte dieser Postille besucht werden.

In der Jubiläumsausgabe lassen wir uns freilich nicht lumpen und legen wieder mal einige Seiten oben drauf, sodass auch noch Platz war für den beliebten Monatsrückblick, der Rubrik „Der Glubb is a Depp“ (diesmal die Busodyssee von Rostock ‚99) und die Fanzine-Reviews bleibt. Bei den Club Classics geht es diesmal zurück bis in die Saison 1979/80 sowie zu einem Heimspiel vor 24 Jahren, der Abschied des großartigen Bazaly-Stadions in Ostrava wird thematisiert und für Statistik-Fans wurde in mühseliger Arbeit auch gesorgt: Alle Daten und Fakten von zehn Ausgaben „Der Daggl“ auf einen Blick.

188 Seiten sind es so geworden, fast schon ein Taschenbuch. Das sollte doch genügen als Lektüre bis zum Aufstieg. Dann lesen wir uns wieder.

Bis dahin: ALLES FÜR DEN DAGGL! MAX-MORLOCK-STADION JETZT!!!“

Daggl Ausgabe 10

Nächste Runde: Red Bull

Den Freunden der Tastatur aus Leipzig juckt es sicherlich schon in den Fingern; wir tun ihnen und den Kommentarspalten gerne den Gefallen. – Nächste Woche spielt der 1.FCN zum vierten Mal gegen Red Bull Leipzig: Zeit für eine erneute inhaltliche Auseinandersetzung.

Dieses Mal wollen wir auf einen guten Text verweisen, den vor kurzem die Corillos aus Freiburg veröffentlicht haben. Sehr ausführlich, doch inhaltlich gelungen, inklusive interessanter Ansätze, die fast deckungsgleich auch auf Nürnberg anwendbar sind.

Doch wo war in den vergangenen Jahren das Aufbäumen der (kleinen) Vereine? Immer mehr Vereine haben ihre Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert. In der Bundesliga spielen größtenteils nicht mehr eingetragene Vereine, als Zusammenschluss vieler verschiedener Menschen, sondern (gewinnorientierte) Unternehmen. Auch wenn wir diese Entwicklung sehr kritisch sehen, spielen wir dieses Spiel einmal mit und stellen einen einfachen Vergleich zur Wirtschaft her.

Hier steht ein Unternehmen im ständigen Wettbewerb zu anderen Unternehmen. Dringt nun ein neues Unternehmen von außen in den Markt, erhöht sich der Wettbewerb. In diesem Fall verstärkt sich die Konkurrenzsituation innerhalb des Marktes und der Kampf um das Überleben beginnt. Ist ein Unternehmen nicht innovativ genug oder hat verglichen mit den anderen deutlich geringere finanzielle Mittel, droht der Verlust von Arbeitsplätzen oder gar das Aus.

Beim Sport-Club sind unsere Innovationen im übertragenen Sinne die Fußballschule, die immer wieder neue Talente zum Vorschein bringt. RB ist ein neuer Wettbewerber auf dem Markt, der eigentlich aus einer ganz anderen Branche kommt. Dadurch hat RB, wie wir alle wissen, deutlich mehr finanzielle Mittel, die unsere „Innovationen“ in den Schatten stellen.

Langfristig werden wir uns als Sport-Club gegen diesen Wettbewerber nicht durchsetzen können. Dies gilt nicht nur für den Sport-Club, sondern auch für den Großteil der anderen Bundesligaclubs. Werfen wir wieder einen Blick auf die Wirtschaft. Tritt ein finanziell übermächtiges Unternehmen in einen neuen Markt, würden die anderen Unternehmen versuchen, dies zu verhindern. Denn sie wissen, dass der neue Wettbewerber ihre Existenz gefährdet. In der Regel ist es jedoch sehr schwer dies zu verhindern. Doch in unserem Beispiel wäre es durchaus möglich gewesen. Denn in der DFL regeln die Vereine ihren „Fußballmarkt“ in erster Linie selbst und machen ihre eigenen Regeln. Doch in dieser Richtung ist kaum etwas geschehen. Schade.

Zum gesamten Text: Red Bull und der Fußball

Sik tir, Red Bull!

Ya Basta! präsentiert: Rot-schwarz am Bosporus

Ein Mitglied unserer Redaktion verbrachte vergangenes Jahr fünf Monate in der Türkei. Entstanden ist ein kleines Fanzine: „Istanbul’da kirmizi-siyah – Rot-schwarz am Bosporus“. Das Heft ist eine Mischung aus Tagebuch und Hoppingheft über Fußball, Leben und Kultur in Anatolien. 172 Seiten, DinA5. Bereits in den kommenden Tagen erhältlich in den Shops von NOFB und BFU; oder beim nächsten Heimspiel gegen Red Bull für 3,50 Euro am UN-Container.

„Von Februar bis Juli 2015 habe ich knapp fünf Monate für ein Erasmussemester in Istanbul gelebt. Fünf Mal wöchentlich habe ich meine Wohnungstür in Richtung Uni verlassen. Die restliche Zeit verblieb für mein Hobby und ewige Konstante: König Fußball. Bis zum Saisonende Anfang Juni habe ich 20 Spiele, davon 19 in der Türkei und eines in Griechenland, besucht. In luxuriösen Arenen und baufälligen Bruchbuden; in Vorstadtmilieus und malerischen Landschaften. Die gewonnenen Erfahrungen möchte ich gerne mit euch teilen.“

Cover-Rot schwarz am Bosporus

**Leseprobe**

Ich setze mir den Schuss / 26.5.2015

Morgens hatte ich meinen Kumpel Victor erfolgreich Richtung Flughafen manövriert. Nach der anschließenden Vorlesung hatte ich mir fest vorgenommen einen Abend für die Uni und liegengebliebene Arbeit zu investieren. Dann wanderte mein Blick auf Mackolik. Es war bereits Saisonende, wahrscheinlich würde es nicht mehr viel zu sehen geben. Ich wurde eines besseren belehrt: Istanbulspor spielte gegen Çorum im Relegationsfinale für den Aufstieg in die 2. Lig. Ich checkte die Karte: Istanbulspor spielt normalerweise in Bahçelievler, nahe des Atatürk-Flughafens. Würde ich direkt aufbrechen, könnte ich mit leichter Verspätung dort sein. Dann wäre jedoch nicht sichergestellt, ob ich ein Ticket bekäme. Bei Pendik in der Vorwoche hatte es nicht geklappt. – Mein Kopf sagte „nein“, doch der Drang war stärker. Ich fotografierte mir die Karte ab und verließ fluchtartig die Wohnung. (mehr…)

Keine Derbychoreo

Nordkurve Nürnberg,

in den letzten Wochen und Monaten ist in uns eine Entscheidung gereift, die uns wahrlich schwer gefallen ist, im Hinblick auf die Zukunft einer freien und bunten Kurve jedoch nicht anders zu fällen war:

Beim kommenden Derby am 26.02.2016 wird es in der Nordkurve keine Choreographie geben.

Die Gründe dafür finden sich in zwei Ereignissen der jüngeren Vergangenheit, durch die jeweils von außen versucht wurde, die Choreographien der Fangruppen massiv zu reglemetieren und zu steuern.

1) Choreoverbot aufgrund einer DFB-Strafe im Herbst 2015

Ein Novum und gleichzeitig einen Tabubruch stellte das Eingreifen des DFB in die freie und kreative Entfaltung der Kurve dar. Für weiteren Missmut sorgte die Tatsache, dass sich auch der eigene Verein sehr zufrieden mit dieser Maßnahme zeigte. Nun ist die Strafe abgelaufen und wir „dürfen“ wieder. Doch wenn offenbar der eigene Verein selbst kein Interesse an einer bunten Kurve hat, sie reglementiert und darauf verzichten kann, für wen sollen wir dann die Choreographien machen?

2) Gemeinsame Erklärung des 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth im Sommer 2015

Bereits vor dem Hinspiel gaben beide Vereine bekannt, Gästechoreographien zu verbieten und nur eine kleine Auswahl an Fanmaterialien zuzulassen. Diesen Maßnahmen wollen wir nicht stillschweigend trotzen, sondern müssen eindeutig Stellung beziehen.

Fanchoreographien auf beiden Seiten ohne Einschränkungen und ohne wenn und aber müssen selbstverständlich und unantasbar für das traditionsreichste Derby in Deutschland sein!

Schon beim Hinspiel war uns dieser Umstand ein Dorn im Auge, was auch durch die Aktion im Gästeblock thematisiert wurde. Ein nachhaltiger Protest, wie er nötig gewesen wäre, blieb jedoch aus – auch aufgrund der Untätigkeit der Gegenseite, auf der eitel Sonnenschein herrschte. Eine Tatsache, die sich im Rückspiel nicht wiederholen darf!

In einem Gespräch mit Vereinsvertretern baten wir um die Aufhebung der Materialbeschränkungen im Gästebereich. Leider ohne Erfolg. Das müssen wir akzeptieren, allerdings nicht ohne die Konsequenz unter all diesen Umständen selbst auf ein Choreographie zu verzichten, um somit ein nachhaltiges Zeichen zu setzen.

Uns ist es wichtiger mit dieser drastischen (und hoffentlich einmaligen) Reaktion das Bewusstein für eine selbstbestimmte Kurve zu sensibilisieren als mit einem bunten, vergänglichen Kurvenbild den tollen Schein aufrecht zu erhalten.

Ein zweites Mal in so kurzer Zeit stellt sich uns also die Frage: Für wen?
Natürlich tun wir das auch für uns selbst. Für unsere Kurve. Für uns Fans. Es bereitet uns Freude. All das tun wir jedoch immer im Namen unseres Vereins, der offensichtlich nicht verstanden hat, dass ihn diese Kultur ausmacht. Und da ist er leider nicht der einzige Verein.

Ultras Nürnberg, 14.02.2016

Ya Basta! #45 gegen Hertha

Ärgerlich: Wie wir heute erfahren haben, schafft es unser Heft erst am Montag aus der Druckerei. Das Ya Basta! #45 erscheint also erst am Mittwoch zum Pokalfight gegen Hertha. Tut uns leid, da waren wir etwas zu optimistisch. Wir hoffen, dass ihr nächste Woche trotzdem die Einkäufswägen stürmt. Gerne könnt ihr euch ein paar Hefte mehr holen. So eine Ausgabe macht sich mit Sicherheit auch gut unter dem Weihnachtsbaum!

Ya Basta! #45 gegen Hertha

Ya Basta! #45 out now

Keine Rast, keine Verschnaufpause. Die Saison nimmt Fahrt auf, der Glubb bläst zum Sturm auf die Liga und knapp einen Monat nach unserem letzten Heft gibt es bereits am Sonntag das Ya Basta! #45. Zum Heimspiel gegen Freiburg erhaltet ihr die neueste Ausgabe unseres Magazins; wie gewohnt für 4 Euro, rund um die Nordkurve.

Ya Basta! #45 Cover

Für den Titel haben wir seit längerer Zeit mal wieder ausführlich mit der Rot-Schwarzen Hilfe gequatscht. Da wir schon dabei waren, haben wir auch außerhalb Nürnbergs nachgefragt, wie der Status Quo ist rund um die Fanhilfen. Außerdem erwarten euch auf dieses Mal 132 Seiten folgende Themen:

★ Im Fokus: Sei so gut und rede mir nicht von Revolution!
★ Im Gespräch: Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Grethlein
★ Greatest Moments: Die Spielerrevolte 1984/85
★ Auswärtsblock: Das Clasico in Montevideo / Uruguay
★ Fight modern Football: Blatter, Beckenbauer und andere Betrüger
★ Staatsfeinde: Vorratsdatenspeicherung und die Furcht vor Freiheit
★ Meine Stadt: Von der „SS-Kaserne“ zum „Z-Bau“

Als kleinen Vorgeschmack gibt es dieses Mal einen Kommentar zum Choreoverbot des Vereins und DFBs gegen die Nordkurve Nürnberg:
Leseprobe: Ya Basta! #45 – Choreoverbot Kommentar

Der Daggl #9 erhältlich

Unser Köter ist mit 172 Seiten so fett wie niemals zuvor. Egal ob Gebolze aus exotischen Ecken dieses Planeten, der Zweitliga Alltag des FCN oder Unterklassiges Geholze in Tschechien. Der Daggl war wieder viel Unterwegs, dazu gibt es natürlich die bekannten Rubriken und sonstiges Gedöns. Außerdem kommt der Daggl vom Rakı gezeichnet aus der Türkei zurück und liefert Eindrücke von den Schauplätzen der ‚Ayaktakımı‘-Macher.

Der Inhalt:

• Alles vom Glubb von November bis April
• Spielberichte aus Frankreich, Schweiz, Sri Lanka, Malediven, England, Österreich, Tschechien, Türkei, Polen, Slowenien, Kroatien, Deutschland, Marokko, Nordirland, Gibraltar, Spanien, Georgien
• Monatsrückblick
• Glubb Classics
• Fanzine Vorstellung ‚Hefdla‘
• Der Glubb is A Depp, wir sind der Glubb
• Oh Glubb – Raritäten und Kurioses
• Fanzine Reviews
• Bericht zur ‚Absstiegsspiel‘ Lesung von Bernd Weikinat

Der Preis liegt bei 3,50 pro Ausgabe. Erwerben könnt ihr den Köter folgendermaßen:

- beim Heimspiel gegen Braunschweig im Handverkauf
- unter dagglmania.gmail.com
- www.nofb-shop.de oder unter www.blickfang-ultra.de

Der Daggl #9

Ya Basta! #44 out now!

Die letzten zwei Wochen im Entstehungsprozess eines neuen Ya Basta! sind eigentlich die besten. Natürlich sind es die stressigsten, Anfeindungen und Wutanfälle inklusive. Gleichzeitig merken wir jedoch, wie das Heft Stück für Stück Konturen annimmt. Der Aufwand schenkt Bestätigung. Wir sind glücklich es wieder einmal geschafft zu haben.

Ya Basta 44 Cover

Unser Cover lässt es bereits vermuten. Wir haben uns dieses Mal ganz dem Groundhopping verschrieben. Kaum ein Spiel bei dem keine fremden Personen auf den Rängen sitzen, Stimmung und Spiel aufsaugen. Aus Ultras-Sicht wurde das Thema dennoch eher selten aufgegriffen. Und das obwohl selbst szeneintern kaum ein Thema so viel Raum für Diskussionen lässt. Wir sind es auf unsere Weise angegangen, haben zwei sehr umfangreiche Interviews geführt und es schlussendlich einmal selbst ausprobiert. „Groundhopping im Selbsttest“, wenn man so will. Seid gespannt und freut euch darauf. Außerdem erwartet euch Folgendes:

★ Im Fokus: Das neue Schweigen der Ultras
★ Im Gespräch: Glubb-Profi Danny Blum
★ Rückblick: Adrian Fiedler Gedächtnisturnier
★ Amici: Auf Reisen durch das weite Europa
★ Rund um den Glubb: Von Bolzplatzhelden und Biermaschinen

Das neue Ya Basta! #44 gibt es erstmals auf der Zug-Rückfahrt vom Auswärtsspiel bei Union. Die 176 Seiten erhaltet ihr wie gewohnt für 4 Euro. Voraussichtlich werden zum Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig noch ein paar Hefte übrig sein. Spätestens dann solltet ihr euch aber sputen. Alternativ könnt ihr das Heft auch in den Shops von NOFB und Blickfang Ultrà ordern.

Als Leseprobe gibt es dieses Mal einen selbstverliebten Mentalitätstext. Manchmal sind wir eben bekackte Studentenultras.
Ya Basta! #44 – Leseprobe: Stellung nehmen heißt Haltung zeigen

Ein Gefühl der Verlässlichkeit: Interview Chris Ehrenberg

Chris Ehrenberg kandidiert für das Amt des Aufsichtsrats. Auf der Jahreshauptversammlung des 1.FC Nürnberg am Sonntag, 11. Oktober steht er erneut zur Wahl. Vor unserem Interview betonte er, wie wichtig es ihm sei, keinen „Grabenwahlkampf“ zu führen. Das wird auch aus seinen Antworten deutlich: Chris möchte Brücken bauen beim 1.FCN. Wir haben ein kurzes Gespräch mit ihm geführt.

Hallo Chris, du bist schon mal Aufsichtsrat beim 1.FC Nürnberg gewesen, hast dann aber aus gesundheitlichen Gründen nicht noch einmal kandidiert. Wie geht es dir heute – bist du gesundheitlich wieder bereit für die stressigen Aufgaben als Aufsichtsrat?

Es kam im letzten Jahr gesundheitlich einiges zusammen bei mir. Ich musste einfach einen ziemlich radikalen Cut machen. Ich habe daraufhin beruflich ziemlich viele Dinge neu geregelt und aufgestellt und hole mir nun neben dem Job sehr viel Ausgleich für Geist und Körper. Das klingt für jemanden, der das schon sein ganzes Leben so gemacht hat, furchtbar banal und einfach, „Workaholics“ sowie Herz- und Blutdruckpatienten wissen wahrscheinlich, wovon ich rede.

Ich könnte mich nachträglich ohrfeigen, wie einfach es gewesen wäre, hier schon vor Jahren vorbeugend zu agieren und sich dann eben die Zeit zu nehmen, mal eine Stunde durch den Wald zu laufen oder seine Bahnen im Schwimmbad zu ziehen. Es ist ja nun wirklich nicht so, dass es in den letzten Jahren keine eindeutigen Warnschüsse von meinem Körper gab. Ich kenne mich nun selbst viel besser und weiß heute sehr genau, was ich mir zutrauen kann und will. Und ich habe auch gemerkt, was mir nach dem „Cut“ wirklich fehlte. Der FCN gehört auf jeden Fall dazu. Um also auf die Frage zu antworten: Ja, ich traue mir das Amt sehr wohl zu.

Chris Ehrenberg

Was ist seit damals bei dir beruflich passiert, was qualifiziert dich erneut für den Posten als Aufsichtsrat?

Nachdem ich mich ohnehin in einer Phase der Neusortierung befand, habe ich auch schnell gemerkt, dass mir der Fußball ganz allgemein sehr fehlen würde. Als Aufsichtsrat war und ist es wichtig, auswärts zu fahren, Leute kennen zu lernen und dein Netzwerk im Sinne des Vereins zu erweitern. Ich kannte das aus meinem beruflichen Umfeld, die Fußballwelt ist hier ziemlich ähnlich gestrickt, was Vernetzung und Kommunikation innerhalb der „Community“ anbelangt. Und wenn wir etwa am Freitag in Duisburg gespielt haben, bin ich eben auch noch den Samstag geblieben und habe mir zum Beispiel Essen – Aachen angesehen, mich mit Leuten getroffen und neue Leute kennen gelernt. Ganz nebenbei finde ich, der schmerzlichste Verlust des Vereins war hier der Rücktritt von Manni Müller. Er ist das Paradebeispiel für mich, wie man dieses Amt annehmen und ausfüllen kann. Und um nochmal auf das letzte Jahr und mein Ausscheiden aus dem Amt zurück zu kommen: Ich sah mich damals aufgrund meiner Gesundheit einfach nicht in der Lage, meinen eigenen Ansprüchen an dieses Amt gerecht zu werden. Und anders als heute war es noch nicht absehbar, ob beziehungsweise wann sich das wieder ändert.

Als ich noch Aufsichtsrat war, wurde ich auf das Angebot vom FC Schalke 04 aufmerksam, der in Kooperation mit der renommierten Universität St. Gallen (HSG) einen Sportmanagement-Studiengang im Rahmen der „Schalke Sportakademie“ anbieten wollte. Man muss sich das als eine Art Intensivkurs quer durch alle Facetten des Profisports vorstellen, der ursprünglich für ehemalige Spieler und bereits in der Branche Aktive gedacht ist, um sich die Kernelemente des modernen Sportmanagements anzueignen und zu vertiefen. Ich hatte mich ohnehin beworben und wurde angenommen, also habe ich das dann auch durchgezogen und als zweitbester Absolvent mit dem Erhalt des „Certificate of Advanced Studies in Sports Management“ abgeschlossen. Ich wurde also mit 41 Jahren wirklich nochmal Student. Der ganze Kurs hat mir einen enormen Motivationsschub verpasst und meine Vorstellungen zu Abläufen, Entscheidungsfindungen sowie der Gremienethik in Vereinen und der Fankommunikation aus meiner Abschlussarbeit haben auch schon die ein oder andere Idee hervorgebracht, das ab 2016 auch beruflich zu nutzen. (mehr…)

Die Abgas-Affäre und Red Bull

Gedanken zum Gastspiel des 1.FCN in Leipzig

Volkswagen und der Abgas-Skandal beschäftigen die Republik. Seit zwei Wochen bestimmt das Thema die Schlagzeilen. Dabei geht es nicht nur um ein paar Autos. Längst ist VW mehr als das: eine volkswirtschaftliche Größe. Das betrifft auch den Fußball.

„Die strategische Bedeutung des VfL für Volkswagen ist von Zuwendungen unabhängig“, erklärt Klaus Allofs, Manager beim VfL Wolfsburg, in der aktuellen ZEIT. Damit könnte er Recht haben. Der Konzern lässt sich seinen „Werksverein“ jährlich circa 60 Millionen Euro kosten. Viel Geld, möchte man meinen. Der Kostenstelle steht jedoch einem Umsatz von rund 200 Milliarden gegenüber. Die Auszahlungen an den VfL sind für Volkswagen vergleichsweise Peanuts.

Dennoch: Die Abgas-Affäre betrifft auch den VfL. Genauso wie den FC Ingolstadt, Schoßhund der Konzernschwester Audi. Noch ist davon freilich nicht die Rede. Die Clubs zählen, vor allem im Falle des VfL, zu den wichtigsten Marketing-Tools des Konzerns. Mehr noch: Im tristen Wolfsburg ist ein Champions League-Teilnehmer sogar Standortfaktor, um für Arbeitskräfte attraktiv zu sein. Schon jetzt zieht die VW-Krise allerdings Kreise, die weit über manipulierte Autos hinausgehen. In Wolfsburg und Braunschweig verhängten die Rathäuser Haushaltssperren aufgrund befürchteter Mindereinnahmen. Ebenso in Ingolstadt. Das tatsächliche Ausmaß der Abgas-Affäre scheint noch nicht absehbar.

Was aber, sollte es bei VW die ersten Entlassungen geben? – Mag sein, dass es für Klaus Allofs „populistisches Gerede“ ist; doch die Frage nach sozialer Gerechtigkeit wird aufkommen, wenn einerseits Werksarbeiter gekündigt werden und andererseits Manager und Fußballprofis horrende Gehälter kassieren. Und diese „Sozialneiddebatte“, wie sie Allofs abschätzig tituliert, wird berechtigt sein.

Natürlich hat der VfL Wolfsburg erst kürzlich Kevin de Bruyne für 75 Millionen an Manchester City transferiert. 20 Monate zuvor hatten sich die Wölfe das junge Talent allerdings immerhin 22 Millionen Euro Ablöse kosten lassen. – Wären derartige Summen vor VW-Angestellten (Winterkorn-Wording: „Mannschaft“) zu rechtfertigen, die um ihre Arbeitsplätze kämpfen? Könnte man es der Öffentlichkeit als wettbewerbliche Notwendigkeit verkaufen? Die Antwort: Nein, so etwas ließe sich nicht rechtfertigen. Ein Fußballverein als Marketinginstrument eines Unternehmens ist nur solange verwertbar, wie es dem Mutter-Unternehmen gut geht.

Auch im Falle von Red Bull Leipzig.

Aktuell prosperiert das Unternehmen aus Fuschl am See sicherlich. Aber was, wenn es einmal anders ist? Noch profitiert die Stadt Leipzig von ihrem hippen Zweiliga-Club. Doch wer hätte vor einem Monat gedacht, dass ein Global Player wie VW derart ins Straucheln geraten könnte? Was wenn es dem Getränkevermarkter eines Tages ähnlich ergeht?

Das Dilemma ist, dass Clubs wie RB Leipzig nur aus unabdingbarer Abhängigkeit zu einem Geldgeber existieren. Genauso wie Wolfsburg und Ingolstadt; ähnlich wie Hoffenheim und auch Bayer Leverkusen. Geht es dem Gönner schlecht, wird es schwer sein den Erfolg des Bundesliga-Ablegers aufrecht zu halten – unabhängig des aktuellen Kaders. So viel steht fest.

Die Anhänger des Konzepts RB behaupten von sich selbst nur allzu gerne, „das Fußballgeschäft“ durchschaut zu haben. In Web-Postings ergötzen sie sich über den Triumph ihrer Herren-Clubs über die krankenden, altbackenen „Traditionsvereine“. – Der Fall VW könnte, bei weiterer Zuspitzung, die Spötter zum Schweigen bringen.

Hoffen wir das Schlechteste. Wir sehen uns Sonntag im Block.

Leipzig – 1. FCN
Ich bereue diese Liebe nicht

Das Spiel beim Klassenfeind aus Leipzig steht unmittelbar bevor. Wie jede Kurve und wie jedes Jahr, stellt sich auch für uns erneut die Frage, wie wir dieses Spiel bestreiten.

Nach der gemeinsamen Sonderzugfahrt, auf der unsere Wertevorstellungen von Fußball deutlich und in Kontrast zum Leipziger Stadionpublikum spürbar geworden sind, war uns klar: Auch diese Saison wollen wir gerade das Spiel in Leipzig nutzen, um einen Gegenentwurf aufzuzeigen, der uns in unserem Glauben bestärken wird. Wir wollen wieder etwas für uns tun, was uns das gute Gefühl gibt.

Den Konzern hinter dem Fußballkonstrukt werden wir nicht aufhalten können. Aber wir können die Entwicklung aufhalten, indem wir nicht so werden. Indem wir unser gutes Gefühl behalten. Indem wir zeigen, was dem Fußball seine Seele gibt und worauf es beim Fußball wirklich ankommt.

Leidenschaft. Irrationalität. Herzklopfen.

Attitüden, die auch ein Leipziger Stadiongänger für sich beanspruchen würde. Aber wo waren sie vor dem Konzern und wo werden sie danach sein? Würde ein Leipziger seine Liebe bereuen? Viele haben sie gar in der Vergangenheit schon bereut, haben Chemie oder Lok den Rücken gekehrt und sich der Rationalität des Geldes verkauft.

In Nürnberg haben wir in den vergangenen Jahren wieder zahlreiche Tiefschläge erlebt. Rationale Menschen hätten dieser Liebe schon längst abgeschworen. Aber trotz aller Frustration & Erfolglosigkeit bereuen wir unsere Liebe nicht. Erklären können wir das keinem. Brauchen wir auch nicht!

Aus diesem Grund wollen wir dieses Bekenntnis erneut in die ganze Welt hinaustragen. Nicht als Reaktion auf die aktuelle sportliche Situation, sondern als fundamentaler und unverrückbarerer Unterschied.

Wir rufen daher alle Fanclubs und Gruppen dazu auf, zum Spiel nach Leipzig ihre IbdLn-Zaunfahnen mitzubringen. Zieht eure IbdLn-Klamotten an und zeigt an diesem Spieltag, dass ihr Teil einer Gemeinschaft seid, für die der Fußball mehr bedeutet als Geld & Tore! Für die der Fußball eine Gemeinschaft ist.

Lasst uns dieses Gemeinschaftsgefühl bekräftigen, indem wir erst, aber dafür alle gemeinsam zum Warmmachen der Mannschaft den Gästeblock betreten. Habt solange Geduld und harrt mit uns vor dem Blockeingang aus bis alle Nürnberger im Stadion sind. Rechtzeitig zu Spielbeginn wird die Irrationalität das Zepter übernehmen.

… und wir mit einem guten Gefühl nach Hause fahren!

1. FC Nürnberg
Ich bereue diese Liebe nicht

Ya Basta! Saisonrückblick 2014/15 gegen Bielefeld

Da hatten wir uns zu früh gefreut: Der neue Ya Basta! Saisonrückblick 2014/15 schafft es leider nicht rechtzeitig aus der Druckerei. Ärgerlich aber halb so wild: Bereits in einer Woche beim Heimspiel gegen Bielefeld könnt ihr eure Lieblingspostille wie gewohnt rund um die Nordkurve abgreifen.
Auf 124 Seiten blicken wir recht schonungslos und offen – manchmal etwas augenzwinkernd – auf das vergangene Jahr zurück. Kernstück der Ausgabe ist ein sehr umfangreiches Interview, das wir mit UN-Capo Jörg geführt haben. Wenig Gelaber, dafür viel Wahrheit.
Wie gewohnt kostet das Heft 4 Euro. Wir bitten euch schnell zuzuschlagen – nach Spielende sind wir oft schon ausverkauft. Die Auflage können wir aus finanziellen Erwägungen leider nicht erhöhen.

YB Saisonrückblick 2014/15 Cover

Inhalt:

★ „Wir sind die Eins – und jetzt macht Platz!“: Szene Interview mit UN-Capo Jörg
★ Nordkurve: Knackiger Rückblick auf 34 Spiele Liga und Pokal
★ Choreos: Deine Kurve ist bunt
★ Worte der Kurve: Alle Spruchbänder der Saison, inkl. Hintergründe
★ Diffidati Presenti: Vom Kneipenthresen auf die Anklagebank
★ Hall of Fame: Javier Pinola
★ Original Glubb: Der Vorstand geht
★ A bis Z: Candeias, USK und Xavier Naidoo

Um euch die Wartezeit zu verkürzen haben wir dieses Mal unsere Hall of Fame zum Abschied von Javier Pinola hochgeladen.
Leseprobe Ya Basta! Saisonrückblick 2014/15 – Hall of Fame

Glubb vs Springer

In den vergangenen Tagen sorgten Meldungen der BILD-Zeitung für Verwirrung und Uneinigkeit rund um den 1.FCN. Die Facebook-Page „FCN Aktuell“ hat das Geschehen aus unserer Sicht sehr treffend kommentiert:

Die BILD und der ‪#‎FCN‬ – Ein Kommentar

Gestern [13.8.2015, Anm. YB!] berichtete BILD über einen drohenden Punktabzug, darauf folgte die Stellungnahme des Vereins, darauf wieder ein Artikel der BILD (in nicht unaggresivem Grundton), nun die Meldung über angebliche Gehaltserhöhungen für Martin Bader ab März um 5000 Euro bzw. eine Einmalzahlung von 15000 Euro als Entschädigung für den Mehraufwand, den Bader durch Woys Weggang im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens hatte.

Viel mehr als der Inhalt dieser Meldung beschäftigt uns die Frage: Wieso platziert die BILD diese Artikel genau zu diesem Zeitpunkt mit einer solchen Schlagzahl? Es entsteht der subjektive Eindruck, als werde hier ein Kleinkrieg gegen den Verein geführt – und nachdem die BILD ja anscheinend im Besitz sensibler interner Unterlagen ist, drängt sich durchaus der Gedanke auf, dass dieser Kleinkrieg aus dem Inneren des Vereins her geführt wird.

Es kann nicht angehen, dass irgendwo in der Führungsebene ein fauler Apfel sitzt, der für seine persönlichen Ziele das Boulevard-Blatt instrumentalisiert, und sei es, weil diese Person möglicherweise sogar glaubt, das Beste für den Verein zu wollen. Ein eingetragener Verein ist ein demokratisches Organ, wenn ein Einzelner seine Meinung über die vereinsrechtlichen Grundsätze stellt, hat das nichts mit Transparenz zu tun, sondern es ist ein rein egoistisches Verhalten, was dem Verein schadet und niemals nutzen kann. So lange dieses Leck nicht behoben ist, kann ein vertrauensvolles und zielorientiertes Arbeiten im Verein nicht möglich sein.

Themen wie Martin Baders Gehalt bieten sich an, die Stimmung in der Öffentlichkeit auf populistische Art zu manipulieren, jedoch sind solche Dinge Interna und müssen Interna bleiben, hier hat der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Thomas Grethlein vollkommen Recht.

Damit der Verein halbwegs zu Seriosität und fokussiertem Arbeiten zurückkehren kann, muss diese Mauschelei einer oder mehrerer Personen mit der BILD-Zeitung beendet werden, diese Person(en) müssen identifiziert und aus ihrer Funktion entlassen werden, das Zuspielen vertraulicher Dokumente an die Presse sollte Grund genug dazu geben.

Man kann an alle Leser dieser Artikel, Fans und Mitglieder des Vereins nur appellieren, vorsichtig damit zu sein, sich von der reinen Plakativität dieser Berichterstattung unreflektiert mitreißen zu lassen und für sich kritisch zu überprüfen, ob man als Teil der öffentlichen Stimmung hier nicht selbst zu populistischen Zwecken instrumentalisiert wird.

Für uns ein ganzes Leben

Gestern in Leipzig ist uns eigentlich alles entgegen geschlagen, was wir beim Fußball ablehnen. Das war natürlich zu erwarten. Boykott oder nicht – die Frage stand daher wochenlang im Raum.

Warum sind wir trotzdem nach Leipzig gefahren?

… weil die nicht wollen, dass wir nach Leipzig fahren! Weil die ihren Fußball der Marionetten etablieren wollen und da können die uns nicht gebrauchen. Deswegen waren wir da, deswegen werden wir da sein! Wir sind der Sand in ihrem Getriebe, wir sind der wöchentliche Widerstand. Für die ist es nur ein Augenblick, für uns ein ganzes Leben!

… und das konnten wir mit dem gestrigen Spiel deutlich zeigen. Die denken zwar, sie hätten gewonnen, weil sie die 3 Punkte eingefahren haben. Doch sie haben schon lange verloren oder besser gesagt: sie haben schon immer etwas nicht gehabt und werden es auch nie bekommen. Sie haben freilich beim selben Spiel mitgefiebert, die selben Lieder gesungen und die gleichen Worte verwendet, aber ihnen fehlte das Gefühl. Den Sieg auf dem Rasen hätten wir natürlich trotzdem gerne mitgenommen, aber immerhin konnte die Leistung überzeugen. Ergebniskrise sozusagen. Gestern ging es ohnehin um mehr.

Wir hätten sicherlich einen öffentlichkeitswirksameren Protest gegen den Konzern initiieren können, wenn wir das Spiel boykottiert hätten – aber durch unseren gestrigen Auftritt haben wir (dieses Mal) viel mehr für unsere Kultur tun können. Wir haben sie so intensiv gespürt wie selten – irgendwie paradox, dass wir dafür nach Leipzig fahren mussten, aber es sollte nun auch dem letzten die Augen geöffnet haben! Wir haben gestern sehr viel für unser Selbstverständnis innerhalb der Nordkurve getan und alle Auswärtsfahrer hatten dafür das richtige Gespür. Dieses Verständnis wird kommende Proteste gegen dieses System (egal in welcher Form) auf ein noch stärkeres Fundament stellen – dafür war diese Erfahrung unerlässlich.

Sollte es davor auch leise Zweifel gegeben haben, ob der Protest vor Ort von der Kurve getragen werden würde, waren sie nicht nur schnell beseitigt, sie stellten sich als völlig unbegründet (und das Internet wieder einmal als komplette Parallwelt) dar. Es gab gestern keine zwei Meinungen in dieser Angelegenheit, wir waren uns einig und wir dürfen verdammt stolz auf unsere Kurve sein! Trotzdem sind wir natürlich alle froh, dass wir dieses Spiel nun hinter uns haben. Wie in Zukunft mit einem Spiel bei RB umgegangen wird, muss natürlich immer wieder neu diskutiert werden. Zur Gewohnheit darf es nie werden!

Auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind und sein müssen, die gestrige Fahrt (gerade auch im Sonderzug) hat es deutlich gezeigt: Fußball ist mehr und die Fans des 1. FC Nürnberg haben das verstanden – deswegen muss uns auch in den kommenden und sicherlich schweren Wochen nicht bange werden! Danke Leute, FCN für jetzt und alle Zeit!

RB-Debatte: Kommentar und Antwort

Das RB-Thema erhitzt die Gemüter. Heute spielen wir endlich (?) in Leipzig. Wie schon bei der ersten Begegnung im Oktober, erreichen uns von allen Seiten Nachrichten. Vieles davon ist aus argumentativer Sicht leider sehr dünn, sodass wir darauf nicht näher eingehen. Ein interessanter Kommentar wurde jedoch auf dem Blog footballuprising veröffentlicht:

Ich bin alles andere als ein Freund dieses Scheiß-Vereins und finde Aktionen gegen RB deshalb prinzipiell auch vollkommen okay. Beim Spiel Union gegen RB beteiligte ich mich selbst mit den anderen 15000 Besuchern daran. Der 20-minütige Stimmungsboykott mit übergezogenen schwarzen Müllsäcken sowie die darauffolgende (Stimmungs-)Explosion war schon ziemlich geil (auch der Sieg, aber das wird die Leser dieses Blogs an dieser Stelle wahrscheinlich eher weniger interessieren…).

Die Begründungen dieser Ablehnung, die in den diversen Aufrufen für Aktionen gegen diesen Verein zum Ausdruck kommen, gefallen mir allerdings – aus den verschiedensten Gründen – eher weniger. Euer Aufruf erscheint mir dabei ziemlich exemplarisch zu sein. Es würde an dieser Stelle allerdings zu lange dauern, dies hier ausführlicher darzulegen, aber die Stichwörter, die für allerhand Mystifizierungen dienen, kann ich schon mal nennen: Tradition, echte Arbeit und Verrat. Demnächst werde ich mich dazu mal ausführlicher äußern, aber ich denke, dass RB als bis ins letzte Detail durchkomponiertes Marketingprodukt eher den deutlichsten Ausdruck einer Entwicklung darstellt, die nicht aufzuhalten sein wird. Und leider vielleicht sogar den ehrlichsten.

Weshalb ich mich an dieser Stelle allerdings überhaupt zu Wort melde, hat mit dem Ende des Aufrufs zu tun: “Also macht kaputt, was euch kaputt macht!” Die Scherben, von denen dieser Ausspruch stammt, und mit ihnen eine ganze Generation von Revoltierenden, kritisierten damit diese Scheiß-Welt an sich: alle Konzerne, die gesamte Gesellschaft, die stumpf machende Maloche und den regelnden Maschinentakt. Ihr allerdings fordert in eurem Aufruf den Schulterschluss mit allen Vereinen und den Spielern (gegen das vermeintlich größte Übel aller Übel), und ich kann nicht glauben, dass ihr das wirklich ernst meint. Oder? Wirklich mit den ganzen Vereinen, inklusive ihrer (AG-)Strukturen, den Hierarchien, den damit zusammenhängenden (prekären) Scheißjobs, den dahinterstehenden Konzernen, den Zielen der Profitmaximierung usw.? Und auch mit all diesen dressierten Spielern – Arbeitskraftverkäufer und Produktionsmittel in einem –, die sich wie gut geölte Maschinen über den Platz schieben, wollt ihr in einem Boot sitzen? Meint ihr das wirklich ernst? Ist eure gesamte Kritik an diesem Spektakel wegen diesem einen Scheiß-Konzern flöten gegangen? Ich kann’s mir eigentlich nicht wirklich vorstellen und einige andere Berichte auf euren Seiten scheinen mir dabei auch recht zu geben…

R. (footballuprising.blogsport.eu)

Bei all den Nachrichten, die uns erreichen und die teilweise wirklich unter die Gürtellinie gehen, haben wir hinsichtlich RB eigentlich auf Durchzug geschaltet. Zwei Wochen hat man eben den Leipziger Shitstorm gegen sich. Nichts, was wir nicht aushalten könnten oder inzwischen gewohnt wären. Bei diesem Kommentar dagegen verhält es sich anders. Ein Schreiber aus unserem Ya Basta!-Team hat sich die Mühe gemacht etwas ausführlicher zu antworten.

Lieber R.,

mit einer Mischung aus Wohlwollen und Verwunderung habe ich deinen Kommentar auf einen unserer Blogposts gelesen. Denn mal ehrlich: Ich glaube soweit liegen wir gar nicht auseinander.

Ich muss dir sogar in einigen Punkten Recht geben. Die Kritik an Red Bull, wie sie vielfach praktiziert wird, ist tatsächlich bedenklich. Gelegentlich spielt sie sogar mit Begriffen und Symboliken („Rattenball“), die nicht nur bedenklich sondern widerlich sind. Meine alten Kumpels hätten an dieser Stelle reflexartig von „regressiver Kapitalismuskritik“ gesprochen. Wahrscheinlich beschreibt es das sogar ganz gut. Hinterfragt wird ein Symptom und nicht die Ursache. Red Bull wird zum versinnbildlichten Bösen stilisiert; die kapitalistische Logik dahinter kümmert nicht. – Sicherlich zugleich symptomatisch für die deutsche Ultrasszene: Denn verkürzt ist nicht nur die Kritik an Red Bull, sondern die gegen den Modernen Fußball im Allgemeinen.

Dieses Thema haben wir zum Beispiel in unserer (inzwischen vergriffenen) Ausgabe 40 ausführlich behandelt. Damals habe ich mich über mehrere Tage und Abende durch Meldungen, Reportagen und Videos zum Thema Red Bull gewälzt. Im Heft haben wir dem Thema immerhin sechs Seiten eingeräumt. – Ich vermute an dieser Stelle einfach Mal, dass du es nicht gelesen hast. Vielleicht würdest du weniger hart mit uns ins Gericht gehen.

„Die Kritik an Red Bull setzt häufig leider sehr an der Oberfläche an. „Gegen RB“-Shirts, dazu ein kleines Spruchband – wirklich originelle und aufsehenerregende Aktionen waren bislang selten dabei. Natürlich auch, weil nur wenige Szenen die Größe der Rostocker haben und wirklich etwas reißen könnten; leider aber auch deshalb, da „Gegen RB“ vielerorts einfach der kleinste gemeinsame Nenner ist, um gegen die Ökonomisierung des Fußballs zumindest ein bisschen aufzubegehren. […] Die notwendige Radikalität und Konsequenz in allen Lebensbereichen war eben selten eine Stärke der (fußball-)deutschen Protestbewegungen. Wir ahnen schlimmes.“

So eine Passage aus dem damaligen Text in unserem Heft. Dort haben wir den Raum, um Themen ausführlich zu betrachten und unterschiedliche Blickwinkel zu ermöglichen. Mit unserem Blog verhält es sich dagegen anders: Das Internet bleibt für uns zwar kein Neuland, aber eben doch ein Nebenprojekt. Da werden wir keine seitenweisen Artikel hochladen, die bis auf 50 Leute, sowieso niemand zu Ende liest. Aus unserer Sicht wäre das schlichtweg verlorene Liebesmühe: Nach zwei Tagen im Facebook-News Feed hat das Social Web die viele Arbeit, die hinter einem gut recherchierten Text steht, zumeist schon wieder vergessen.

Den Blog nutzen wir überwiegend für Ankündigungen, wie du siehst. Oder eben, wenn uns wirklich mal ein Thema auf den Nägeln brennt und wir wegen Aktualität und Relevanz nicht auf Veröffentlichung des Heftes warten können. Teilweise sind wir dabei natürlich etwas polemisch, teilweise treibt uns schlichtweg die Wut – und auf so etwas „überbewertetes“ wie Redigieren geben wir dann erst recht einen Fick. Teilweise nutzen wir den Blog aber auch, um noch mal auf ein aktuelles Thema aufmerksam zu machen. In diesem Falle Red Bull. Ein kurzer Text, ein paar Aspekte als Informationshappen. Nicht mehr nicht weniger. Oder erwartest du auf sieben Absätzen tatsächlich so etwas wie „emanzipatorische Kritik“?! – Für alles Ausführlichere gibt es eben unser Magazin.

Ich verstehe dich insofern als dass der Aufruf natürlich etwas kurz geraten wirkt. Vielleicht unterscheiden sich die darin enthaltenen Argumente auch nur rudimentär von dem Rotz, den andere Szenen so veröffentlicht haben. Uns aber unterschwellig rechte Rhetorik und „Mystifizierung“ vorzuwerfen („Tradition, echte Arbeit und Verrat“), das ist aus meiner Sicht dann doch etwas weit hergeholt, lieber R..

Der Punkt ist doch der: Du lebst genauso wie wir den Wochenend-Widerspruch, jedes Mal wenn du ein Fußballstadion betrittst. Noch verheerender: Wir beide wissen sehr gut darüber Bescheid. Verzichten können wir jedoch nicht. Wer unter kapitalistischer Logik lebt, der kann sich dem nicht entziehen. Selbst wenn er sich Öff!Öff! nennt und ein Aussteiger-Projekt startet. Wir können der Sache nicht entkommen – schon gerade nicht beim Fußball und mit Sicherheit auch nicht bei den Vereinen, die wir selbst unterstützen.

Neben unserer Tätigkeit als Fanzine-Macher sind wir vom Ya Basta! an den unterschiedlichsten Ecken in unserer Fanszene eingebunden. Wir schreiben nicht nur, wir handeln. Also schreiben wir, in dem Moment in dem wir uns dem Thema Red Bull nähern, natürlich stark eingefärbt durch die Vereinsbrille. Wir sind Fans und Mitglieder, verloren in irrationaler Hingabe zu unserem Verein (sic!). Der 1.FC Nürnberg ist formal natürlich genauso Kapitalismus, wie Red Bull, Volkswagen, Bayer, SAP und Audi. Da gebe ich dir Recht. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass sich der 1.FCN für mich eben noch immer anders anfühlt als Vereine wie RB Leipzig. RB Leipzig gibt es nur, da die Red Bull GmbH einen neuen Werbeträger benötigt hat. In seiner Funktion unterscheidet sich der Verein nicht signifikant von Außenwerbung oder TV-Spots. Bei Vereinen wie dem 1.FCN ist das anders. Er wurde aus privater Initiative und Leidenschaft gegründet. Kommende Generationen haben ihn aus Hingabe groß gemacht. Geld und Verwertungslogik spielten zunächst keine Rolle.

Freilich treten sowohl RB als auch der FCN heute unter den gleichen kapitalistischen Bedingungen an. Freilich treibt es auch mein Verein aus monetären Interessen zu bisweilen abscheulichen Blüten. Dennoch weiß ich, dass es bei meinem Verein eben nicht immer so war; dass die Ursache für die Gründung des 1.FC Nürnberg kein kapitalistischer Selbstzweck war. – Deshalb kann ich ihn auch noch halbwegs guten Gewissens unterstützen. Wohlwissend, dass meine Fanszene jederzeit wachsam sein muss.

Dass du dich an manchen Begrifflichkeiten zu stören scheinst, kann ich nur bedingt nachvollziehen. Bloß weil Begriffe wie Tradition oder Ehre auch gerne in rechten Kreisen besetzt werden, bedeutet das aus meiner Sicht nicht, dass man sie nicht mehr verwenden sollte, wenn sie passend sind. Schließlich bedeutet der Verweis auf die Tradition meines Vereins noch lange nicht, dass ich alle Aspekte seiner Geschichte glorifiziere. Im Gegenteil: Wäre dem so, dann wären Aktionen wie die für Jenö Konrad in unserer Fanszene gar nicht möglich gewesen. – Sofern du also möchtest, ersetze einfach „Tradition“ durch „Historie“, ersetze „echte Arbeit“ durch „Kontinuität“ und „Verrat“ durch so eine umständliche Worthülse wie „Frustration über plötzliche Veränderungen in unserem direkten Lebensbereich“. Du siehst also: Manchmal muss es nicht schaden die Dinge beim Namen zu nennen. Auch wenn wir dabei zugegebenermaßen zu einem gewissen Pathos neigen. Wir sind eben immer noch Ultras.

Umso länger ich über deine Worte nachdachte, umso passender erschien mir eine private Anekdote als Vergleich:

Als ich 16 war, saß ich mal in einem McDonalds. Damals war ich idealistisch bis auf die Zehenspitzen. Ich wollte in dem Laden nichts essen. Irgendwann ließ ich mich doch dazu verleiten. McDonalds ist schließlich genauso Kapitalismus wie jeder andere scheiß Schuppen auch, sagte ich mir. – Dennoch fühlte ich mich nie sonderlich gut dabei. Da war immer eine kleine Stimme in mir, die aufschrie und rebellierte. Bei meinem Lieblings-Kurden um die Ecke hatte ich das nie. Hier schmeckt das Essen (noch) lecker(er) und ich brauche keine Skrupel wegen irgendwas haben.

So ähnlich wie mit McDonalds und dem kurdischen Imbiss, verhält es sich für mich auch mit Red Bull und dem 1.FCN. Beide agieren auf ähnlichem Feld, beide in gleicher Gesellschaft. Der eine bleibt jedoch austauschbar und liegt schwer im Magen; der andere ist einmalig, vertraut, aber immer für Überraschungen gut. Beide lassen formal keine Wünsche übrig. Bei dem einen habe ich jedoch ein mulmiges Gefühl, bei dem anderen fühle ich mich von Grund auf Wohl.

Es bleibt letzten Endes eine Gewissensfrage, die sich rational nicht völlig erklären lässt. Allein schon weil der Fußball und unser Dasein als Fans niemals rational war.

„Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.“ – Da gebe ich dir Recht. Aber wenn du die Wahl zwischen Red Bull und Club Mate hättest, würdest du doch auch die Mate saufen!

Grüße aus Türkei
P.

PS: Ich lege dir wärmstens die neue Ya Basta! #42 ans Herz. Manch einer behauptet es sei geiler Scheiß; wir selbst natürlich auch. Das Urteil überlasse ich dir.