Archiv der Kategorie '3│ ya basta!'

Ya Basta! #44 out now!

Die letzten zwei Wochen im Entstehungsprozess eines neuen Ya Basta! sind eigentlich die besten. Natürlich sind es die stressigsten, Anfeindungen und Wutanfälle inklusive. Gleichzeitig merken wir jedoch, wie das Heft Stück für Stück Konturen annimmt. Der Aufwand schenkt Bestätigung. Wir sind glücklich es wieder einmal geschafft zu haben.

Ya Basta 44 Cover

Unser Cover lässt es bereits vermuten. Wir haben uns dieses Mal ganz dem Groundhopping verschrieben. Kaum ein Spiel bei dem keine fremden Personen auf den Rängen sitzen, Stimmung und Spiel aufsaugen. Aus Ultras-Sicht wurde das Thema dennoch eher selten aufgegriffen. Und das obwohl selbst szeneintern kaum ein Thema so viel Raum für Diskussionen lässt. Wir sind es auf unsere Weise angegangen, haben zwei sehr umfangreiche Interviews geführt und es schlussendlich einmal selbst ausprobiert. „Groundhopping im Selbsttest“, wenn man so will. Seid gespannt und freut euch darauf. Außerdem erwartet euch Folgendes:

★ Im Fokus: Das neue Schweigen der Ultras
★ Im Gespräch: Glubb-Profi Danny Blum
★ Rückblick: Adrian Fiedler Gedächtnisturnier
★ Amici: Auf Reisen durch das weite Europa
★ Rund um den Glubb: Von Bolzplatzhelden und Biermaschinen

Das neue Ya Basta! #44 gibt es erstmals auf der Zug-Rückfahrt vom Auswärtsspiel bei Union. Die 176 Seiten erhaltet ihr wie gewohnt für 4 Euro. Voraussichtlich werden zum Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig noch ein paar Hefte übrig sein. Spätestens dann solltet ihr euch aber sputen. Alternativ könnt ihr das Heft auch in den Shops von NOFB und Blickfang Ultrà ordern.

Als Leseprobe gibt es dieses Mal einen selbstverliebten Mentalitätstext. Manchmal sind wir eben bekackte Studentenultras.
Ya Basta! #44 – Leseprobe: Stellung nehmen heißt Haltung zeigen

Ya Basta! #44: Amo aller Fanzines

Amo aller Fanzines

Nicht vergessen: Ya Basta! out now

Ganz schön was los zur Zeit: Drei Spiele in sechs Tagen, dazu Ankündigungen am Fließband und Ärger – wie mit der BILD – auf den wir eigentlich gut verzichten könnten. Deshalb bitte nicht vergessen: Morgen erscheint der neue Ya Basta! Saisonrückblick 2014/15. Dieses Mal mit 124 Seiten Tratsch und Dummgwaaf. Das alles wie gewohnt für 4 Euro. Abzustauben rund um die Nordkurve.

YB Saisonrückblick 2014/15 Cover

Ya Basta! Saisonrückblick 2014/15 gegen Bielefeld

Da hatten wir uns zu früh gefreut: Der neue Ya Basta! Saisonrückblick 2014/15 schafft es leider nicht rechtzeitig aus der Druckerei. Ärgerlich aber halb so wild: Bereits in einer Woche beim Heimspiel gegen Bielefeld könnt ihr eure Lieblingspostille wie gewohnt rund um die Nordkurve abgreifen.
Auf 124 Seiten blicken wir recht schonungslos und offen – manchmal etwas augenzwinkernd – auf das vergangene Jahr zurück. Kernstück der Ausgabe ist ein sehr umfangreiches Interview, das wir mit UN-Capo Jörg geführt haben. Wenig Gelaber, dafür viel Wahrheit.
Wie gewohnt kostet das Heft 4 Euro. Wir bitten euch schnell zuzuschlagen – nach Spielende sind wir oft schon ausverkauft. Die Auflage können wir aus finanziellen Erwägungen leider nicht erhöhen.

YB Saisonrückblick 2014/15 Cover

Inhalt:

★ „Wir sind die Eins – und jetzt macht Platz!“: Szene Interview mit UN-Capo Jörg
★ Nordkurve: Knackiger Rückblick auf 34 Spiele Liga und Pokal
★ Choreos: Deine Kurve ist bunt
★ Worte der Kurve: Alle Spruchbänder der Saison, inkl. Hintergründe
★ Diffidati Presenti: Vom Kneipenthresen auf die Anklagebank
★ Hall of Fame: Javier Pinola
★ Original Glubb: Der Vorstand geht
★ A bis Z: Candeias, USK und Xavier Naidoo

Um euch die Wartezeit zu verkürzen haben wir dieses Mal unsere Hall of Fame zum Abschied von Javier Pinola hochgeladen.
Leseprobe Ya Basta! Saisonrückblick 2014/15 – Hall of Fame

Alles aus Strategie – Bild, schleich dich!

Wenn sich die Bild-Zeitung für Flüchtlinge einsetzt, dann ist das in etwa so als würde Heckler & Koch für Pazifismus werben. Oder Heidi Klum für ausgewogene Ernährung. Könnte man meinen. Doch langsam wandelt sich die Stimmung im Land zum Positiven. Flüchtlinge sind überwiegend willkommen. Selbst Bundesmutti Angie stellt sich – endlich – ihrer Verantwortung und positioniert sich pro Asyl. Da muss auch die BILD nachziehen – sonst droht sie Kunden zu verlieren.

Noch vor nicht allzu langer Zeit sah das bei BILD anders aus: Die Zeitung hetzte gegen „Dauer-kriminelle Ausländer“ oder belegte derartige Aussagen mit kruden Statistiken. Dann der plötzliche Wandel: Vereinzelt stellte sich das Pleitegriechen-Blatt auf die Seite der Vertriebenen – ließ es sich jedoch zeitgleich nicht nehmen rassistische Meinungsmache zu betreiben. Zumindest ein bisschen. Denn das schadet Auflage und Klickzahlen nie.

Folgt nun aber die Wende zum Guten? Die Aktion „Wir helfen“ der BILD lässt das vermuten. Lediglich will die Initiative so rein gar nicht zur sonstigen Stimmung des Blattes passen. Wir vermuten die Aktion hat Kalkül: BILD als wohltätig positionieren. Das alles auf dem Rücken derer, gegen die sonst massiv Stimmung gemacht wurde.

Am Wochenende verzichtet nun DFL-Sponsor Hermes zu Gunsten der Aktion auf sein Logo auf dem Trikotärmel. Sämtliche 36 Clubs der 1. und 2. Liga laufen mit Logos der BILD auf. Als bislang einziger Verein hat der FC St. Pauli angekündigt sich nicht an der Aktion zu beteiligen. Darauf reagierte BILD-Chef Kai Diekmann gewohnt dünnhäutig.

Diekmann

Eine gefährliche Tatsachenverschiebung: Jenes Medienunternehmen, das über Jahrzehnte rassistische Hetze betrieb, dessen Schlagzeilen Mitschuld tragen an der pogromartigen Atmosphäre rund um Asyl-Unterkünfte in Deutschland, inszeniert sich als friedenstiftende Instanz. Jener Fußballverein, der – trotz aller Rivalität – wie kein zweiter gegen Fremdenfeindlichkeit eintritt, steht öffentlich in Misskredit. Einfach widerwärtig.

Daher schließt sich das Ya Basta! dem Bündnis aktiver Clubmitglieder an. Wir fordern die Verantwortlichen des 1.FC Nürnberg dazu auf Courage zu zeigen und an der Aktion „Wir helfen“ nicht teilzunehmen. Die BILD steht für Rassismus, Stammtisch-Rhetorik und unseriösen Journalismus. Erst in den vergangenen Wochen ist der 1.FCN „Recherchen“ des Mediums zum Opfer gefallen. Zeigt eure Solidarität mit Flüchtlingen, aber zeigt sie nicht mit Springer! Ladet wieder Flüchtlinge zu unseren Spielen ein, engagiert euch mit euren Fans rund um die Notunterkünfte. Aber bitte: Fürchtet keine schlechte Presse. Denn schlechte Presse aus dem Hause Springer ist gute Presse!

„Wenn wir vom Feind bekämpft werden, dann ist das gut; denn es ist ein Beweis, daß wir zwischen uns und dem Feind einen klaren Trennungsstrich gezogen haben.“

Saisonheft in Druck

Nach dem gestrigen Tag fällt es schwer zum Alltagsgeschäft zurückzukehren. Wir tun es trotzdem. Denn da wir inzwischen wissen, dass die größten Ya Basta!-Fanboys tatsächlich aus Fürth kommen, haben wir eine Nachricht, die nicht nur unsere treuen grün-weißen Follower freuen wird: Das Ya Basta! Saisonheft 2014/15 befindet sich in Druck. Wenn alles klappt, ist es am Samstag gegen Sandhausen rund um die Nordkurve erhältlich.
Am Ende war es wie sie oft ein Kraftakt: Beim achten Saisonrückblick dachten wir beinahe, er sei inzwischen ein Selbstläufer. Denkste! Letztlich zog sich die Erstellung über fast drei Monate und wir mussten die Veröffentlichung zwei Mal verschieben. Kurz vor Fertigstellung hat es dann auch noch einen unserer Layouter gesundheitlich erwischt. Jetzt stehen wir aber endlich in den Startlöchern. Samstag im Handverkauf.

Riot-Kids lesen Ya Basta!

Kids love riot – und am liebsten mit einer Ya Basta! im Gepäck. Denn unser „Propaganda-Blatt“ taugt nicht nur als Feierabendlektüre, sondern für jedwede lebenspraktische Situation. Egal ob als Steinschleuder gegen die Cops oder als Schutzschild vor deren Pfefferspray-Attacken: Umso fetter das Heft wird, umso multifunktionaler ist es.

Deshalb solltet auch Ihr beim kommenden Heimspiel zuschlagen. Für vier Tacken auf die Hände der zwielichtigen Verkäufer erhaltet ihr unsere dieses Mal 164 Seiten starke Postille. Damit geht ihr top präpariert in den Spieltag. Wer braucht da schon Klatschpappen? – Mit Ya Basta! alles klatschen!

riot-kids lesen ya basta

Ya Basta 43!
Out now!

Wir haben es versprochen und halten Wort: Noch in dieser Saison schießen wir die Ausgabe #43 nach! Wir müssen allerdings gestehen, dass uns hierbei etwas passiert ist…
… das Titelthema „Die Spielstätten des FCN“ ist schlichtweg explodiert. Auf satten 56 Seiten lassen wir vor allem die Vergangenheit Revue passieren, blicken aber auch auf die Gegenwart und in die Zukunft. Wir sind uns sicher: So geballt und umfangreich werdet ihr die Infos zu unseren Spielstätten nirgends finden und auch wir staunten bei den Recherchen nicht schlecht. Wir haben eine Büchse der Pandora geöffnet und einmal mehr die Magie unseres Traditionsvereins gespürt. Richtig geil!
Insgesamt umfasst das neue Ya Basta! schlanke 164 Seiten (Rekord!), der Preis bleibt unverändert bei 4 Euro. Gegen Aalen heißt es also zuschlagen, die letzten Ausgaben waren allesamt nach einem Spieltag vergriffen.
Aufgrund des gewaltigen Schwerpunkts musste der restliche Inhalt natürlich etwas komprimiert werden, allerdings haben wir dennoch alle wichtigen Themen unterbekommen. Mit dem Text „Moralische Verurteilung“ greifen wir u.a. einen Vorfall auf, für den sich USP & Co wohl heute noch fremdschämen – da haben Boulevardpresse und Polizeimeldungen ganze Arbeit geleistet. Ein Jahr später werden wir aber wohl die einzigen sein, die die gezielt gestreute Lüge der „Nagelflaschen-Attacke“ aus Freiburg widerlegen werden. Interessiert heute zwar niemanden mehr, uns war es dennoch wichtig, denn anhand weiterer Beispiele stellen wir fest: Diese Masche hat System!
Genauso wichtig soll es an dieser Stelle sein, die RB-Thematik (zumindest für diese Saison) abzuschließen. Nach den Einstiegstexten rund um das Heimspiel, den Ankündigungen & Diskussionen im Vorfeld des Rückspiels, wollen wir euch den Spielbericht aus Leipzig als Leseprobe zur Verfügung stellen. Einfach ein bisschen drüber nachdenken…

Leseprobe Ya Basta! #43 – Spielbericht RB – FCN

Ya Basta! #43 out now!

Die Themen:

★ Im Fokus: Lebensgefühl FCN
★ In memoriam
★ Titel: Spielstätten des FCN
★ Nordkurve (Spielberichte und geile Bilder)
★ NK Jugend (Jugendtag und Interview)
★ Rund um den Glubb
★ Interview: Der Schalsammler
★ Lesestoff & Flimmerkiste
★ Staatsfeinde (Pyrotechnik in Kaiserslautern // Moralische Verurteilung)
★ Greatest Moments: Meisterschaft 1925
★ Meine Stadt: Nürnberger Feuerwehr
★ Amici
★ Auswärtsblock: Situation der türkischen Ultras im Jahr 2015

Ya Basta! #42 Reminder
Heute im Stadion

Kurz zur Erinnerung: Für alle, die (noch) nicht im Sonderzug zuschlagen konnte, gibt es heute im Stadion die restlichen Exemplare unserer Ausgabe #42. Zum Inhalt und wie fett der ist, haben wir ja schon viel gesagt, also nicht lang schnacken! Wie immer stehen unsere attraktiven Verkäufer mit den modischen Einkaufswägen an den Eingängen der Nordkurve, vor den Blöcken und auch vor dem Stadion, um euch den endgeilen Shit anzudrehen.

RB-Debatte: Kommentar und Antwort

Das RB-Thema erhitzt die Gemüter. Heute spielen wir endlich (?) in Leipzig. Wie schon bei der ersten Begegnung im Oktober, erreichen uns von allen Seiten Nachrichten. Vieles davon ist aus argumentativer Sicht leider sehr dünn, sodass wir darauf nicht näher eingehen. Ein interessanter Kommentar wurde jedoch auf dem Blog footballuprising veröffentlicht:

Ich bin alles andere als ein Freund dieses Scheiß-Vereins und finde Aktionen gegen RB deshalb prinzipiell auch vollkommen okay. Beim Spiel Union gegen RB beteiligte ich mich selbst mit den anderen 15000 Besuchern daran. Der 20-minütige Stimmungsboykott mit übergezogenen schwarzen Müllsäcken sowie die darauffolgende (Stimmungs-)Explosion war schon ziemlich geil (auch der Sieg, aber das wird die Leser dieses Blogs an dieser Stelle wahrscheinlich eher weniger interessieren…).

Die Begründungen dieser Ablehnung, die in den diversen Aufrufen für Aktionen gegen diesen Verein zum Ausdruck kommen, gefallen mir allerdings – aus den verschiedensten Gründen – eher weniger. Euer Aufruf erscheint mir dabei ziemlich exemplarisch zu sein. Es würde an dieser Stelle allerdings zu lange dauern, dies hier ausführlicher darzulegen, aber die Stichwörter, die für allerhand Mystifizierungen dienen, kann ich schon mal nennen: Tradition, echte Arbeit und Verrat. Demnächst werde ich mich dazu mal ausführlicher äußern, aber ich denke, dass RB als bis ins letzte Detail durchkomponiertes Marketingprodukt eher den deutlichsten Ausdruck einer Entwicklung darstellt, die nicht aufzuhalten sein wird. Und leider vielleicht sogar den ehrlichsten.

Weshalb ich mich an dieser Stelle allerdings überhaupt zu Wort melde, hat mit dem Ende des Aufrufs zu tun: “Also macht kaputt, was euch kaputt macht!” Die Scherben, von denen dieser Ausspruch stammt, und mit ihnen eine ganze Generation von Revoltierenden, kritisierten damit diese Scheiß-Welt an sich: alle Konzerne, die gesamte Gesellschaft, die stumpf machende Maloche und den regelnden Maschinentakt. Ihr allerdings fordert in eurem Aufruf den Schulterschluss mit allen Vereinen und den Spielern (gegen das vermeintlich größte Übel aller Übel), und ich kann nicht glauben, dass ihr das wirklich ernst meint. Oder? Wirklich mit den ganzen Vereinen, inklusive ihrer (AG-)Strukturen, den Hierarchien, den damit zusammenhängenden (prekären) Scheißjobs, den dahinterstehenden Konzernen, den Zielen der Profitmaximierung usw.? Und auch mit all diesen dressierten Spielern – Arbeitskraftverkäufer und Produktionsmittel in einem –, die sich wie gut geölte Maschinen über den Platz schieben, wollt ihr in einem Boot sitzen? Meint ihr das wirklich ernst? Ist eure gesamte Kritik an diesem Spektakel wegen diesem einen Scheiß-Konzern flöten gegangen? Ich kann’s mir eigentlich nicht wirklich vorstellen und einige andere Berichte auf euren Seiten scheinen mir dabei auch recht zu geben…

R. (footballuprising.blogsport.eu)

Bei all den Nachrichten, die uns erreichen und die teilweise wirklich unter die Gürtellinie gehen, haben wir hinsichtlich RB eigentlich auf Durchzug geschaltet. Zwei Wochen hat man eben den Leipziger Shitstorm gegen sich. Nichts, was wir nicht aushalten könnten oder inzwischen gewohnt wären. Bei diesem Kommentar dagegen verhält es sich anders. Ein Schreiber aus unserem Ya Basta!-Team hat sich die Mühe gemacht etwas ausführlicher zu antworten.

Lieber R.,

mit einer Mischung aus Wohlwollen und Verwunderung habe ich deinen Kommentar auf einen unserer Blogposts gelesen. Denn mal ehrlich: Ich glaube soweit liegen wir gar nicht auseinander.

Ich muss dir sogar in einigen Punkten Recht geben. Die Kritik an Red Bull, wie sie vielfach praktiziert wird, ist tatsächlich bedenklich. Gelegentlich spielt sie sogar mit Begriffen und Symboliken („Rattenball“), die nicht nur bedenklich sondern widerlich sind. Meine alten Kumpels hätten an dieser Stelle reflexartig von „regressiver Kapitalismuskritik“ gesprochen. Wahrscheinlich beschreibt es das sogar ganz gut. Hinterfragt wird ein Symptom und nicht die Ursache. Red Bull wird zum versinnbildlichten Bösen stilisiert; die kapitalistische Logik dahinter kümmert nicht. – Sicherlich zugleich symptomatisch für die deutsche Ultrasszene: Denn verkürzt ist nicht nur die Kritik an Red Bull, sondern die gegen den Modernen Fußball im Allgemeinen.

Dieses Thema haben wir zum Beispiel in unserer (inzwischen vergriffenen) Ausgabe 40 ausführlich behandelt. Damals habe ich mich über mehrere Tage und Abende durch Meldungen, Reportagen und Videos zum Thema Red Bull gewälzt. Im Heft haben wir dem Thema immerhin sechs Seiten eingeräumt. – Ich vermute an dieser Stelle einfach Mal, dass du es nicht gelesen hast. Vielleicht würdest du weniger hart mit uns ins Gericht gehen.

„Die Kritik an Red Bull setzt häufig leider sehr an der Oberfläche an. „Gegen RB“-Shirts, dazu ein kleines Spruchband – wirklich originelle und aufsehenerregende Aktionen waren bislang selten dabei. Natürlich auch, weil nur wenige Szenen die Größe der Rostocker haben und wirklich etwas reißen könnten; leider aber auch deshalb, da „Gegen RB“ vielerorts einfach der kleinste gemeinsame Nenner ist, um gegen die Ökonomisierung des Fußballs zumindest ein bisschen aufzubegehren. […] Die notwendige Radikalität und Konsequenz in allen Lebensbereichen war eben selten eine Stärke der (fußball-)deutschen Protestbewegungen. Wir ahnen schlimmes.“

So eine Passage aus dem damaligen Text in unserem Heft. Dort haben wir den Raum, um Themen ausführlich zu betrachten und unterschiedliche Blickwinkel zu ermöglichen. Mit unserem Blog verhält es sich dagegen anders: Das Internet bleibt für uns zwar kein Neuland, aber eben doch ein Nebenprojekt. Da werden wir keine seitenweisen Artikel hochladen, die bis auf 50 Leute, sowieso niemand zu Ende liest. Aus unserer Sicht wäre das schlichtweg verlorene Liebesmühe: Nach zwei Tagen im Facebook-News Feed hat das Social Web die viele Arbeit, die hinter einem gut recherchierten Text steht, zumeist schon wieder vergessen.

Den Blog nutzen wir überwiegend für Ankündigungen, wie du siehst. Oder eben, wenn uns wirklich mal ein Thema auf den Nägeln brennt und wir wegen Aktualität und Relevanz nicht auf Veröffentlichung des Heftes warten können. Teilweise sind wir dabei natürlich etwas polemisch, teilweise treibt uns schlichtweg die Wut – und auf so etwas „überbewertetes“ wie Redigieren geben wir dann erst recht einen Fick. Teilweise nutzen wir den Blog aber auch, um noch mal auf ein aktuelles Thema aufmerksam zu machen. In diesem Falle Red Bull. Ein kurzer Text, ein paar Aspekte als Informationshappen. Nicht mehr nicht weniger. Oder erwartest du auf sieben Absätzen tatsächlich so etwas wie „emanzipatorische Kritik“?! – Für alles Ausführlichere gibt es eben unser Magazin.

Ich verstehe dich insofern als dass der Aufruf natürlich etwas kurz geraten wirkt. Vielleicht unterscheiden sich die darin enthaltenen Argumente auch nur rudimentär von dem Rotz, den andere Szenen so veröffentlicht haben. Uns aber unterschwellig rechte Rhetorik und „Mystifizierung“ vorzuwerfen („Tradition, echte Arbeit und Verrat“), das ist aus meiner Sicht dann doch etwas weit hergeholt, lieber R..

Der Punkt ist doch der: Du lebst genauso wie wir den Wochenend-Widerspruch, jedes Mal wenn du ein Fußballstadion betrittst. Noch verheerender: Wir beide wissen sehr gut darüber Bescheid. Verzichten können wir jedoch nicht. Wer unter kapitalistischer Logik lebt, der kann sich dem nicht entziehen. Selbst wenn er sich Öff!Öff! nennt und ein Aussteiger-Projekt startet. Wir können der Sache nicht entkommen – schon gerade nicht beim Fußball und mit Sicherheit auch nicht bei den Vereinen, die wir selbst unterstützen.

Neben unserer Tätigkeit als Fanzine-Macher sind wir vom Ya Basta! an den unterschiedlichsten Ecken in unserer Fanszene eingebunden. Wir schreiben nicht nur, wir handeln. Also schreiben wir, in dem Moment in dem wir uns dem Thema Red Bull nähern, natürlich stark eingefärbt durch die Vereinsbrille. Wir sind Fans und Mitglieder, verloren in irrationaler Hingabe zu unserem Verein (sic!). Der 1.FC Nürnberg ist formal natürlich genauso Kapitalismus, wie Red Bull, Volkswagen, Bayer, SAP und Audi. Da gebe ich dir Recht. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass sich der 1.FCN für mich eben noch immer anders anfühlt als Vereine wie RB Leipzig. RB Leipzig gibt es nur, da die Red Bull GmbH einen neuen Werbeträger benötigt hat. In seiner Funktion unterscheidet sich der Verein nicht signifikant von Außenwerbung oder TV-Spots. Bei Vereinen wie dem 1.FCN ist das anders. Er wurde aus privater Initiative und Leidenschaft gegründet. Kommende Generationen haben ihn aus Hingabe groß gemacht. Geld und Verwertungslogik spielten zunächst keine Rolle.

Freilich treten sowohl RB als auch der FCN heute unter den gleichen kapitalistischen Bedingungen an. Freilich treibt es auch mein Verein aus monetären Interessen zu bisweilen abscheulichen Blüten. Dennoch weiß ich, dass es bei meinem Verein eben nicht immer so war; dass die Ursache für die Gründung des 1.FC Nürnberg kein kapitalistischer Selbstzweck war. – Deshalb kann ich ihn auch noch halbwegs guten Gewissens unterstützen. Wohlwissend, dass meine Fanszene jederzeit wachsam sein muss.

Dass du dich an manchen Begrifflichkeiten zu stören scheinst, kann ich nur bedingt nachvollziehen. Bloß weil Begriffe wie Tradition oder Ehre auch gerne in rechten Kreisen besetzt werden, bedeutet das aus meiner Sicht nicht, dass man sie nicht mehr verwenden sollte, wenn sie passend sind. Schließlich bedeutet der Verweis auf die Tradition meines Vereins noch lange nicht, dass ich alle Aspekte seiner Geschichte glorifiziere. Im Gegenteil: Wäre dem so, dann wären Aktionen wie die für Jenö Konrad in unserer Fanszene gar nicht möglich gewesen. – Sofern du also möchtest, ersetze einfach „Tradition“ durch „Historie“, ersetze „echte Arbeit“ durch „Kontinuität“ und „Verrat“ durch so eine umständliche Worthülse wie „Frustration über plötzliche Veränderungen in unserem direkten Lebensbereich“. Du siehst also: Manchmal muss es nicht schaden die Dinge beim Namen zu nennen. Auch wenn wir dabei zugegebenermaßen zu einem gewissen Pathos neigen. Wir sind eben immer noch Ultras.

Umso länger ich über deine Worte nachdachte, umso passender erschien mir eine private Anekdote als Vergleich:

Als ich 16 war, saß ich mal in einem McDonalds. Damals war ich idealistisch bis auf die Zehenspitzen. Ich wollte in dem Laden nichts essen. Irgendwann ließ ich mich doch dazu verleiten. McDonalds ist schließlich genauso Kapitalismus wie jeder andere scheiß Schuppen auch, sagte ich mir. – Dennoch fühlte ich mich nie sonderlich gut dabei. Da war immer eine kleine Stimme in mir, die aufschrie und rebellierte. Bei meinem Lieblings-Kurden um die Ecke hatte ich das nie. Hier schmeckt das Essen (noch) lecker(er) und ich brauche keine Skrupel wegen irgendwas haben.

So ähnlich wie mit McDonalds und dem kurdischen Imbiss, verhält es sich für mich auch mit Red Bull und dem 1.FCN. Beide agieren auf ähnlichem Feld, beide in gleicher Gesellschaft. Der eine bleibt jedoch austauschbar und liegt schwer im Magen; der andere ist einmalig, vertraut, aber immer für Überraschungen gut. Beide lassen formal keine Wünsche übrig. Bei dem einen habe ich jedoch ein mulmiges Gefühl, bei dem anderen fühle ich mich von Grund auf Wohl.

Es bleibt letzten Endes eine Gewissensfrage, die sich rational nicht völlig erklären lässt. Allein schon weil der Fußball und unser Dasein als Fans niemals rational war.

„Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.“ – Da gebe ich dir Recht. Aber wenn du die Wahl zwischen Red Bull und Club Mate hättest, würdest du doch auch die Mate saufen!

Grüße aus Türkei
P.

PS: Ich lege dir wärmstens die neue Ya Basta! #42 ans Herz. Manch einer behauptet es sei geiler Scheiß; wir selbst natürlich auch. Das Urteil überlasse ich dir.

Ein komisches Gefühl

Persönliche Gedanken

Kurz vor dem Spiel in Leipzig ist die Debatte um den Konzern natürlich besonders präsent. Tun wir das Richtige oder ist es falsch nach Leipzig zu fahren? Bedeutet der Konzern tatsächlich eine einschneidende Veränderung unseres Fußballs?

In den vergangenen Monaten wurde von Medien und Verbänden merklich versucht, dem Konzern eine Berechtigung zuzusprechen. Auch unser letzter Beitrag Den Kozern ausschließen, der sich mit seiner Schlussforderung an die Vereine – freilich provokant – auf die kürzlich beschlossene Solidarität mit dem Konzern auf einer DFL-Tagung bezog, entfachte ein großes Echo der Lobbyisten, das wir so gar nicht erwartet hätten. Auf der angesprochenen Tagung positionierten sich die Vereine klar gegen die Hasstiraden; aber dieses empört zwanghafte Verhalten ist nichts Neues im heutigen Fußball – muss man ja machen. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, da war es selbstverständlich Vereine und Vereinsbosse landauf landhab zu beleidigen und auszugrenzen. Sensationelle Beiträge wie „Bayernfans sind Feiglinge“ und „Lasst eure Kinder nicht Bayern-Fans werden“ oder das Lied (ich würde nie zum FC) „Bayern“ (münchen gehen) würde ich heute gerne mal über den Konzern-Klub lesen oder hören – aber das traut sich keiner. Natürlich gab es auch damals einen Aufschrei der Gegenseite, aber dieses notgedrungene Pseudo-Rechtfertigen, warum ein Konzern plötzlich derart Platz in unserer Fußballmitte finden soll, das gab es freilich nicht. Die DFL-Lieblinge wie Hopp oder Matteschitz, die so fleißig in den Fußball investieren und den Regionen etwas Gutes tun, dürfen allerdings auch den Fußballwetbbewerb in Ihren Grundsätzen verändern. Eine Frage des Geldes – Vereinshistorie und Fußballromantik werden dagegen als überholt dargestellt.

Das stimmt alles sehr nachdenklich. Ich habe ein wirklich komisches Gefühl im Magen, wenn ich an das morgige Spiel denke.

Natürlich ist es nicht mehr so wie früher, wird es auch nie mehr sein. Fälschlicherweise wird den Ultras immer wieder in den Mund gelegt, dass sie sich einen Fußball wie 1920 wünschen, latente Nazivergleiche inklusive. Die Frage ist nur: Was machen sie dann noch in den Bundesligastadien? Niemand hat je behauptet, dass wir die Uhren zurückstellen wollen – aber es passt natürlich gut in die Stammtisch-Polemik derer, die den heutigen Fußball verändern wollen und die Spirale vorantreiben! Richtig ist, dass die Ultras und Fußballromantiker die Erinnerungen an diese Zeit aufrecht erhalten und damit dem Fußball(geschäft) von heute einen Anstrich verleihen, der ihn erst zum Phänomen gemacht hat. Letztendlich geht es dabei darum den Fußball von heute zu erhalten wie er ist; und wenn dabei wieder ein bisschen mehr Fußball-Reinkultur herausspringt, soll es natürlich auch recht sein. Dieses Minimalziel gilt aber eben nur, wenn wir uns immer wieder an unsere Wurzeln aus der Vergangenheit erinnern.

Auf den ersten Blick mögen wir Fußballromantiker uns auch gar nicht so sehr von dem Konzern-Gefolge unterscheiden. Auch wir wollen attraktiven Fußball sehen und Erfolg haben – wer träumt nicht von Europa oder davon noch einmal auf dem Hauptmarkt einen Triumph zu feiern? Aber nicht um jeden Preis! Wir haben es 2007 durch Leidenschaft, Arbeit und Wille geschafft und dabei ganz andere Kaliber hinter uns gelassen! Genau deswegen hat es sich auch so einzigartig gut und ehrlich angefühlt! Natürlich kotzt es uns an, dass es zukünftig noch schwerer wird und manche Vereine hart für diese Träume arbeiten müssen, während andere sie geschenkt bekommen oder erst aus dem Boden gestampft werden. Das bringt nüchtern betrachtet den Wettbewerb aus den Fugen, wenn Leistung nicht mehr kohärent belohnt oder bestraft wird – oder noch schlimmer: Es hebt den Wettbewerb auf ein noch gefährlicheres Level, das unter enormen Erfolgsdruck Nachahmer generiert.

Es ist auch ein Unterschied, warum diese Maßnahmen ergriffen werden. In Nürnberg und anderswo versucht man die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auszuschöpfen, damit der Verein davon profitiert. Bei Vereinen wie Hoffenheim oder Wolfsburg kann man die Frage nach dem Warum mit Sicherheit unterschiedlich beantworten. In Leipzig geht es nur darum, dass der Konzern davon profitiert – auch wenn in diesem Sog praktischerweise noch tausende, ausgehungerte Menschen mitfeiern, die ihre Fußballpräsenz jedoch ausschließlich auf Erfolg reduzieren.

Doch wer so denkt, hat den Fußball nicht verstanden. Auch wenn die Leipziger sich verständlich nach Erfolgen sehnen mögen – durch ihr Fan-Dasein wird deutlich, dass wir uns grundlegend darin unterscheiden, warum wir den Fußball lieben. Wir lieben ihn nicht wegen des im Rausch des Sieges erhabenen Gefühls, sondern wegen den kleinen, fast unscheinbaren Geschichten, die der Fußball schreibt. Weil er Freude und Freunde bereiten kann – auch wenn man nicht ganz oben steht. Das haben sie in Leipzig nicht kapiert, dafür haben sie sich nicht intensiv genug mit dem Fußball befasst. Wer zum Beispiel einmal in uralten Chroniken des 1.FCN geschmökert hat und in den Erinnerungen eines Hans Hoffmann versunken ist, der versteht den Unterschied. Der spürt, dass die Faszination des Sports nicht von den Erfolgen einer Mannschaft ausgeht. Wer glaubt, dass es Fußballromantik nicht braucht, der reduziert Fußball auf Erfolg. Wer behauptet, die Ultras interessieren sich nicht für Fußball, der reduziert Fußball auf Erfolg. Und wer behauptet, RB-Fans seien Fußballfans, der reduziert Fußballfans auf Erfolgshascher. Doch damit tut man dem Fußball unrecht.

Natürlich kommt man heute nicht wegen dieser Erzählungen zum Fußball. Man verliebt sich zunächst in den Sport. Aber diese Anekdoten sorgen dafür, dass man beim Fußball bleibt, dass aus der Verliebtheit eine Liebe fürs Leben wird. Dieses Erbe müssen wir bewahren – gerade in einer Fußballwelt, die zukünftig durch Konzerne dominiert zu werden droht. Für andere ist es eben ein One-Night-Stand, eine kurzfristige Lust, und das ist natürlich auch legitim und sogar geil; lediglich ist es eine andere Art der Befriedigung. Bitte wundert euch dann nur nicht, wenn unsere Welten aufeinanderprallen und wir euch als Schlampen beschimpfen. Schon klar, mit den alten Geschichten über die Entstehung eines Vereins kann man einfach nicht so gut am Stammtisch oder auf dem Pausenhof protzen – da muss die geile Nummer her, auch wenn man schnell nichts mehr spüren wird.

Aber was schert es uns, wenn in Leipzig ein anderes Fußballverständnis herrscht? Warum haben wir ein Problem mit dem Konzern, es kann uns doch egal sein, was die machen, oder?

Die Antwort ist ganz einfach: Wir hätten nämlich nicht so ein großes Problem mit dem Konzern, wenn er nicht auch uns selbst betreffen würde. Heute spielen wir nur gegen einen dieser Konzerne, morgen vielleicht schon gegen drei und übermorgen soll unser Verein vielleicht auch dazu gehören?! Das Problem, was wir mit RB haben: Wir wollen nicht irgendwann genauso sein wie die! Wir haben in Deutschland momentan noch ein vergleichsweise akzeptables (aber trotzdem nicht gesundes) Verhältnis aus erfolgreichem Fußball, Kommerz, Geschichte und Freiräumen für Fans. Eigentlich hätten wir doch alle einigermaßen zufrieden sein können (und übrigens: Leipzig ist nicht die einzige Stadt, deren Beweohner es nach Fußballerfolgen dürstet – diese Jammerei kotzt nur noch an!). Der Konzern zerstört das Gleichgewicht – nicht alleine, sondern weil andere nachziehen werden. Daran dürfen wir uns nicht gewöhnen, wie wir schon die letzten Jahren „gewöhnt wurden“!

Demnach obliegt auch den Leipzigern mehr Verantwortung als nur für den Fußball in ihrer Stadt. Entscheiden sie sich für diesen Konzern, entscheiden sie sich auch dafür, dass der Fußball von morgen so aussehen könnte. Dominiert durch Konzerne und einen Fußball, der auf nackte Zahlen reduziert wird. Geht zu Chemie – ihr werdert dort vielleicht weniger Titel sammeln, aber nicht weniger Geschichten erleben und den Fußball in einer Form fühlen, wie sie ein Konzern niemals vermitteln könnte! Wenn aber Red Bull und Co. der Fußball von morgen sind, dann verliert er auch Vereine wie Chemie, uns Fußballromantiker und damit stetig ein Stück mehr seiner Vergangenheit. Er verliert seine Identität und Nachhaltigkeit. Bei diesem Gedanken überkommt mich ein komisches Gefühl und ich denke wieder an das morgige Spiel. Trotzdem fahren wir hin – oder gerade deswegen? Für unseren Fußball.

Jeder Protest gegen den Konzern ist somit weniger ein Statement gegen RB Leipzig selbst, sondern für den Erhalt des eigenen Vereins, der sich mitzuentwickeln droht. Wir haben es noch immer in der Hand!

Und liebe Leipziger, jetzt seid doch nicht immer gleich angepisst, wenn jemand gegen euren Konzern wettert – auch euer Erfolg hat seinen Preis und wir werden ihn hoch treiben! Aber wie gesagt, bleibt locker, euch bedeutet der Fußball eh nichts. Und wenn euch Red Bull tatsächlich glücklich macht, dann habt ihr den Fußball sowieso nicht verstanden. Ihr könnt ihn auch nicht verstehen, aber das macht nichts. Vielleicht werdet ihr ihn ja irgendwann verstehen, wenn ihr wieder unten steht und Red Bull den Abflug macht, da ein anderes Marketingtool attraktiver erscheint. Vielleicht wird es euch aber auch egal sein, weil ihr den Fußball nur oberflächlich betrachtet (habt) und ebenfalls den Abflug macht. Unsere Träume, irgendwann mal wieder auf dem Hauptmarkt zu stehen, rücken nun in noch weitere Ferne. An unserer Liebe wird es dennoch nichts ändern – weil sie sich nicht darauf stützt. Anders als bei euch. Viel Spaß noch, Peace!

Nachtrag: Gerade eben kam mal wieder eine Meldung über eine mögliche/baldige Übernahme von Leeds United durch RB rein. Nach Chelsea und Manchester City wäre damit der dritte große Investor-Hai im Becken, davon mal abgesehen, dass auch schon andere Vereine wie Cardiff, ManU etc durch ausländische Geldgeber in Abhängigkeit geraten sind – die drei erstgenannten sind aber Extremfälle. England wird wieder einmal das warnende Beispiel sein, in welche Richtung sich der Fußball entwickelt, doch es wird immer noch genug Geier geben, die dieser Entwicklung hinterhereifern wollen (oder müssen)? Gerade im Hinblick darauf, dass RB dann ein drittes Team steuern würde, sei uns noch einmal ein Verweis an den sehr zwielichtigen Transfer von Sabitzer erlaubt. Zur Erinnerung: weil der Österreicher von Rapid Wien nicht zu einem Ligakonkurrenten wechseln darf, unterschreibt er bei RB Leipzig – und wird von dort an den Schwesterverein Salzburg verliehen. Aber davon, genauso wie über die sehr dubiosen „Vereins“strukturen der RB-Werbeträger, will ja keiner was wissen… sonst wirds unangenehm und die Investoren will man ja nicht vergraulen… man kann eigentlich nicht jeden Kritikpunkt zu diesem Konzern-Fußball in einen Beitrag packen, daher bleibt auch dieser nur ein unvollständiger Abriss.

… und im Übrigen bin ich der Meinung, dass RB zerstört werden muss!

Sonderzugfahrer lesen Ya Basta!

Gute Nachrichten, die Ya Basta! Ausgabe 42 nach 0 ist frisch aus dem Druckwerk eingetroffen! Am Sonntag wird es daher auf der Rückfahrt vom Klassenfeind unser Kampfblatt mit der üblichen Propaganda und Gehirnwäsche für laue 4 Taler geben.

Wie immer gilt: Vorsicht beim Genuss, ist nix für Gutmenschen, Moralisten und Schönwetterfans, aber die sind ja eh nicht im Lovetrain dabei…

Over and out!

Ya Basta! #42
Out now!

Das Warten hat ein Ende, denn spätestens am 10.4.2015 könnt ihr beim Heimspiel gegen Darmstadt das neue Ya Basta! #42 in den Händen halten. Wenn unsere Lieblingsdruckerei richtig Gas gibt, dann wird es sogar schon auf der Rückfahrt von Leipzig die passende Lektüre im Sonderzug geben. Eine Info dazu folgt noch rechtzeitig, packt euch aber lieber schon mal 4 Gulden mehr ein.

Bei diesem Preis haben wir uns natürlich nicht lumpen lassen und ein Backstein dürfte weniger wiegen, als unser 156-Seiten starkes Pamphlet, wie es einige liebevoll nennen. Für uns (und euch) ist es aber natürlich das geilste Heft der Welt, so dass wir uns (und unsere Nürnberger Kollegen) dieses Mal selbst gefeiert haben. In unserem 40-seitigen Titelthema geht es um die „Nürnberger Fanzines“, ihre Entwicklung, Geschichte und viele Interviews mit Hefte-Machern. Über Wochen haben wir wirklich viel gelesen, recherchiert, zusammengetragen und geschrieben, so dass am Ende ein Spezial herausgekommen ist, das unser Herzblut für Fanzines deutlich spürbar machen dürfte. Zieht es euch rein und die beste Nachricht: Weil das Titelthema so umfangreich geworden ist, mussten kurzfristig einige andere Beiträge geschoben werden, so dass wir noch in dieser Saison mit der Ausgabe 43 aufwarten werden – versprochen!

… und weil bei euch nun sicher wieder die Schnappatmung eingesetzt haben dürfte und die Zeit bis zum Heft trotzdem noch sooo lang erscheint, gibt es hier wieder eine kleine Köstlichkeit vorab. Erneut haben wir einen Brief geschrieben, dieses Mal an den aktuellen Trainer des RB-Konzerns, Achim Beierlorzer. By the way: Uli, solltest du das hier lesen, wir warten immer noch auf deine Antwort!

Leseprobe Ya Basta! #42 – Brief an Achim B.

Ya Basta! #42 out now!

Weitere Themen:

★ Titel: Nürnberger Fanzine-Geschichte
★ Nordkurve (Spielberichte und geile Bilder)
★ Wintertrainingslager: Larissa – Belek – Göteborg
★ Rund um den Glubb
★ Fight Modern Football (Brief an Achim B. // Spieltagszerstückelung)
★ Im Fokus: Massenaufläufe (HoGeSa, Pegida & Co)
★ Presseschau (Unwort des Jahres: Lügenpresse)
★ Spieler-Interview: Patrick Rakovsky
★ Amici (u.a. 10 Jahre Ultras Göteborg)
★ Im Fokus: Soziales Engagement (bei uns und anderswo)
★ Seitenblick (Refugees Welcome)

Was läuft hier eigentlich falsch?

Ein Kommentar

Gestern Abend, kurz vor 23 Uhr, ich chille noch etwas auf der Couch, parallel läuft SternTV (es geht um das Lohnniveau und die Methoden bei der Deutschen Post), da bekomme ich am Tablet noch einen interessanten Link-Tipp rein. 

Der Sport BILD auf die Finger geschaut – bedrohen die Ultras unsere Bundesliga auf turus.net

Schnell noch geladen, denn turus.net hat sich in der Vergangenheit schon mehrfach durch hohes (Kurven-) Fachwissen und den bei anderen Medien ebenfalls oftmals fehlenden „Blick von der anderen Seite“ ausgezeichnet. Auch dieses Mal spricht mir der Artikel einfach aus der Seele und ich würde mir wünschen, wenn noch mehr Leute auf solche Texte aufmerksam werden würden. Aber dazu fehlt natürlich die Lobby und relativ schnell beginne ich mich (wieder) damit abzufinden, dass er leider nie die Beachtung bekommen wird wie beispielsweise der kritisierte BILD-Artikel „Terror aus der Kurve“ – obwohl er fachlich und inhaltlich um Längen besser ist. Er hat eben nur die „falsche“ Aussage für die besorgte und genormte Gesellschaft. Der BILD-Artikel selbst lässt mich dagegen relativ kalt. Die übliche Polemik, die übliche Meinungsmache, über Wortwahl und einzelne Behauptungen will und kann ich mich nicht mehr aufregen. Das wird sich nur Sekunden später ändern.

Themenwechsel bei SternTV. Es geht um den Krieg in Syrien, genauer gesagt um den Dokufilm „Süchtig nach Jihad“ von Germanistik-Student Hubertus Koch, der versucht die Flüchtlingssituation in Syrien zu schildern. 

SternTV – Ein deutscher Student dokumentiert das Flüchtlingsdrama in Syrien
Die Doku „Süchtig nach Jihad“ auf Youtube“ (in mehreren Teilen)

Unweigerlich bleibt die Überschrift „Terror aus der Kurve“ des BILD-Artikels im Hinterkopf. Ich weiß natürlich, dass der Herr BILD-Chefreporter in seinem Bericht über uns Ultras das Wort „Terror“ als Stilmittel der Übertreibung verwendet hat – trotzdem hat er es bewusst verwendet. Ich unterstelle ihm auch, er weiß sehr genau, was wirklicher Terror ist, aber er wird sich damit rausreden, dass man es ja auch anders definieren kann – obwohl er es gezielt benutzt, um zu dramatisieren und dabei auch eine „Verwechslungsgefahr“ in Kauf nimmt. Ich weiß auch, dass wir in unserem Kurvenleben selbst oft und (leider) zu gerne zu solchen Übertreibungen und damit auch Fehlgriffen greifen. Dafür erfahren wir auch Kritik. Der Unterschied ist aber: Wir sind nun mal nicht Chefreporter eines Millionenblatts, welcher von Natur aus ein höheres Maß an Verantwortung und Weitsicht mitbringen sollte und kann – im Gegensatz zu einer heterogenen Fußballkurve. Ich empfinde es es sogar als bedenklich, wenn sich ein Mann in der Position eines Chefreporters bewusst einen solchen Fehlgriff leistet/leisten darf und mit solchen Worten/Vergleichen spielt. Denn er will durchaus diese drastische Assoziation unterbewusst beim Leser wecken und Empörung erzeugen.

Ersteres gelingt ihm bei mir „besser“ als ihm lieb sein dürfte, denn natürlich bringe ich ganz unweigerlich die beiden Beiträge, in denen es – mal mehr, mal weniger – um Terror geht, miteinander in Verbindung und erst bei dieser wirklich krassen Gegenüberstellung und dem kurzen Zeitintervall dazwischen – eine pure Zufallssituation –, merke ich, was für einen Fehlgriff sich der Herr BILD-Chefreporter hier geleistet hat. Hätte ich die beiden Beiträge unabhängig/zeitlich versetzt aufgenommen, hätte ich sie beide nicht so emotional verknüpft – so aber frage ich mich: Was läuft hier eigentlich falsch? 

Ich merke nun, wie mich das Thema innerlich aufwühlt. Es macht mich traurig & wütend. Sowohl der SternTV-Bericht selbst, als auch diese ganze Diskussion um „Neue Dimensionen der Gewalt“ beim Fußball. Ich erinnere mich plötzlich an eine kürzlich getätigte Aussage von Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer BVB), als es Ärger um das Solibanner der Desperados Dortmund für die Boyz Köln gab. „Je suis Boyz“ stand da drauf. Hans-Joachim Watzke meinte sinngemäß, er werde Stadionverbote prüfen, weil er darin eine „Verhöhnung der Opfer vom Anschlag in Paris“ sieht (siehe dazu auch Je suis Köln und der BVB auf turus.net). Unweigerlich frage ich mich, wie es dann beim „Terror-Bericht“ des Herrn BILD-Chefreporter ausschaut? Vielleicht sollte der DFB hier auch mal ein Stadionverbot prüfen? Vielleicht sollte der Herr BILD-Chefreporter aber auch einfach mal diesselbe Reise nach Syrien wie Hubertus Koch antreten. Und den Wendt kann er dazu gleich mitnehmen. Beiden will ich nämlich nicht absprechen, dass sie unsere (Stadion-) Welt etwas „besser“ machen wollen. Aber ich bin mir sicher, ihr Eifer wäre im Flüchtlingslager Bab Al-Salameh einfach viel besser angebracht und würde sie vielleicht auch mal wieder ein bisschen auf den Boden der Tatsachen zurück holen.

Apropos Eifer: Hubertus Koch merkt man ihn spürbar an und er hat mich mit seinen Aussagen und richtigen Fragen so gepackt, dass ich schon bald nicht mehr über die „gefühlten Ungerechtigkeiten“ und Stimmungsmache gegen uns Ultras nachdenke. Dieser Journalismus (daran könnte sich übrigens – rein fachlich gesehen – unser sogenannter BILD-Chefreporter eine Scheibe abschneiden) hat mich erreicht und er hat mir (mal wieder) gezeigt, dass es in der Tat wichtigere Dinge (ja, liebe Jungultras, da steht „wichtigere Dinge“ – eine Erkenntnis, die erst mit dem Alter kommt) als Fußball gibt und das Wenige, was ich tun kann, ist zumindest auf dieser Plattform darauf aufmerksam zu machen – und natürlich auf eine Auswahl von Spendenmöglichkeiten:

www.spendahilfe.de
www.uno-fluechtlingshilfe.de
www.spendenkonto-nothilfe.de
www.unicef.de
www.drk.de
(hier kann und muss natürlich jeder selbst entscheiden, welche Organisation man bevorzugt)

Vielleicht macht ihr es ja wie ich: Lasst am Samstag in Kaiserslautern die (heiß ersehnten) Weinschorlen einfach weg und spendet den 10er an Flüchtlingshilfen.

… weil das aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist, stell ich noch folgende Frage: Am 30. Spieltag trifft der FCN im Max-Morlock-Stadion auf Sandhausen, trotzdem werden bei diesem Spiel wieder hunderte Polizisten im Einsatz sein. Liebe Polizei, könnt ihr da nicht einfach daheim bleiben? Ich bin mir sicher, ihr wäret da vollkommen überflüssig. Und das eingesparte Geld, das überweist ihr dann einfach an eine der Flüchtlingshilfen. Was spräche denn dagegen?

PS: Vielleicht werden mir nun einige vorwerfen wollen, ich würde die Thematik um Syrien benutzen, um Politik gegen Boulevardpresse und Polizei zu betreiben. Natürlich nehme ich das auch zum Anlass, aber ich habe die Thematik „Terror“ nicht ins Spiel gebracht und es ist offensichtlich notwendig die Relationen mal wieder etwas zurecht zu rücken. Wer’s nicht nachvollziehen kann, der möge sich doch einfach dem Selbsttest unterziehen und die oben erwähnten Artikel nacheinander durchlesen/anschauen.

Ich gestehe BILD, Wendt & Co natürlich zu, Vorgänge in Deutschlands Fußballstadien zu kritisieren ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, weil es in Syrien (und anderswo) noch viel schlimmeres bzw wirkliches Leid gibt. Aber dann sollen sie es sachlich und weniger skandalisierend tun und nicht immer wieder solche populistische Vergleiche ziehen! Denn das läuft hier definitiv falsch! Ich verachte eure Versuche, ein falsches Weltbild zu skizzieren und zu verklären, um damit Lobbyarbeit zu betreiben. Und ihr solltet euch selbst verachten!

… und wenn mein Kommentar sowohl bei den sogenannten Chefreportern als auch den Weinschorle-Liebhabern zum Nachdenken anregt, dann kann das ja nicht verkehrt sein. Aber machen wir uns nichts vor, bei letzteren wird es wohl eher ankommen.

Guten Beschluss!

Das Ya Basta!-Team wünscht allen Bierdimpfl, Zigarettenbürschle und Schwarzkutten einen guten Beschluss! Kommt heil und gesund rüber, lasst euch nicht anschmarren. 2015 starten wir wieder durch. Das Jahr wird mit Sicherheit anders und gut. Sport frei!

Aber komm schon lasst uns feiern mit Silvester-Raketen /
Und wir tun mal einfach so als hätte es gestern nie gegeben.

Guten Beschluss!